ORC-Skandal: Italiener verstoßen gegen “Faires Segeln” – Jury hält Betrug für erwiesen

Erwischt

Der Italiener Vincenzo de Blasio ist mit seinem Team nach dem Sieg bei der ORC-Europameisterschaft für die gesamte Serie nachträglich disqualifiziert worden. Es wurde eine geheime Installation nachgewiesen.

Segeln ist eine der wenigen Sportarten, in denen Doping keine große Rolle spielt. Und man mag daraus schließen, dass sich Segler im Wettkampf einfach fairer verhalten. Aber das ist falsch. Darauf weist der jüngste Skandal in der internationalen Segelszene hin.

Der Italiener Vincenzo de Blasio und sein Team sind bei einem schweren Betrug erwischt worden. Die Sieger bei der ORC-Europameisterschaft der Klasse C in Griechenland 2016 hatten auf ihrer Yacht Scugnizza vom Typ verborgene Wassertanks installiert.

Die disqualifizierte ORC-Yacht “Scugnizza” © Pierre

Eine internationale Jury sah es nach einer Anhörung in Athen am 30./31. März als erwiesen an, dass die Yacht vom Typ NM 38S regelwidrig unterwegs war und hat sie nachträglich nach dem Fairness Paragrafen (Regel RRS 69.1 (a)) für alle Rennen der Meisterschaft disqualifiziert und den Titel aberkannt.

Normalerweise wird nach so einem Vergehen auch noch eine Sperre durch den nationalen, in diesem Fall italienischen Verband erfolgen, der sich nun mit dem Vorfall beschäftigt. Neuer Sieger ist der Este Aivar Tuulberg und seine Crew mit der Arcona 34 “Katariina II”, der auch den Protest eingereicht hatte.

Auf dem Papier langsamer gemacht

Schon bei der EM in Thessaloniki hatte Tuulberg protestiert, weil erkennbar war, dass die italienische Yacht offenbar bei der Vermessung eine andere Wasserlage einnahm, als schließlich im Rennen. Es lag der Verdacht nahe, dass die Italiener künstlich ihre  Hecklage verstärkten, um sich für die Berechnung des Handicaps auf dem Papier langsamer zu machen, als es der Realität entspricht.

Eigner Vinzenzo de Blasio. © ORC

Vermesser konnten bei einer Untersuchung vor Ort aber keine Unregelmäßigkeiten beweisen. So wurde der Protest zuerst abgewiesen. Zahlreiche Fotografien verstärkten aber den Verdacht, dass die Yacht im Rennen deutlich kopflastiger segelte. Sie wurden aber nicht als Beweis anerkannt.

Die Crew behauptete, die unterschiedlichen Wasserlagen seien durch die erlaubte Veränderung des Ausrüstungs- und Crewtrimms zu erklären.

Versteckte Wasserballast-Tanks

Die ORC-Organisation wies aber schließlich in Berechnungen nach, dass deutlich mehr Gewicht nötig sei, um das Schiff hinten so weit ins Wasser zu drücken.

Es könne sich nur um Wasserballast-Tanks handeln, die nach der WM entfernt wurden. Sie sollen unter Deck auf Höhe des Steuerrads versteckt gewesen sein. Tatsächlich wurde das Schiff bei der italienischen Meisterschaft erneut vermessen und mit einer erheblich höheren Rating-Zahl eingestuft. Damit erreichte es nur Rang sieben. Die Jury sieht den Betrug anhand der Fakten offenbar als erwiesen an.

Der ORC Vorsitzende Bruno Finzi begrüßt die Entscheidung der Jury. Sie bestätige die Prinzipien und Regeln des Segelsports. “Wir bedauern diese unglückliche Situation sind aber stolz, dass unser System allen Teilnehmern die Online-Werkzeuge bereitstellt, die sie benötigen, um auch die Rating-Zertifikate der Gegner zu überprüfen…Wir tun alles, was nötig ist, um die Rechtschaffenheit des ORC-Systems zu schützen.”

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „ORC-Skandal: Italiener verstoßen gegen “Faires Segeln” – Jury hält Betrug für erwiesen“

  1. avatar thorsten sagt:

    Hallo Carsten,

    “faires Segeln” wäre Regel 2 – ausser einem DNE (nicht streichbare Disqualifikation) passiert da nicht viel.

    Dem Artikel nach ging es hier um Regel 69 “Misconduct” bzw “Fehlverhalten”, also noch eine ganze Ecke schärfer.
    Umso bemerkenswerter, dass den Vorwürfen auch nach dem Event auch weiter nachgegangen und dann konsequent geahndet wurde.
    Wenn nach Regel 69 bestraft wird (es also nicht bei einer Verwarnung bleibt), dann wird auch immer der nationale Verband, im Falle einer Internationalen Jury zusätzlich auch World Sailing informiert.
    Nationaler Verband und World Sailing werden jeweils über weitere Sanktionen beraten.

    Wenn ich mich nicht irre, gab es für ähnliche Verfehlungen in der Vergangenheit bereits mehrjährige Sperren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

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