Kathrin Kadelbach berichtet aus Sydney von einem unheimlichen Trainingstag

“Plötzlich taucht eine Flosse neben uns auf”


Angsteinflößend. Beim Training vor Sydney taucht direkt neben dem 470er eine Walflosse auf. © V. Kovalenko

Es deutet sich schon an, dass unser letzter Segeltag auf Sydneys Gewässern etwas Besonderes werden sollte. Der berühmte australische Coach Victor Kovalenko bietet sich überraschend an,  uns mit dem Motorboot zu begleiten, damit wir noch einmal Offshore segeln können.

Das ist kein Ort, an dem man mit dem 470er ohne Begleitboot segeln möchte. Vor diesem Tag hatte ich dabei nur an die Gefahren durch Wind, hohe Wellen und die ungemütliche Steilküste gedacht. Ein Irrtum.

Frederike Belcher bleibt der Mund offen stehen, als sie beim Vorwind-Training den Wal sieht.© V. Kovalenko

Frederike Belcher staunt beim Vorwind-Training mit offenem Mund über einen Wal in nächster Nähe. © V. Kovalenko

Victor ist bekannt als der „Medal-Maker“, nachdem seine Schützlinge 1996 Gold und Bronze, 2000 und 2008 jeweils bei den 470er Männern und Frauen olympisches Gold geholt haben. Wir sind geehrt, aber auch ein wenig aufgeregt, dass dieser Mann uns nun seine Zeit widmet.

Wir verlassen die Bucht zwischen den North und South Heads von Sydney. Immerhin bleiben alle seine australischen Teams an diesem Tag an Land.

Plötzlich schreit er. Haben wir etwas falsch gemacht? Habe ich etwas Dummes getan? Victor gestikuliert in Richtung South Head. Ein paar hundert Meter von uns liegen Whale Watching Boote. Rike sieht einen schwarzen Punkt auf und ab tauchen. Ein Wal? Ich seh nichts.

Ein mit Pocken überzogener Walrücken wölbt sich aus dem Wasser. © V. Kovalenko

Und da wir zum Trainieren und nicht zum Sightseeing draußen sind, nehmen wir die Fahrt wieder auf. Wir kreuzen ein Stück, als sich neben uns etwas Großes durch das Wasser bewegt. Wir halten an, starren entgeistert ins Wasser. Nichts zu sehen. Dann taucht eine kleine Flosse auf. Ein Delfin schwimmt neben dem Boot. Süß, aber wahrhaftig nichts Besonderes in Australien.

Plötzlich wölbt sich dort, wo eben noch der Delfin war, ein schwarzer Buckel. Ein Wal. Nicht mal 20 Meter von uns entfernt. Bestimmt 18 Meter lang und wohl 30 Tonnen schwer. Geschmeidig bewegt er sich durchs Wasser, langsam und elegant. Der Kopf taucht unter, dann verschwindet der mit Pocken überzogene Rücken. Am Ende ragt nur noch die Flosse aus dem Wasser. Victor drückt den Auslöser seiner Kamera.

Knapp neben dem 470er verschwindet die mächtige Walflosse im Meer. Der Spuk ist vorüber, die Knie zittern. © V. Kovalenko

Ich will näher ran. Ich will mit aufs Foto. Aber Rike belehrt mich eines besseren. Es ist gefährlich. Ich kann nicht ganz unterscheiden, ob ich nur aufgeregt bin oder auch Angst habe. Der Wal taucht noch einmal auf. Dann verschwindet er. Die Touristendampfer kommen in unsere Richtung. Wir segeln weiter.

In der Ferne springt ein anderer Wal aus dem Wasser. 20 Tonnen in der Luft. Ich sehe nur noch wie das Wasser nach der Landung Meter hoch in die Höhe spritzt. Da steckt gewaltige Kraft dahinter.

Endlich setzen wir den Spinnaker. Es ist schöner Wind, großartige Welle. Das wollen wir nutzen. Victor fährt mit seinem Motorboot voraus, will Fotos von uns machen. Wir konzentrieren uns auf das effektive Pumpen und darauf das Boot gerade zu halten. Der Wind wird weniger, die Welle steiler, es ist schwierig zu segeln.

Nach dem Vorfall ist an konzentriertes 470er Training nicht mehr zu denken. Aber das Duo genießt die perfekten Offshore Bedingungen vor Sydney. © V. Kovalenko

Ich höre ihn zuerst. Höre wie die Luft aus dem Blasloch auf dem Rücken des Wales austritt und Wasser dabei spritzt. Der Wal taucht direkt vor unserem 470er auf. Sein Körper befindet sich noch unter unserem Schiff als er vor uns schon wieder abtaucht.

Durch das Wasser sehen wir, wie sich die Schwanzflosse unserem Schiff nähert. Wir halsen schnell, kentern fast. Es ist richtig knapp. Victor sagt später, dass zwischen uns und der Flosse kaum ein Meter Platz war. Knie und Beine  zittern. Auch als sich mein Puls wieder beruhigt hat.

Danach ist an richtiges Training nicht mehr zu denken. Wir segeln noch eine gute Stunde ohne weiteren Wal Kontakt. Ein Schwarm fliegender Fische oder ähnliches begleitet uns dafür eine Weile. Noch an Land können wir es kaum fassen. Ein spannender, perfekter letzter Tag in Sydney.

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5 Kommentare zu „Kathrin Kadelbach berichtet aus Sydney von einem unheimlichen Trainingstag“

  1. avatar T.K. sagt:

    cool

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  2. avatar Matti sagt:

    Wow!

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  3. avatar koebes sagt:

    Danke!
    Das ist doch mal eine coole Story.

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  4. avatar Heiko sagt:

    ich habe eigentlich sehr ähnliche Begegnungen jedes Jahr in der Strander Bucht – nur haben die Wale bunte Badeanzüge über ihrer hellrosa-farbenen drallen Körpern…

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  5. avatar Eli Barlag sagt:

    Frieda,

    sagenhaft!!!

    Aus Seattle,

    Eli

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