Weymouth Weltcup: Olympiaqualifikation hat begonnen. Goltz und Delle stark

Gestählte Körper, blanke Nerven


Modellathlet Hannes Baumann liegt mit Tobis Schadewaldt im 49er nach drei Leichtwindrennen auf Platz zehn. © Marina Könitzer

Nun zählt es. Vorbei ist das Basteln, Tüfteln, Probieren und Testen. Es gibt keine Ausreden mehr. Seit gestern zeigt sich auf dem Olympiarevier von Weymouth, wer in den vergangenen drei Jahren die effektivste Vorbereitung absolviert hat, wessen Nerven blank liegen, welche Körper und welches Material funktioniert. Wer darf die deutschen Farben bei den Olympischen Spielen in London 2012 vertreten?

Im Segelsport ist nur ein Boot pro Nation zugelassen. Viele halten das für ungerecht, weil das dazu führt, dass einige der stärksten Segler nicht bei Olympia antreten. Tatsächlich ist die sportliche Qualität nicht so hoch wie bei Weltmeisterschaften. Aber es hilft kein Lamentieren. Die Regeln lehnen sich an den Ruder-, oder Kajaksport an, wo ebenfalls nur ein Boot pro Nation starten darf. Und das wird sich auch nicht ändern.

Für die Deutschen war die Leistungsdichte im eigenen Land in den vergangenen Jahren eher selten ein Problem. Immer weniger Athleten schafften es, die hohen Hürden der nationalen Qualifikationsnorm zu erfüllen. 2008 in Qingdao wurden nur sechs von elf Bootsklassen besetzt.

Unvergessen ist das Schicksal von Lasersegler Alexander Schlonski, der trotz eines sechsten WM-Platzes kurz vor den Spielen bei Olympia nicht starten durfte. Er hätte wie die anderen Qualifikanten auch im Jahr davor unter die Top Ten segeln müssen.

Diese Hürde besteht nun nicht mehr. Die Qualifikationskriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wurden enorm erleichtert. Selten war es so einfach, einen Startplatz zu ergattern. Beim DSV geht man davon aus, dass alle zehn Olympiaklassen besetzt werden können.

Der Nominierungsweg beinhaltet den Nachweis der sogenannte Endkampfchance. Dabei werden alle internationalen und nationalen Teilnehmer bei den drei Regattaserien in Weymouth, der Kieler Woche und der Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Perth in einer speziellen DSV-Wertung erfasst.

Jeder deutsche Teilnehmer, der dabei unter den besten zehn Nationen platziert ist und mindestens 6 Punkte bei einer der drei genannten Regatten ersegelt hat, hat die erforderliche DOSB-Norm erfüllt. Da in der Szene davon ausgegangen wird, dass besonders zur Kieler Woche ein deutlich schwächeres Feld als bei den übrigen Serien zu erwarten ist, sollte die Qualifikation kein großes Problem sein.

Insofern geht es für die Athleten jetzt schon viel mehr darum, den direkten nationalen Konkurrenten hinter sich zu lassen, als mit hohem Risiko in die internationale Spitze vorzudringen.

Der erste Tag in Weymouth liefert erste Anhaltspunkte, wer in guter Form ist. Bei sehr schwachem Wind entsprach das Olympiarevier seinem Ruf, dass alle Windbedingungen möglich sind.

Dabei erwischte besonders die Laserseglerin Franziska Goltz mit einem Tagessieg einen exzellenten Start. Was bei ihr eine Überraschung ist, konnte von dem männlichen Kollegen Simon Grotelüschen nach seinen letzten Leistungen schon erwartet werden. Unglaublich, dass der Starwindspezialist auch bei wenig Wind auf einem Niveau segelt, dass ihm einen vierten Platz im 123 Boote Feld ermöglicht.

Mit einem Tagessieg meldeten sich auch Briesenick-Pudenz/Massmann spekatulär in der 49er Weltspitze zurück. Aber es folgte ein DNF und Rang 13. Besser sind Schadewaldt/Baumann gestartet, die nach drei Rennen auf Platz zehn liegen.

In der besonders beachteten Starboot-Quali heißt die Reihenfolge nach einem Rennen Polgar/Koy (15.), Schlonski/Bohn (16), Stanjek/Kleen (18.), Babendererde/Jacobs (30.). Bis zuletzt war es nicht sicher, ob Marc Pickel noch an der Startlinie erscheinen würde. Aber der letzte Olympiateilnehmer, dessen P-Star-Design viele der Spitzensegler vertrauen, verzichtete auf einen Start.

Bei den 470ern liegen Zellmer/Seelig (19.) einen Platz vor Wagner/Bolduan und bei den Frauen Lutz/Beucke (9.) vor Kadelbach/Belcher (14.). Matchracerin Silke Hahlbrock startete gut mit ihrem Team und weist drei von vier Siegen auf. Die harten Brocken in ihrer Gruppe warten aber noch.

Bei den Surferinnen startete Moana Delle stark in die Veranstaltung mit Rang fünf nach zwei Rennen. Sie muss sich keiner nationalen Konkurrenz erwehren, weist aber offenbar die Fitness auf, auch bei extremen Pumpbedingungen in der Weltspitze mitzuhalten. Toni Wilhelm ist 17.

Finnsegler Jan Kurfeld legte mit Platz 33 zum Auftakt einen Schocker hin, war aber immer noch bester Deutscher.

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Carsten Kemmling

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