Olympia 2012: Surfer-Medaillen-Finale im Livestream – Delle und Wilhelm im Steckbrief

"Reibeplätzchen von Muttern"

Um 13:50 beginnt die Übertragung der Surf-Rennen im ZDF-Internetangebot (ZDF-Livestream-Planer). Erst wird Toni Wilhelm versuchen, seine Bronzemedaille zu verteidigen und die kleine Chance auf Silber nutzen. Um 15 Uhr ist an gleicher Stelle das Rennen von Moana Delle zu sehen, die nur einen Punkt hinter Silber zurück liegt. Daumen drücken!

Der Wind soll um 14 Knoten wehen, also Gleitbedingungen, die besonders Toni Wilhelm besser entgegenkommen könnten als der leichtere Wind bei seinen letzten beiden Auftritten. Auch Delle dürften die Bedingungen liegen, wenn es nicht so extrem windig ist.

Beide Sportler stellen wir noch einmal per Steckbrief und Kurzinterview vor.

Moana Delle

Moana trimmt, was zu trimmen ist. © Könitzer

Was bedeutet das Surfen für Dich?
Es ist der schönste Lebensinhalt und Alltag, den ich mir im Moment vorstellen kann. Eine Olympiateilnahme war immer meine Zielvorstellung und ist die Verwirklichung eines Traums.

Was fasziniert Dich am Surfen?
Das Freiheitsgefühl übers Wasser zu fahren. Die körperliche Belastung beim Windsurfen. Der hohe Spaßfaktor. Die Tatsache, dass ich immer noch an jedem einzelnen Tag auf dem Wasser etwas lerne und das Verbesserungspotential unendlich scheint.

Wie bist Du zum Surfen und zu Regatten gekommen?
Ich habe 1997 im Familienurlaub in Portugal Windsurfen gelernt. Anschließend habe ich auf dem heimischen Möhnesee einen Windsurfschein gemacht und bin in den Lippstädter Windsurfverein eingetreten.

Moana Delle mit ihrem Markenzeichen, dem erfrischenden Lächeln. © Marina Könitzer

Was war Dein schönstes Surferlebnis?
Es gibt da keinen speziellen Moment. Immer wieder sind es einfach nur Gleitbedingungen auf dem Wasser, aber auch Erfolge sind eine Belohnung für das harte Training. Das Medaillenrennen in Weymouth wird hoffentlich eines.

Wo liegt Dein Lieblingsrevier?
Ostwind in Kiel vor der Haustür ist kaum zu überbieten, zum Wellenreiten Maui ideal.

Gab es schon einmal eine gefährliche Situation für Dich auf dem Wasser, hattest Du mal richtig Angst?
Zum Glück war es noch nie wirklich gefährlich, richtig Angst hatte ich noch nicht. Aber bei 43 Knoten im Weltcup auf dem Olympiarevier in Weymouth wurde mir schon mulmig. Und ohne Kompass, den wir ja nicht haben, im Nebel keine Landsicht mehr zu haben, war auch schon mal sehr unangenehm.

Was sind Deine wichtigsten Aufgaben auf dem Brett?
Das Filtern der vielen Informationen, Konzentration auf den Start und die Taktik. Während der Wettfahrten geht das Meiste dann intuitiv, da darf ich möglichst gar nicht mehr denken.

Moana Delle hat eine Medaille im Blick. © Marina Könitzer

Wie beginnst Du einen Wettkampftag?
Nur lockerer Frühsport statt Ausdauereinheit, nur Stretching oder Auslaufen nach dem Surfen, dafür Materialkontrolle nach den Wettfahrten, häufig längere Auswertungen, dafür keine Theorie.

Wie sieht ein typischer Trainingstag aus?
Ich bin in den vergangenen Jahren im Schnitt 265 Tage pro Jahr in Sachen Surfen unterwegs gewesen in Trainingslagern oder Wettkämpfen. Das heißt, dass mein Alltag durch viel Reisen und Kofferpacken bzw. Auspacken gekennzeichnet ist. Ein typischer Trainingstag beginnt um 8 Uhr mit Aufstehen, beim Frühstück mit Kaffee bin ich am liebsten allein und lese. Dann stehen Mobilitätsübungen oder Yoga an, dann die erste Einheit. Das ist in der Regel physisches Training (Kraft- oder Ausdauertraining), Mittagspause mit Essen, zweite Einheit in Form von Windsurftraining, danach Auswertung, Abendessen, abends evtl. etwas Schreibtischarbeit oder Entspannung, Zum Beispiel lesen oder Freunde treffen.

Was ist Deine größte Stärke?
Leicht- und Mittelwind in punkto Technik und Geschwindigkeit. Seit 2010 arbeite ich mit dem Sportpsychologen Mathias Fauth aus Kiel zusammen, seitdem auch mentale Wettkampfstärke.

