ORC-WM: Mit Abschluss der Langstrecke in entscheidender Phase

Nicht ohne Chancen

Wenig Druck in den großen Pötten © segelbilder

Wenig Druck in den großen Pötten © segelbilder

Nach dem heutigen Tag wird sich für die Klassen B und C der mittleren und kleinen Yachten entscheiden, wer den Cut für die Goldgruppe geschafft hat.

Die vordere Hälfte segelt dann in den verbleibenden drei Up-and-Down-Rennen am Freitag und Sonnabend um die Goldmedaillen. Die Auswertung – nach Einrechnung eines Streichresultates – wird nach der späten Ankunft der Yachten noch bis in den Abend hinein gehen. Die 27 A-Yachten verbleiben in einer Gruppe. Bei ihnen ist ein Streichergebnis erst nach sieben Wettfahrten vorgesehen.

In der Gruppe B waren es mit dem Stand vor der Langstrecken-Wettfahrt elf deutsche Yachten, die auf Kurs Goldgruppe lagen.

“Ordentlich gelaufen!”

Doch vor dem Hintergrund der Streich-Möglichkeit sind gerade in der Mitte des Feldes noch einige Verschiebungen möglich. Unter Druck steht dabei die „El Pocko“ um Steuermann Nils Heyde (Kiel). Das Projekt, das vor zwei Jahren eine heruntergekommene Puma42 von Mallorca geholt und wieder in den Regattamodus versetzt hat, ist mit erfahrenen Seglern besetzt, die aber in den ersten Rennen hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

Mit einem guten Langstrecken-Resultat kann die „El Pocko“ aber immerhin das Minimalziel und damit die erste Hälfte erreichen. 

Gegenüber der internationalen Konkurrenz waren die deutschen Gastgeber nach fünf Wettfahrten nur in der Außenseiterrolle. Vorn dominierten die Estländer mit der „Forte“ von Jaak Jögi an der Spitze vor der „Reval Cafe“ von Eero Pank das Geschehen. Sie scheinen sich damit schon für die EM 2015 in Form zu bringen, wenn Pärnu/Estland Gastgeber ist. Auf Platz fünf segelt die „Rockall IV“ zwar unter Hongkong-Flagge, an Bord ist aber eine deutsche Crew um den Hamburger Eigner Christopher Opielok.

„Für uns läuft ganz ordentlich, aber noch nicht perfekt. Wir werden weiter dran arbeiten“, sagte Opielok vor dem Auslaufen zur Langstrecke.

Rund die Hälfte der 33 Boote starken Goldflotte könnten die deutschen Crews in der Gruppe C einnehmen. Hier hat die „Sportsfreund“ von Axel Seehafer (Heiligenhafen) als Vierte – bei Führung der italienischen „Low Noise“ (Duccio Colombi) – noch gute Medaillenchancen. Allerdings musste die Seehafer-Crew auch an Land einen Abwehrkampf führen. Gegen ihre Leichtwind-Fock wurde Protest eingelegt, da sie locker wie ein Code 0 und dadurch mit einem überlangen Vorliek gefahren wird. Allerdings wurde der Protest aufgrund von Formfehlern abgelehnt.

Gegen Abend immer weniger © Segelbilder

Gegen Abend immer weniger © Segelbilder

Leichte Winde, gute Karten

Eine Grundsatz-Klärung über den legalen Einsatz dieses Vorsegel blieb damit allerdings aus.

Während es in den Klassen B und C sehr eng zugeht, lag die „Santa“ von Claus Landmark (Norwegen) vor der Langstrecke mit einem Vorsprung von 20 Punkten auf einem scheinbar sicheren Titelkurs. Vor der WM war die Landmark43 allerdings nicht unbedingt zum Favoritenkreis gezählt worden. Doch die leichten Winde spielten ihr in die Karten. „Die Yacht ist für sechs bis zwölf Knoten optimiert“, erklärte Landmark, der das Projekt vor sieben Jahren inszeniert hat. Gezeichnet wurde der 43 Fuß lange Cruiser-Racer vom US-Amerikaner Mark Mills, gebaut wurde sie von Premier Composite Technologies in Dubai, der Werft, die in diesem Winter auch gerade die „Platoon“ von Harm Müller-Spreer (Hamburg) aus der Halle geschoben hat.

Die Landmark43 ist das erste Mal bei einer ORC-WM am Start, segelte in den vergangenen Jahren lediglich einige IRC-Regatten im mittleren Osten. Doch Initiator Landmark war schon vor der WM vom Potenzial seines Bootes überzeugt: „Ich habe absolutes Vertrauen in das Schiff und habe der Crew vorher gesagt, dass wir die Weltmeisterschaft gewinnen wollen. Wenn nicht wir an uns glauben, dann tut es niemand.“ Der Yachthändler aus Oslo, zweimaliger Whitbread-Round-the-World-Teilnehmer (1982 und 1990), hat seine Crew zwar vorrangig mit Amateuren besetzt, als Taktiker ist mit Morten Henriksen aber ein ehemaliger Soling- und Weltumsegler (Volvo Ocean Race) an Bord, der er versteht, Crew und Boot zu Höchstleistungen anzuspornen.

Hauptsache, der Spi steht © segelbilder

Hauptsache, der Spi steht © segelbilder

Neubelebung mit Upgrade

Gedacht waren die hochwertig gebauten Landmark43 ehemals für finanzstarke Eigner, und neun Stück wurden auch nach Dubai, Südafrika, Frankreich, Schweden, in die Niederlande und eben nach Norwegen verkauft. „Dann kam uns aber die Finanzkrise dazwischen. Von daher war das Timing für das Projekt katastrophal. Aber mit einem kleinen Upgrade und ein paar Detailveränderungen wäre es nun an der Zeit, es wieder neu zu beleben“, sagt Landmark. Der Auftritt bei der WM dürfte dafür alles andere als hinderlich sein. 
Um 18 Uhr fiel am Abend schließlich die Entscheidung, die Yachten im einschlafenden Wind auf leichter Verkürzung ins Ziel zu nehmen.

Diverse Crews hatten da noch einige Meilen vor dem Bug.

Ergebnisse, Bilder und Meldungen zur Weltmeisterschaft gibt es unter www.orcworlds.com

Spenden
https://yachtservice-sb.com

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