Perlzerhaken-Unfall: Opfer äußert sich im Interview

„Gegen diesen Wahnsinn angehen!“

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Reinhard Fahlbusch wurde schwer verletzt und verlor ein Bein © windsurfers.de

Vor mehr als zweieinhalb Jahren wurde Windsurfer Reinhard Fahlbusch von einer Motoryacht überfahren, schwer verletzt und verlor ein Bein. Im Gespräch mit „windsurfers.de“ zeigt er sich optimistisch und lebensbejahend.

Sein Schicksal bewegt die Deutschen Wassersportler. Der 61 jährige Windsurfer Reinhard Fahlbusch wird vor Pelzerhaken bei einer Windgeschwindigkeit von 10 kn. von einer ca. 38 kn schnellen Motoryacht überfahren. Deren Schiffsschrauben verletzen Fahlbusch so schwer, dass er mehrfach von Rettern wiederbelebt werden musste. Beide Beine waren zerfetzt, eines musste unterhalb des Knies amputiert werden, später wird ihm auch das Knie entfernt. Insgesamt musste Fahlbusch 10 Operationen überstehen.

Kürzlich sprach das Amtsgericht Kiel einen Strafbefehl gegen den Motorbootfahrer und somit offiziell gegen den Verursacher des Unfalls aus.

Im Gespräch mit der Website „windsurfers.de“ erzählt Reinhard Fahlbusch über den Unfallhergang und über sein Leben nach dem fatalen Crash.

„Zwei Schiffsschrauben, angetrieben von 3500 PS, haben meine Beine zerstört,“ beschreibt er den Grad seiner bleibenden Schäden. „Teilweise sind die Verletzungen nicht geheilt. Deshalb musste dann auch ein Knie entfernt werden, weil die Gefahr einer Blutvergiftung bestand. Die hätte ich in meinem damaligen Zustand kaum überlebt!“

Der Unfallort in der Lübecker Bucht. © BSU

Der Unfallort in der Lübecker Bucht vor Pelzerhaken. © BSU

Vor allem diese zweite Amputation bereitete Fahlbusch in seiner Genesungs- und Regenerationszeit große Probleme, da die Anpassung einer Prothese an den Oberschenkel ungleich komplizierter ist als die Anpassung ans Knie. Doch mittlerweile habe er eine neue Prothese bekommen, in die er große Hoffnungen setzt: „Sie hat einen Stoßdämpfer mit einstellbarer Feder.“

An den Unfallhergang hat Fahlbusch kaum noch Erinnerungen. „Es wehte nur ein schwacher Wind, ich hatte schon vergeblich versucht, Wasserstarts zu machen.“ berichtet er „windsurfers.de“.  Sekunden später trieb er im Wasser, ohne Surfbrett, ohne Erinnerungen, jemand warf ihm ein Seil zu, zu dem er nicht schwimmen konnte, weil beide Beine buchstäblich zerfetzt waren. Erst Tage später sei er im Krankenhaus unter starken Schmerzen wieder aufgewacht. Sein Bein hatte man ihm bereits amputiert.

Fahlbusch äußert sich im Interview mit „windsurfers.de“ auch über seine finanzielle Situation nach dem Unfall. Der Jurist, zuletzt aber als Immobilienmakler tätige Sportler kann seinen Beruf derzeit nicht ausüben, hatte keine Berufsunfähigkeitsversicherung, ist aber zumindest „vernünftig krankenversichert“. Diverse Behindertengerechte Umbauten in seinem Haus und noch nicht absehbare Gerichts- und Anwaltskosten haben den Mann offenbar an den Rand des Ruins getrieben. „Der Schuldspruch (…) ist von größter Wichtigkeit für mich gewesen. Und das nicht nur, weil jetzt endlich offiziell feststeht, dass ich das Unfallopfer und nicht der Verursacher bin. Sei es drum. Ich bin nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt, das merkst du ja auch daran, dass ich auch wieder auf das Wasser will. Ob es mir als Selbständiger in Zukunft noch einmal möglich wird auch wieder Geld zu verdienen, läßt sich heute nicht sagen.“ macht er im Interview deutlich.

Die Motoryacht vom Typ Sunseeker Predator

Die Motoryacht vom Typ Sunseeker Predator. © BSU

Seine Odyssee durch die Wirren der Justiz hat aber wohl noch kein Ende gefunden. In Kürze will er Schadensersatzansprüche in einem zivilrechtlichen Verfahren stellen. Zu ungewiss sei sein gesundheitlicher Zustand, zu unklar, welche Kosten noch auf ihn zukommen werden.

Doch das wichtigste Anliegen ist ihm eine Änderung der deutschen Rechtslage in Bezug auf die Ausweichpflicht von Wind- und Kitesurfern vor Motoryachten, die offenbar Internationalem Seerecht widerspricht.

Es sei ein Skandal, was für Gesetze auf Druck der Lobbyisten verabschiedet werden,“ so Fahlbusch weiter. Eine Einladung auf eine Luxusyacht mache die Verantwortlichen vielleicht schon gefällig.

Das zerstörte Surfbrett

Das zerstörte Surfbrett. Das Heck wurde nicht gefunden. © BSU

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der nächste fatale Unfall geschehe. „Dagegen muss jetzt etwas unternommen werden. Alle Wassersportler müssen sich zusammentun und gegen diesen Wahnsinn angehen.“

Website windsurfers.de

 

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13 Kommentare zu „Perlzerhaken-Unfall: Opfer äußert sich im Interview“

  1. avatar SK sagt:

    Sehr gut, für mehr Präsenz in den Medien!