Was ist Deine größte Schwäche?
Technik und Geschwindigkeit bei Starkwind, aber daran habe ich hart gearbeitet und mich deutlich verbessert. Im internationalen Vergleich bin ich für mein Leistungsniveau sehr jung, daher fehlt es mir an Erfahrung.

Dein Erfolgsgeheimnis?
Ein Geheimnis gibt es nicht, außer immer den Spaß an der Sache zu behalten. Das ist manchmal ein Balanceakt.

Dein größter Erfolg?
WM-Achte und die Olympiaqualifikation

Deine schlimmste Niederlage?
Ich bin bisher weitestgehend von Niederlagen verschont geblieben. Natürlich gab es in meiner Karriere Regatten, die nicht besonders gut liefen oder Verletzungen, die mir zeitweise Sport und das Training verboten.

Was isst Du am liebsten / nach einem anstrengenden Wettkampf- oder Trainingstag?
Am liebsten esse ich Reibeplätzchen von Muttern mit Crème frâiche und Kaviar, aber auch italienische Küche, Tapas und Rinderfilet. Wichtig im Wettkampf sind Kohlehydrate und vor allem gute, reine Nahrungsmittel.

Hast Du einen Glücksbringer? Wenn ja, wo ist der während der Rennen?
Nein, nichtmals einen Aberglauben

Hast Du Rituale?
Eher klar vorgegebene Abläufe wie ich mich körperlich aktiviere, sonst wäre ich zu entspannt. Da spielt vor allem Rockmusik eine große Rolle, zum Beispiel von U2.

Mit wem würdest Du gerne mal Surfen gehen?
Mit meinen Freunden

Hast Du ein Vorbild im Segelsport oder in einer anderen Sportart?
Alle, die mir helfen, meinen Weg zu gehen, aber kein bekanntes Idol

Was planst Du nach der Segelkarriere?
Nach den Olympischen Spielen 2012 werde ich den Fokus auf mein Geographie-Studium und den Abschluss legen.

Dein Tipp an den Segelnachwuchs?
Ich denke, erst einmal hängt das sehr stark von den Motiven und Zielen der einzelnen Segler ab und dann genauso stark von den Charakteren. Es ist schwer, verallgemeinerte Ratschläge zu erteilen. Was für die eine Person gilt und funktioniert, kann für die andere ein Irrweg sein. Für mich persönlich war es immer wichtig, den Spaß am Sport zu behalten.

Wenn Du nicht segeln würdest, würdest Du…?
Studieren

Auf wie viele Straßenkilometer zu Regatta-/Trainingsorten kommst Du pro Jahr?
Durch die Europatour zu den Wettfahrten rund 30.000

Fällt Dir spontan Dein ganz persönlicher olympischer Moment ein?
Der war vor dem letzten Trainingslager in Weymouth am Flughafen in Heathrow an der Sicherheitskontrolle, und am Flughafen wurden bereits Merchandising-Produkte für London 2012 verkauft.

Wann hast Du Dir das erste Mal die Olympischen Spiele im TV angeschaut?
Vor zwölf Jahren die Eröffnungsfeier in Sydney mit den Aborigine und das Surfen mit der Silbermedaille von Amelie Lux.

Was ist Deine Lieblingssportart bei den olympischen Spielen außer Segeln?
Leichtathletik

Wie schätzt Du die Erfolgsaussichten in Weymouth ein, was ist Dein Ziel?
Ich habe mich gewissenhaft und optimal auf die Olympischen Spiele vorbereitet. Was am Ende dabei heraus kommt, werden wir sehen.

Steckbrief
Name:   Delle
Vorname:   Moana
Geburtsdatum:   7. März 1989
Geburtsort:   Münster
Aufgewachsen in   Soest
Größe:   1,67 m
Gewicht:   58 kg
Haar-/Augenfarbe:   blond/blau
Familienstand:   ledig
Wohnort:   Kiel
Verein:   Segelklub Bayer Uerdingen
Ausbildung/Beruf:   Geographie-Studium in Kiel
Andere Hobbys:   Lesen, Skifahren, Freunde
Bootsklasse:   RS:X-Surfbrett
Seglerischer Werdegang:    1998 das erste Mal auf dem Brett, 99 Windsurfschein und erste Regatta, 2002 D-Kader, 03 U15-JEM-Bronze, 04 U17-JWM-Bronze, 05 U17-JWM-Silber, 06 erste Athletin Sportinternat Schilksee
Trainer:   Pierre Loquet aus Frankreich
Sportliche Erfolge:   2008 JWM-Gold, 2009 1. Frau Kieler Woche, 2010 5.-EM- und 8.-WM-Frau, Olympiaqualifikation
Website

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