Olympischer Höhepunkt: Spanien siegt, als Australierin beim Starkwind-Finale über Bord geht

Frau über Bord

Cuidado para não extrapolar.

Posted by Velejar E Viver Mar Stand up Paddle e Caiaque on Freitag, 18. März 2016

 

Die Match Race Finale der Frauen, das hier im kompletten Replay zu sehen ist, sollte der absolute Höhepunkt der Olympischen Segelspielen sein. So wie er es in Sydney war mit dem unvergesslichen Gold-Finale zwischen Jochen Schümann und Jesper Bank vor dem Opernhaus.

Entscheidung zum 2:1 für Spanien. Die Australierin Olivia Price ist aus dem Boot geschleudert worden. © onEdition

Entscheidung zum 2:1 für Spanien. Die Australierin Olivia Price ist aus dem Boot geschleudert worden. © onEdition

Aber diesmal kam das letzte Duell nur noch als ein Anhängsel in der Öffentlichkeit an. Kaum war Frauen Match Race drin im Olympia-Programm, so ist es auch schon wieder raus in Rio. Niemand schien diese Disziplin je so richtig gemocht haben.

Nun ist die Location vor Weymouth nicht mit Sydney vergleichbar und die Athleten haben nicht die großen Namen wie die Herren damals. Allenfalls Top Favoritin und Weltmeisterin Anna Tunnicliffe hätte für Glamour sorgen können oder das Heimteam, dem ebenfalls gute Siegchancen eingeräumt wurden. Aber beide Crews scheiterten überraschend im Viertelfinale.

Tatsächlich standen schließlich zwei Teams im Finale, mit denen niemand gerechnet hätte. Auf Spanien und Australien konnte man nicht wetten. So war die Entscheidung im Match Race der einzige Fall, der echte Überraschungen auf den vorderen Medaillenrängen zuließ.

Dass nicht die falschen Seglerinnen im Finale standen zeigt ihre Entwicklung in der Folgezeit. Die spanische 49er Steuerfrau Támara Echegoyen hat 2015 49er FX WM Gold gewonnen und auch Olivia Price gehört zu den besten 49er FX Seglerinnen der Welt.

Dramatisches Finale

Dabei war das Finale einem abschließenden Olympia-Duell durchaus würdig. Bei starkem Wind und hoher Welle mussten die Frauen-Teams besondere Bootshandling-Fähigkeiten zeigen. Im dritten Rennen ging es schief. AUS läuft bei einem Überholmanöver unter Spi aus dem Ruder und die Steuerfrau geht verloren.

Es war nicht der entscheidende Punkt für Spanien, aber einer der sie mit 2:1 in Führung gehen ließ. Am Ende gewannen die Spanierinnen mit 3:2 gegen Australien, die die Vorrunde ohne Niederlage überstanden hatten. Ein Penalty im letzten Rennen entschied über Gold und Silber.

Die Australierinnen lagen vor dem Wind vorne, als ESP auf einer Welle heran rauschte. Sie wurden ohne Wegerecht mit Wind von Backbord erwischt, drehten den Penalty sofort, der wurde aber nicht anerkannt, weil er unvollständig blieb und nicht 270 Grad erreichte.

Für die größten Schlagzeilen sorgten aber nicht die Sieger, sondern das russische Team um Steuerfrau Ekaterina Skudina. Es hatte den Sportgerichtshof CAS angerufen, weil die Halbfinals beim Stand von 1:2 wegen Flaute abgeschlossen hatten. Eigentlich hätten sie  am nächsten Tag fortgesetzt werden können, um die Entscheidung über den Einzug in das Finale wie geplant mit drei Siegpunkten zu erreichen. Der CAS entschied schnell und wies das Anliegen der Russen ab.

Kleines Finale RUS vs FIN: Überholmanöver kurz vor der Ziellinie

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Olympischer Höhepunkt: Spanien siegt, als Australierin beim Starkwind-Finale über Bord geht“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    War wirklich spannend und cool anzuschauen!

    Was die ISAF geritten hat, ohne auch nur eine Olympiade abzuwarten direkt das Frauenmatchrace wieder aus dem Programm zu schmeissen, wissen wahrscheinlich auch nur die senilen Knacker, die solche Entscheidungen bei der ISAF vertreten!

    Das gleiche mit Regatta-Kitesurfen. Früher (z.B. beim Taekwondo) gab es mal zu bei einer Olympiade einen Demo-wettbewerb und dann wurde entschieden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

    • avatar Rolf Albert sagt:

      Na, lassen wir sie sich doch verdrallen u. heillos verfitzen in Rio… dann kommt der “General” wieder, unser gutes, altes Starboot…

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar LakeSailer sagt:

      Habe einige Rennen angeschaut und das Frauen Matchrace, war das Einzige was wirklich sehenswert war. Sicher waren das Alles hervorragende Segler, aber einem Ben Anslie zuschauen zu müssen, wie er Downwind an seiner Schoot rumreisst und seinen Finn an die Leetonne quält, macht echt null Spass. Dies ist eigentlich nur noch durch die kümmerlichen Medallraces mit einer Beteiligung von 10 Bötchen zu toppen. Wenigsten bei den 49er gab es ein paar spannende Momente, diese gerieten aber beim Anblick der Stehsurfer auf ihren Brettern gleich wieder in Vergessenheit. Es war ziemlich Traurig wie sich der Segelsport präsentiert hat.
      Für mich stellt sich nicht mal die Fage ob Surfer oder Kiter, ich will keins von Beidem in Rio sehen.

      Für Alle die nicht glauben können wie langweilig ein Segelevent sein kann. http://www.eurovisionsports.tv/london2012/index.html

      Liebe ISAF schaut euch doch mal einen Livestreams der AC45 an. So sehen spannende Segelregattas aus.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 11

    • avatar sailor sagt:

      Wären die Funktionäre „senil“, dann wäre es ja wunderbar. Dann wäre ja absehbar, wann sie sich zurückziehen müssen.
      Nein – das Problem ist viel größer als gedacht! Die Funktionäre sind Leute wie wir – aus unserer Mitte.
      Wir Segler sind es, die den Segelsport nicht so organisieren wollen oder können, daß er sportlich attraktiv ist. Formate wie Matchrace oder Teamrace generieren einen neuen Segelstil. Man schraubt und poliert nicht mehr am eigenen Boot. Stattdessen reisen die Segler mit Handgepäck an – steigen auf die Boote, finden sich zurecht und segeln. Diese Leute finden sich auf jedem Boot zurecht und zeigen den anderen wie es geht. Leider ist das aber nicht immer gewünscht!
      Und wer stellt die Boote zur Verfügung? Wer repariert sie anschließend? Die Segelclubs haben damit keine Erfahrung, auch keine Logistik.
      Folglich schaffen unsere Funktionäre diese Formate wieder ab.

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