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  2. avatar Jan-X sagt:

    Hallo Herr Fahlbusch,
    sehr gut, nie aufgeben! Ich hoffe, Sie sehen, wie viele Menschen hinter Ihnen stehen. Und falls es sein muss: Hoffentlich auch vor Ihnen! Ich habe von dem Fall zum ersten Mal in der ZEIT gelesen und es hat mich sehr betroffen gemacht. Umso mehr freut mich die Entwicklung der letzten Tage. Alles Gute Ihnen!

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  3. avatar Backe sagt:

    Reinhard Fahlbuschs letzter Satz “Alle Wassersportler müssen sich zusammentun …” sollte uns allen Ansporn und Auftrag sein!

    Viele Anfänge, die erste Wut über den Vorfall nach dem ZEIT-Artikel (auch hier auf SR) in etwas Konstruktives zu verwandeln, sind bereits gemacht:
    Ein Beispiel ist eine FaceBook-Gruppe namens “Seesucker” (der Verballhornung von Sunseeker), die binnen 48 Stunden über 1000 Mitglieder hatte. Aus dieser Gruppe heraus wurden zahlreiche Schreiben an viele Segelvereine abgesetzt, mit der Bitte den deutlichen Wunsch der Segler an den DSV heran zu tragen, in der Sache aktiv zu werden.
    Tatsächlich hat mir DSV-Präsident Rolf Bähr bei der Kieler Woche zugesagt, dass der DSV in einer ausserordentlichen Präsidiumssitzung beschlossen habe, die Rückänderung der aktuellen Gesetzeslage anzugehen – und zwar schon jetzt, und nicht erst nach dem Seglertag im Dezember!
    Ein weiteres Beispiel: Bei Windsurfers.de wird abschließend die Idee einer ePetition an den Bundestag geäußert (wofür man jedoch m.W. 50.000 Unterschriften braucht …)

    Es muss um zwei Punkte gehen:
    1.Die Rückänderung der Vorfahrtsregelung für Surfer gem. § 38 SSchSt.O, und …
    2. Die Wiedereinführung eines 10-Kn-Tempolimits (das ebenfalls einmal in der Lübecker Bucht existierte und von einem (!) Motorbootfahrer vor Gericht gekippt wurde), plus ähnliche Limits in anderen stark frequentierten Wassersportbereichen, z.B. Strander Bucht (Hier endet das Tempolimit zwischen Laboe und Falckenstein…)

    Das dazu notwendige Bündnis aller Segler, Surfer, Kiter und anderer nicht PS-getriebener Wassersportler KANN NICHT VON EINZELPERSONEN vorangebracht werden, sondern nur von VERBÄNDEN, DEN GROSSEN VEREINEN und vor allem auch der PRESSE!

    Insofern würde ich mir ein starkes Engagement von SEGELREPORTER wünschen!
    Das könnte z.B. eine direkte Kontaktaufnahme mit den anderen Medien (z.B. den Surfmagazinen) sein, aber auch eine Unterschriftenliste, die ggf. zum richtigen Zeitpunkt mit allen anderen zusammen auf einen behördlichen Tisch gelegt werden können.

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    • avatar Ketzer sagt:

      VOLLE Zustimmung. Bitte berichtet weiter über alles, was sich bzgl. dieser Sache tut. Sobald Unterschriften oder ähnliches benötigt werden bin ich dabei. Bekommt man sonst einfach nicht mit.

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    • avatar Uwe sagt:

      Mit der Ausweichpflicht sollte doch sicher erreicht werden, dass Surfer stark befahrene Gebiete, in denen sie ausweichpflichtig sind, meiden.
      Das Wegerecht für Surfer könnte bedeuten, dass diese verstärkt stark befahrene Gebiete aufsuchen und sich stärker als zuvor gefährden. Wer sieht schon einen vom Brett gefallenen Surfer, wenn es mit 4 oder mehr Bft weht.

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      • avatar Andreas Ju sagt:

        Uwe: Du bist irgendwie einer von den Segel-Untoten, oder? Du brauchst die Dislikes auf deine Kommentare irgendwie zum Weiterleben und machst sie daher so bescheuert. Du machst es dir aber etwas einfach: So einen Müll kann echt niemand liken!

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        • avatar Uwe sagt:

          Andreas, es ist OK, wenn Dich der tragische Unfall emotional bewegt. Man sollte sich jedoch nicht ausschliesslich von Emotionen leiten lassen sondern sich sein Urteil nach den Grundsätzen logik- und vernunftorientierten Denkens bilden.
          Deine Überreaktionen finde ich nicht nur sehr bedenklich sondern richtig schlimm.

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Hi Backe, volle Unterstützung, wenn sich da wohl auch eine Zahl gedreht hat. Streiche 38, setzte 31.

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  4. avatar jorgo sagt:

    Hallo Reinhard,
    falls Du das hier liest:
    Die allerallerbesten Wünsche aus Bremen! Toll, dass Du Dein Schicksal wieder in die Hand nehmen kannst und dabei auch noch an Andere denkst. Hut ab!
    Herzliche Grüsse von Familie Gosche

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  5. avatar na_hoppla sagt:

    Eine Petition einzustellen ist kein Problem, das geht flott und damit hab ich schon Erfahrung gesammelt. Dir Formulierung sollte evtl ein Jurist übernehmen?

    Freiwillige vor?

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  6. avatar seekajaker sagt:

    alles Gute für Herrn Fahlbusch und der Teufel soll den irren Yachteigentümer holen.

    wie kommt man an den Namen dieses Typen?

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  7. avatar Hobby-Regatteur sagt:

    Die ePetition steht zum Unterzeichnen bereit:

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_07/_31/Petition_44678.nc.html

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