Paralympics: Ex America’s Cup-Segler Dee Smith startet eine Kampagne im 2,4mR – Ziel: Rio

Der Auftaucher

Manches war gut, anderes suboptimal: Dees ersten Versuche auf der 2,4mR

Während seines Jobs als Taktiker auf „Shosholoza“ in Valencia 2007 diagnostizierte man bei Dee Smith Krebs. Der beschädigte Teile seiner Wirbelsäule. Jetzt will er zu den Paralympics nach Rio.

Viele erfolgreiche America’s Cup-Segler kamen und kommen aus den unterschiedlichen olympischen Klassen. Dass ein erfolgreicher AC-Champion jedoch eine olympische Kampagne startet, ist eher selten. Und schon gar nicht, wenn besagter Segler bereits 62 Jahre alt ist.

Dee Smith galt jahrelang als einer der besten Segler weltweit. Als Team Manager und eben Taktiker auf „Shosholoza“ während des America’s Cup 2007 vor Valencia brachte er die südafrikanische Außenseiter-Kampagne unerwartet weit nach vorne.

See Smith, Paralympics

Charakterkopf Dee Smith © smith

Nur wenige wissen jedoch, dass im gleichen Zeitraum bei dem Amerikaner eine besonders aggressive Krebskrankheit diagnostiziert wurde. Unter anderem war die Wirbelsäule befallen, die „förmlich vom Krebs „angenagt“ wurde“, wie Dee Smith das heute erklärt.

Die Ärzte gaben ihm nur noch ein paar Monate, doch mit Hilfe (damals) neuartiger, genetisch abgestimmter Medikamente überlebte der Segelstar.

Und blieb dem Segelsport als Trainer und Taktiker erhalten. Er gründete u.a. die Firma „Dee Smith Racing“, mit dem er als Coach und Taktikexperte große Rennställe oder ganze Klassen betreut – wie etwa zuletzt die Farr 400.

 Coach? Brauchen wir nicht!

Letztes Jahr machte Dee Smith dem US-amerikanischen Olympic Team in seiner Eigenschaft als Coach das Angebot, spezielle Taktik-Kurse durchzuführen. Doch die Verantwortlichen dort winkten ab: „Wir können Dich für eine Verbesserung unserer Medaillenbilanz durchaus gebrauchen – aber als Segler!“ antwortete man ihm. Smith entgegnete, dass er mit 63 Jahren wohl in keiner Klasse eine Chance haben würde. Die lapidare Antwort: „Mach bei den Paralympics mit“.

Obwohl Dee Smith schon so „ziemlich jedes Boot“ auf kleinen Binnenrennen oder auf Weltumseglungen gesteuert und taktisch begleitet hat, reizte ihn die Vorstellung doch – die Olympischen Ringe haben eben etwas ungemein Faszinierendes, auch für diejenigen, die vermeintlich an ihrem seglerischen Ziel längst „angekommen“ sind.

See Smith, Paralympics

Mehr unter, als über Wasser: Dee Smith auf seiner 2,4mR wäährend der zweiten Testregatta © smith

Dee Smith bewarb sich also und erreichte aufgrund seiner Behinderung in der Wirbelsäule sowie aufgrund eines irreparablen Schadens im Bein, den er sich bei einem Radunfall zuzog, tatsächlich den Status „paralympisch“. Was sein Leben von Grund auf verändern sollte.

„Meine anfängliche Skepsis wich schnell totaler Begeisterung,“ berichtet er heute. „Plötzlich war ich wieder mitten im Regattageschehen – als Einhandsegler!“

 Ab- und wieder auftauchen

Doch bis zum eigentlichen Ziel, nämlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio, muss Dee Smith noch reichlich Lehrgeld zahlen. „Auf den 2,4mR bist du ja nahezu auf Wasserhöhe unterwegs. Da ist nix mit Überblick bewahren, die Böe da vorne als Erster sehen und so. Es ist ein völlig anderes Segeln – und durchaus physisch!“

Im April fuhr er seine erste Testregatta beim ISAF Sailing World Cup in Hyeres, wo er 10. von 18 wurde, bei sehr starker Konkurrenz. Und Ende Mai segelte er vor dem niederländischen Medemblik. Dee Smith saß in einem geliehenen Boot, und es gab „Höhen und Tiefen“, wie er das im Video ausdrückt: OCS und zuletzt noch einen DNF, als er in einer kernigen Böe unterschnitt und das Boot voll Wasser lief. „Seitdem nennen mich die Kumpel Taucher Dee“ schreibt er auf seiner Website. So lange er immer wieder „auftaucht“ doch eigentlich kein Problem, oder? „Von wegen, ich muss die Qualifikationen für Olympia schaffen. Und die Konkurrenz ist ziemlich stark. Aber ich lerne jeden Tag dazu!“

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