Open 60: IMOCAs in Zukunft mit einheitlichem Mast und Kiel

Weniger „Open“, mehr „Egalité“

Bei ihrer Jahresversammlung beschlossen IMOCA-Skipper und -Funktionäre die Entschärfung neuralgischer Stellen auf den Open 60 Hochseeboliden.

IMOCA, Klassenregeln, Open 60

Stand den IMOCAs das Wasser Oberkante Unterlippe? © Launay

Seit mehr als zwei Jahren wurde diskutiert, beschlossen, doch wieder verworfen und erneut von vorn begonnen – die IMOCA-Klassenvertreter waren sich der Problematik bewusst, zeigten sich aber nicht gerade entschlussfreudig. Was irgendwie verständlich ist, schließlich ging es um das „Herz“ ihrer Klasse.

Denn die Open-60-Boliden haben sich zu einem wichtigen Träger für die Hochseebegeisterung unter den Franzosen entwickelt. Das liegt natürlich am ziemlich einzigartigen Mix aus charismatischen Seglern, spektakulären Regatten und faszinierender Leistung auf See und zum anderen an dem simplen Wörtchen „Open“. Denn als „offene“ Klasse konnten die IMOCA früher häufig technisch orientierte Sponsoren für sich begeistern, die im Detail mitunter sehr unterschiedlich aufgebauten Renner waren unter den zahlreichen Fans ein Symbol für Innovationsfreude und Fortschritt. Früher.

IMOCA, Klassenregeln, Open 60

Ein neuer Mast soll’s richten © Stichelbault

Sensible Rennpferde

Doch dann kamen Zeiten, als die IMOCA während der medienwirksam inszenierten Hochseeregatten reihenweise kenterten (und sich nicht wieder aufrichteten), die mitunter filigran aufgehängten Neigekiele verloren und die Masten wie Streichhölzer brachen. Zudem erwischte einen Großteil der wichtigsten Sponsoren die Finanzkrise 2007/08 eiskalt, so dass der zuvor gefeierte technische Wettstreit zwischen den einzelnen Booten nur noch eine Bezeichnung fand: zu teuer!

Ende letzter Woche einigten sich die Funktionäre der IMOCA-Klasse, zu denen viele der erfolgreichsten Skipper gehören, auf einen neuen Konsens.

Alle Open 60-Monorumpfer der IMOCA-Klasse, die ab sofort gebaut werden, sollen ihr aufrichtendes Moment durch einen geschweißten, standardisierten Stahlkiel aus einem Stück erhalten. Das Design des Kielkörpers soll für alle einheitlich werden. Zudem segeln in Zukunft alle neuen IMOCAs mit einem vereinheitlichten, ebenfalls standardisierten Mast.

Alex Thomson muss bald über eine andere Kielform spazieren © Launay

Gleicher Mast, gleicher Kiel

Seit bei den letzten beiden Vendée Globe-Regatten allein 12 IMOCA wegen Kielschäden ausfielen und drei Skipper wegen Mastbruch aufgaben, handelt es sich hier also um reine Vernunftmaßnahmen. Ob die neuen Konstruktionsregeln tatsächlich für Beruhigung in diesem Bereich sorgen, wird sich allerdings erst im Laufe der kommenden Jahre zeigen. Bis heute gebaute IMOCA dürfen jedenfalls mit ihrem bisherigen Kiel- und Mastdesign weitersegeln, ein Umbau zum neuen Standard wird jedoch begrüßt. Von wegen Chancengleichheit und so.

Die Größe der IMOCA-Klasse soll selbstverständlich auf 60 Fuß beschränkt bleiben, ebenso die Länge des Gennaker-Rüssels (1,80m). Überhaupt werden alle bisher geltenden Konstruktionsregeln weiterhin Gültigkeit behalten (wie etwa Anzahl und Positionierung der Schotten, Rettungsluken etc. ).

Mehr Zukunft?

Als einen „wichtigen Schritt hin zur weiteren Finanzierbarkeit und somit Attraktivität der Klasse,“ bezeichnete der Schweizer Bernhard Stamm die Beschlüsse. Und Jean le Cam, Armel Le Cleac’h, Vincent Riou und Alex Thomson, also Erfolgs-Skipper, die alle zu „Administrateuren“ der IMOCA_Klasse gewählt wurden, bestätigen unisono das zukunftsweisende Konzept der teilweise Vereinheitlichung.

IMOCA, Klassenregeln, Open 60

Vielleicht die spektakulärste Hochseeklasse der Welt © Liot

Der wiedergewählte IMOCA-Vorsitzende Luc Talbourdet: „Wir haben die Zuverlässigkeit der Boote erhöht und nun klare Regeln für die Zukunft!“ Die freilich nur dann einen Sinn machen, wenn schon bald möglichst viele IMOCA der neuen Generation auf Kiel gelegt werden können.

IMOCA-Regatten 2013:

August Fastnet Race

November Transat Jacques Vabre (Frankreich-Brasilien)

IMOCA-Regatten 2014:

Frühjahr: Transat mit Skipper-Duo

Sommer: 1.000-sm-Regatta einhand

November: Route du Rhum

31. Dezember: Barcelona World Race

Website IMOCA-Klassenvereinigung

 

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Open 60: IMOCAs in Zukunft mit einheitlichem Mast und Kiel“

  1. avatar Heini sagt:

    Einheitlicher Mast, d.h. man hat nicht mehr die Wahl zwischen Deckssalinge Ja/Nein oder drehbar Ja/Nein oder Flügel oder rund oder oval?
    Das ist doch Mist! Da bleibt viel Innovation auf der Strecke. 🙁

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    • avatar Seven sagt:

      Ja , da muss man sich entscheiden.Entweder bleibt die Entwicklung auf der strecke oder die Masten bzw. die Kiele.
      Aber vielleicht hat es auch ein vorteil. Wenn Kiel, Kielaufnahme und Mast Standardisiert sind ,wird so ein Schiff sicherlich auch etwas günstiger. Wenn sich aufgrund der günstigeren Schiffe mehr Sponsoren finden und mehr Schiffe an den Start gehen…. und außerdem bedenke man folgendes: Jörg Riechert hatte vorletzte Woche glück innerhalb weniger tage ein Ersatzmast zu bekommen der auf/zu seinem Schiff passt……

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  2. avatar Marcus Mattis sagt:

    Einheitliche Riggs können nur eine temporäre Sparmaßnahme sein.
    Da selbst die IMOCA-erfahrensten Konstrukteure bisland keine zuverlässigen und langlebigen Kiele produziert haben, hoffe ich, dass der neue einheitliche Kiel nun wenigstens hält. Schwer vermittelbar, falls so ein Kiel dann doch (ohne “Feindkontakt”) bricht.
    Damit die neuen Regeln überhaupt zu mehr Stabilität führen, wurden doch hoffentlich neben den Kielen auch die Kielaufhängung und die dazugehörige Hydraulik genormt?

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  3. avatar Heini sagt:

    Ganz so schlimm wird es mit den Masten doch nicht?
    Siehe “Was sagt Jörg Riechers zu der neuen Regelung?” bei:
    http://www.yacht.de/sport/news/kostenbremse-fuer-vende-globe-boote/a79603.html

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