Olympia-Katamaran: Nacra 17 Rückruf-Aktion, Karbon-Masten gebrochen

Peinliche Panne

Die Österreicher Thomas Zajac und Tanja Frank heben mit ihrem Nacra 17 ab.

Die International Sailing Federation (ISAF) hat bekannt gegeben, die neuen Nacra 17 Olympia-Katamarane nicht mehr mit Karbon-Masten auszuliefern, sondern auf Aluminium umzusteigen. Damit reagiert Nacra auf zahlreiche Mastbrüche, die bei den ersten Traings der neuen Olympia-Klasse aufgetreten sind.

Thomas Zajac und Tanja Frank heben ab mit dem neuen Nacra 17.

Abgehoben beim Palma Training. Thomas Zajac und Tanja Frank erforschen die Grenze des neuen Nacra 17. © Zajac/Frank

Alle Teams, die schon einen Kohlefaser-Mast erhalten haben, sollen jetzt die Alu-Sektionen erhalten, die auch bei Standard 16 und 18 Fußern von Nacra benutzt werden. Ein Werft-Sprecher verkündet: “Wir werden mit der Auslieferung der Karbon-Masten fortfahren, wenn wir zu hundert Prozent von der Problemlösung überzeugt sind. Dann werden wir wieder zurückwechseln.”

Aber die Probleme mit den Masten waren nicht die einzigen. So sind bei einigen Olympiateams Schwerter und Ruder gebrochen. Dazu heißt es in der ISAF-Meldung, dass die Vorfälle bei Windbedingungen über 25 Knoten, hohen Wellen und Kenterungen passiert seien. Ob Schwerter und Ruder ebenfalls getauscht werden, geht aus der Stellungnahme zur peinlichen Panne nicht hervor.

Dennoch übernehme man die volle Verantwortung. “Nacra Produkte sollten stark genug sein, um auch bei extremen Bedingungen zu halten. Wir arbeiten hart mit unserem Design- und Produktionsteam, um die Probleme zu beheben und entschuldigen uns für die Unnanehmlichkeiten.”

Nacra 17 zu hart rangenommen?

Derweil wird in der Katamaran-Szene schon diskutiert, ob die neuen teilweise unerfahrenen Olympiateams möglicherweise falsch mit den Multihulls umgehen und sie zu hart rannehmen. So sei es eigentlich unüblich, Katamarane vor dem Wind im Doppeltrapez auf beiden Rümpfen zu segeln, anstatt auf einem Rumpf mit der sogenannten Flyer-Technik.

Aber im Video beim Palma Training wird der positive Effekt deutlich, dass die Rümpfe durch den Auftrieb der gebogenen Schwerter aus dem Wasser gehoben werden und weniger Widerstand bieten.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://nouveda.com

21 Kommentare zu „Olympia-Katamaran: Nacra 17 Rückruf-Aktion, Karbon-Masten gebrochen“

  1. avatar Christian sagt:

    “Peinlich” finde ich das nun nicht gerade. Wenn bei einem gerade mal einem Jahr alten Design, das Performance-mäßig ans Limit geht und das von den Seglern bewusst gedroschen wird, technische Probleme bei einer Mastsektion auftreten, die Werft sofort reagiert und auf eigene Kosten Ersatzlösungen anbietet, finde ich das nicht ungewöhnlich. Im High Performance Bereich sind die Belastbarkeitsgrenzen eben eng. Peinlich finde ich eher, dass beim Laser nach 40 Jahren Marktpräsenz die Masten immer noch massenhaft brechen und verbiegen – und alle das so hinnehmen.

    Beim 49er hat es seinerzeit fast zwei Jahre gedauert, bis die Wingaufnahme im Rumpf und die Spanten die nötige Steifheit aufwiesen. Wenn Nacra sein Problem im nächsten halben Jahr löst, ist alles ok.

    Allerdings: Marström hat die Umstellung auf Carbonmast beim Tornado fast ohne Probleme hinbekommen. Aber Marström ist eben eine eigene Liga, auch preislich.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 1

    • avatar Will sagt:

      wie wahr! ein marström tornado mast (made in sweden)~3200€, während ein nacra 17 mast (made in thailand) ~5100€ kostet …

      btw: laut meiner info wurden die boote in palma (2x NED und 2x AUT) nicht über 20 kn gesegelt und mast/schwert/ruder sind unabhängig von kenterungen gebrochen

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

      • avatar Christian sagt:

        ?? laut Marström kostet ein Tornadomast derzeit 6,381 Euro. Und es ist nicht so, dass die nie brechen. Nur relativ selten.

        Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 3

        • avatar Will sagt:

          stimmt, sorry, du hast recht, 3200€ war der preis zu tornado seiner olympia zeit

          Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

      • avatar DoubleTrouble sagt:

        Naja, ein Kat-Mast kann bei falscher Handhabung unter Gennacker schon mal brechen, aber ich frage mich woher SR und Du die Infos zu den gebrochenen Masten her habt. Habe bei der ISAF nur was zu Rissen oberhalb des Topbeschlages gefunden.

        Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  2. avatar Ketzer sagt:

    Also dieses unkoordinierte Geplansche sieht für mich nicht gerade schnell aus. Ohne zweite Flosse (am Ruder) wird das doch nichts stabiles, oder?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 7

    • avatar Wilfried sagt:

      keine Ahnung bin kein Katmaransegler und auch kein Foiler. Vom Gefühl her sieht es so aus, als wenn man mit dem Foiler in der Fehler nicht so wiet hinten stehen sollte, da das Unterschneiden auf den Foils nicht das Problem ist. Auf jeden Fall kriegen die in dem Video einen zu großen Anstellwinkel des Foils. Vielleicht kann ein Foiler das mal erläutern?

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 4

  3. avatar jorgo sagt:

    Es zeigt sich jetzt das Risiko, welches die ISAF mit der Auswahl von unerprobtem Material eingegangen ist.
    Man kann nur hoffen, dass die Probleme gelöst werden!
    Die Behauptung, dass die Aktiven das Material “zu sehr rangenommen” haben könnten finde ich peinlich. Natürlich geht man an die Grenzen der Segelbarkeit und es wäre problematisch, wenn das Material das nicht zuließe.
    Es wäre jedoch ein Wunder gewesen, wenn keine Probleme aufgetreten wären. Das ist doch bei fast allen neuen Produkten der Fall in der “Null-Serie”.
    Ich erinnere mich, dass die Marström Tornado Masten am Anfang auch Probleme gemacht haben, wenn gleich nicht so extrem.
    Wie das mit den Foils weiter abgeht finde ich sehr spannend. Das scheint noch nicht “der Weisheit letzter Schluß” zu sein – auch kein Wunder!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 2

    • avatar Ketzer sagt:

      Wenn ich mir die Materialschlachten der “Serienboote” so angucke (siehe Forum der F18 KV), ist das mit den “ausgereiften” Konstruktionen so eine Sache. Da brechen Schwerter und Masten ja scheinbar auch standardmäßig. Ist vielleicht auch was katamaranspezifisches…

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 12

      • avatar jorgo sagt:

        Hallo Ketzer, da bist Du falsch informiert. F 18 Boote sind recht robust.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 4

        • avatar Hobby-Regatteur sagt:

          Die F18 _Boote_ sind recht robust, deren Schwerter nicht immer (WildCat: Schwerter brechen gerne mal, viel häufiger als beim Tiger).

          Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

          • avatar jorgo sagt:

            Das war in der “Null-Serie” (2009 bis Mitte 2010) so, inzwischen halten sie, obwohl mittlerweile noch 27 cm länger geworden. 2010 haben wir im Frühjahr 3 Stck abgebrochen, danach keins mehr.
            Ich hoffe NACRA kriegt das beim 17-er auch in den Griff … letztlich sind das Erfahrungswerte, die in die Produktion einfliessen müssen.

            Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 1

  4. avatar stampede sagt:

    Die Natur und Praxis hält sich eben nicht an den CFD-Berechnungen zugrunde liegenden Annahmen. So es denn überhaupt welche gibt…. Gebogene Schwerter brechen übrigens nicht in Lee. Da Carbon teuer ist, tastet man sich gern an den notwendigen Bedarf heran. Dies alles gab es anscheinend auch beim großen Bruder des F17.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

  5. avatar Uwe sagt:

    “Gebogene Schwerter” oder “Banana-Foils” ? 🙂

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 6

  6. avatar Wilfried sagt:

    ICh finde es in diesem Stread mal wieder traurig wie sinnlos Dislikes verteilt werden. Ich hatte oben gesagt dass ich vom Segeln auf Foils keine Ahnung habe und die Spezialisten gebeten etwas zum Trimm bei diesen Booten zu sagen. Da war nicht mal eine Meinungsäußerung dabei. Wieso werden dann Dislikes verteilt. Dafür das ich ne Frage habe? Ne Antwort statt nem Dislike wäre konstruktiv gewesen. Auch die Dislikes an Uwes letzten Beitrag sind nicht nachzuvollziehen, außer das es hier scheinbar Mitglieder gitb die jede Äußerung bestimmter Personen mit Dislikes überziehen müssen. Ich wünsche mir für nächstes Jahr das es etwas respektvoller miteinander umgegangen wird und Fragen auch beantwortet werden.

    Ach ja, in meinen Post habe ich mich vertippt und statt “Welle” steht dort “Fehler”. Mich würde die Antwort auf meine Frage wie denn der Längstrimm bei Welle mit diesen Schwertern ohne Foil am Rudern istübrigens immer noch interessieren.Aber vielleicht ist diese Frage ja zu dämlich?????

