Olympisches Revier: Rio de Janeiro kündigt neue Kanalisation vor „Gloria Marina“ an

Kloake auf Ab- und Umwegen

Ist ein Kilometer lang und kostet 6,2 Millionen Dollar: Die Pipeline soll Abwässer nach heftigen Regenfällen zu einer Kläranlage lenken – damit es im Olympischen Segelhafen weniger stinkt.

Die Behörden lenken ein und die Abwässer zumindest teilweise um. Nach massiven Beschwerden seitens der Segler wegen der teils unerträglichen Geruchsbildung während der Olympischen Testregatten im letzten Monat, machten die Behörden von Rio de Janeiro ausnahmsweise im Direktverfahren „Nägel mit Köpfen“.

Wohin mit all der Sch… ? © die DWA

Wohin mit all der Sch… ? © die DWA

Denn obwohl erst kürzlich die Abwasser- und Müllsituation in der Guanabara Bay schöngeredet, mitunter sogar das klare Wasser gelobt wurde (SR berichtete), stank es in der zukünftigen Olympischen Marina,  wo auch diesmal die Boote anlegten, buchstäblich zum Himmel.

In unmittelbarer Nähe der „Gloria Marina“ fließen (ganz ohne Glanz und Gloria) mehr oder weniger große Ströme ungeklärter Abwässer zusammen und schließlich in die Bucht. Immer wenn starke Regenfälle die unzähligen „wilden“ Klärgruben der nahen, an den Berghängen gelegenen Favelas zum Überlaufen bringen, fließt die buchstäbliche Sch… auf vielen Rinnsalen, später Bächen und schließlich kleinen Flüssen durch die Lagunen ins vermeintlich bereinigende Meer. Fachleute schätzen die Menge Abwässer, die nach Regenfällen in Rio de Janeiros  Fluß- und Lagunensysteme fließen, auf ca. 10.000 Liter – pro Sekunde!

Schwimmende Eco-Müllsammler © secretario do ambiente

Schwimmende Eco-Müllsammler © secretario do ambiente

Die Behörden betonen, dass die neue Pipeline eine Art „freiwillige Maßnahme“ sei, die nicht in den (mit dem Olympischen Kommitée und der Regierung ) vereinbarten To-Do-Listen stehe. Mit dem Bau soll bereits in der nächsten Woche begonnen werden

Nach Bekanntmachung in den lokalen Medien kritisierten Umweltschützer, dass es sich hier „mal wieder um eine Verschleierungstaktik handle“. Seit Jahren bemängeln Umweltverbände die katastrophale Abwassersituation in der brasilianischen Großstadt – ohne dabei auf Gehör zu stoßen. „Es gehe hier lediglich darum, die Teilnehmer der Olympischen Spiele für ein paar Wochen davor zu bewahren, was die Bewohner von Rio tagein, tagaus bereits seit Jahrzehnten ertragen müssen,“ ist auf den Websites lokaler Tageszeitungen und in Umweltblogs zu lesen.

Rio Müll

Die Stromkanten sind auf dem Olympiarevier leicht zu erkennen. © STG/Völkers

In Rio de Janeiro werden für die Olympischen Spiele 2016 ca. 25 Milliarden Dollar investiert – ein Mix aus privaten und staatlichen Geldern. Umweltverbände bemängeln, dass von den 11,1 Milliarden Dollar, die vom Gesamtbetrag in die Verbesserung der Infrastruktur einfließen sollten, nur Bruchteile für eine nachhaltige Verbesserung der Abwassersituation investiert werden.

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Olympisches Revier: Rio de Janeiro kündigt neue Kanalisation vor „Gloria Marina“ an“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Na, dann ist jetzt ja alles gut, oder?

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