Palma Week: Heil/Pößel ärgern sich beim größten Erfolg – Gedanken an die Trauer der Freunde

Feierstunde II

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Eric Heil und Thomas Plößel wollten nach dem Quali-Sieg auch auf das Palma-Podium. Am Ende konnten sie sich aus mehreren Gründen erst einmal gar nicht so richtig freuen.

So sehen eigentlich keine Sieger aus. Nach dem finalen Zieldurchgang sitzen und stehen Erik Heil und Thomas Plößel erst einmal ziemlich bedröppelt auf ihrem Skiff. Sie können gar nicht glauben, was da schief gelaufen ist.

Erik Heil und Thomas Plößel

Erik Heil (r.) und Thomas Plößel freuen sich über Olympia trauern aber auch mit den Freunden. © Marina Könitzer

Knapp zehn Sekunden vor dem Start zum Medalrace fällen sie die geniale Entscheidung, einen Steuerbord-Start hinter dem Feld zu versuchen um frei auf die rechte Seite zu kommen. Der Lohn ist Platz eins an der Luvtonne.

Und auch vor dem Wind verteidigen die Segler vom NRV Hamburg geschickt mit zwei schnellen Halsen die Innenposition, um erneut frei nach rechts zu segeln.

Dort will es aber nicht so recht laufen. Nach und nach holt das Feld in der Mitte auf. Auf der Anliegelinie wendet noch ein Boot direkt voraus und prompt sind fünf Schiffe durchgerutscht. Der letzte Angriff vor dem Wind mit einer Halse geht auch daneben. Und am Ende werden die beiden entnervt letzte.

Das ist absolut kein Beinbruch. In der Gesamtwertung steht schließlich Rang fünf. Aber Bronze war drin. Und die beiden Skiff-Piloten sind zu sehr Wettkämpfer, dass sie die Medalrace Enttäuschung einfach so wegstecken.

Kampf gegen die Freunde

Aber sie fangen sich schnell. Viel wichtiger ist die Olympiaqualifikation. Und bei der mussten sie alles geben, um den Platz für Brasilien sicher zu haben. Vor der Regatta standen sie ordentlich unter Druck mit nur vier Punkten Vorsprung auf ihre Traingspartner Justus Schmidt und Max Böhme.

Die waren nach der auch durch Krankheit verlorenen zweiten Ausscheidung bei der WM in Argentinien nun auf den Punkt fit und zeigten ihr bestes Tennis. Aber Heil/Plößel hielten dagegen. Schon bei der überragende Qualifikationsserie segelten sie permanent in den Top drei.

Dann schwächelten sie kurz zu Beginn der Goldfleet-Phase. Aber zwei Tagessiege bei Starkwind zeigte enorme Nervenstärke, mit der sie schließlich ihre Freunde auf Abstand hielten. Die griffen noch einmal an, aber nach einem Frühstart im 13. Rennen war die Entscheidung gefallen.

Keine Floskel

Erik Heil und Thomas Plößel wissen, dass sie durch den Druck der Trainingspartner erst auf das Niveau gekommen sind, das sie in die Lage versetzt, in Rio auch nach Edelmetall greifen zu können. Sie mussten die wohl härteste Olympiaqualifikation aller Nationen überstehen und das macht sie stark.

So ist es auch viel mehr als Floskel, wenn sie wie folgt Bilanz ziehen: „Wir freuen uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir sind glücklich über unsere Leistung, wissen aber auch, durch welche Trauer unsere Gegner und Freunde jetzt gehen. Wir können nun ein weiteres wichtiges und großes Ziel abhaken. Unsere ganze Konzentration gilt der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und der Medaillen-Mission.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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