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

    • avatar Christian sagt:

      Wilfried, lass dich nicht frustrieren von den paar peinlichen Trolls… es geht vielen hier so mit den Dislikes. Ignorier sie einfach. Es sind eh nur wenige Typen, und manchmal auch nur ein und derselbe.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 2

  7. avatar stampede sagt:

    Hallo Wilfried,
    ich segle keinen F17 aber seit nun 3 Jahren einen F20C. Die Foils haben ein symmetrisches Profil. Damit sie Auftrieb produzieren, müssen sie in einem optimalen Winkel in Fahrtrichtung längsgetrimmt werden. Dieser Längstrimm wird durch Gewichtsverlagerung durchgeführt (dies ist euch/dir eh Alles bekannt). Du kannst das Boot also hoch in den Himmel schiessen oder zum Unterschneiden ansetzen. Bei Welle bewege ich mich ständig zwischen Want und hinterem Beam. Manchmal reicht es lediglich das Gewicht vom vordern auf den hintern Fuss zulegen um das Boot längszutrimmen. Viele male bin ich bei >4Bft. (aus meiner Sicht) vollständig über einem Wellenkamm abgehoben. Ich stehe jedoch niemals hinter dem Achterbeam beim F20C, so wie es bei F18, F16 die Regel ist. Gemäß meinem Speedpuck segelt das Boot am schnelssten wenn der Rumpf bis zum Vorderbeam etwa freikommt. Danach fällt der speed wieder ab. Obwohl von der Rumpfform ein wavepiercer-design, gilt es genau dies zuvermeiden um eben Auftrieb durch die Foils zu erzeugen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

    • avatar Wilfried sagt:

      vielen Dank für die Erläuterung, das hört sich son an als ob man in der Welle ganz schön was zu tun hat um im optimalen bereich zu bleiben. Echter balanceakt und gute Herausforederung für unsere Olympioniken.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

  8. avatar stampede sagt:

    Eine zusätzliche spannende Herausforderung im Grenzbereich stellt die Einstecktiefe der Foils dar. In den Trimmanleitungen findet man identische Aussagen wie bei geraden Steckschwertern. Dies widerspricht jedoch meinen Erfahrungen und den Messergebnissen mittels Speedpuck. Da das Boot sehr flach gesegelt werden muss um schnell zusein, erzeugen beide Foils Auftrieb. Auf der LUV-Seite will ich jedoch nicht unter allen Bedingungen zusätzlichen Auftrieb (z.b. nicht bei Trapezwind). Daher muss ich also bei wenig Wind das Verhältnis von Einstecktiefe (= erhöhter Widerstand) zu Auftrieb und Vmax. finden (Abhängig von Crewgewicht und Welle). Bei Trapezwind muss das Luv-Foil immer hoch, Lee total rein. Das Boot segelt so viel stabiler in Längsrichtung (es nickt nicht). Durch den starken Auftrieb verringert sich jedoch der Lateralwiderstand, sprich das Boot liegt so hoch auf dem Wasser, das es seitlich wenig Führung hat und in solchen Fällen 1-2m nach Lee ausbricht bis es sich wieder fängt da die Geschwindigkeit sinkt. Dies passiert ohne Ankündigung (ich hab noch kein Zeichen dafür erkannt) und es ist ein komisches Gefühl wenn das Boot unter deinen Füssen plötzlich weg ist….. Wenn der Rumpf die Querkräfte nicht kompensieren kann, da nicht tief genug eingetaucht, werden diese Kräfte aus meiner Sicht auf die Anhänge weitergegeben. Dies führt ggf zu Überlastung der bestehenden und bei F16/18 bewährten Konstruktionen. Bei richtig viel Wind fahre ich die Foils bis zu 70cm hochgezogen. Die Schwerter bei meinem Boot sind von 3,4kg auf 5,5kg je Stück angewachsen um den Belastungen gerecht zuwerden. Das Mehrgewicht liegt ausschließlich im Carbonanteil. Frag mich nicht woher ich das weiß…….
    Aufgrund des gegenüber einem konventionellen Cat wesentlich höheren Fun-Faktors trotz allem sein Geld wert.
    Money well spend, have fun sailing her

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

    • avatar DoubleTrouble sagt:

      Das Wegschmieren dürfte der Preis sein, den man mit einem gebogenem Schwert, das dazu durch das Anheben des Rumpfes immer kürzer wird, bezahlen muß. Für die raumen Kurse ist es ok aber für Höhe vielleicht nicht optimal.

      Wahrscheinlich wird deshalb nun (eher?) in Richtung L- oder S-Schwert geforscht?

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *