Quebec-St.Malo: “Mare” auf Platz zwei, Renken hofft auf “klaren Verstand” beim Partner

31 Knoten Ritte im Atlantik

Die “Mare” mit Skipper Jörg Riechers hat sich nach einem tollen Parforce-Ritt während der letzten 3 Tage von der vierten, crashbedingten Position auf einen sicheren Rang 2 gekämpft und gut 25 Meilen hinter den Siegern Halvard Mabire/Miranda Merron St. Malo die Ziellinie passiert. Er benötigte 11 Tagen und 19 Stunden und lag mit Sam Manuard, Rémi Aubrun und Ryan Breymaier eine Stunde und 30 Minuten hinter Platz eins. Der Durchschnitt-Speed betrug 10.13 Knoten.

“Mare” auf der Ziellinie vor St. Malo nach 11 Tagen und 19 Stunden auf dem Atlantik. © Pierre Boras

 

Endlich daheim, nach einem brutalen Finish. © Pierre Boras

 

Als zweiter Deutscher wird Axel Strauß an Bord der “Roaring fourty 2” mit dem Skipper auf einem starken fünften Platz geführt. Auf Rang 10 hält Mathias Blumencron auf seiner Red weiterhin eine achtbare Mittelfeldposition. Aber dem Team rund um den Spiegel-Chefredakteur wird derzeit nichts, aber auch gar nicht leicht gemacht.

Nasser als nass geht nicht!

Crew-Mitglied Andreas Lindlahr, wahrscheinlich etwas schlecht gelaunt, weil kurz zuvor seine GoPro-Kamera mit reichlich Action-Shots von einer Welle dem Atlantik übergeben wurde, bringt die letzte Nacht auf den Punkt: „ Gibt es eine Steigerung von “alles ist nass”?

Wie lange machen die Nerven mit, wenn selbst der von jedem so sorgfältig gehütete Schlafsack nun als nass eingestuft wird? Seit Tagen rasen wir jetzt durch diesen endlosen grauen Nordatlantik. Das Wasser hat eine kalte metallische Farbe, nichts Lebensfrohes, null Romantik. Cockpit ständig in Gischt, oft massives Wasser von vorn, wenn wir wieder in eine Welle rauschen. Die Kiste ruckt, bockt, jagt und springt.“

Skipper Blumencron ergänzt: „Noch 290 Meilen bis St. Malo, weniger als 24 Stunden. Wir fangen an, sie im Kopf einzeln abzuhaken.

Mega-Konzentration trotz Kakophonie

Seit Neufundland reiten wir mit einem Tief über den Atlantik, Lola haben wir es getauft. Erst Vorderseite, dann Rückseite. Nun ist es zum Sturmtief geworden, vor Irland hängengeblieben – und wir rasen durchs Windfeld wieder auf die Vorderseite. Bedingungen entsprechend.

Und dennoch pushen wir nicht so limitmäßig, wie die Jungs ganz vorn. Haben einige Risse am Ruderbeschlag – Reparatur in Halifax nach Unterwasserramming war nicht perfekt. Kontrollieren jede Stunde, ein bisschen Sorge im Kopf bei jedem stärkeren Ruderlegen.“

Doch er berichtet auch, dass er mit dieser Regatta „wahnsinnig viel gelernt“ habe, das Schiff nun besser spüre, mehr Einblick bekomme. Blumencron weiter:

„Was für ein Ritt! Wir müssen jetzt sehen, dass wir RED heil ins Ziel bekommen. Draußen weht es permanent mit 30 bis 35 Knoten, das ist kein Problem.

Auch die Welle ist ok, wir sind im vorderen Teil des Windfeldes. Aber wir haben nach wie vor Hammerböen bis 45 Knoten. Das Schiff wird dann wahnsinnig schnell – neuer Speed Rekord: 29 Knoten, laut GPS sogar über 30! Unter Deck eine Kakophonie der Hammerei. Wir müssen den einen großen Knall vermeiden, den Absturz in ein plötzliches Wellenloch. Steuern ist Mega-Konzenration!“

Kleinkrieg

Für die meisten stellt sich ein und dieselbe Frage: Wer steigt zuerst auf die Bremse? Viele zögern noch, oder sind in ihren ganz persönlichen Kleinkrieg verwickelt. Zu sehr verwickelt?

Anna-Maria Renken, als Co-Skipperin auf der etwas betagten Sevenstar nur einen Rang hinter Blumencron, hat zum Thema „Matchrace“ so ihre eigenen Gedanken kurz, knapp, klar übermittelt: „Schwierig, die letzte 40 Stunden,  unterschiedliche Ambitionen. Nach einem 31- Knoten-speed-over-ground-Ritt hätten wir beinahe das Rigg verloren. Ich bin
raus aus solchen Geschichten, will ankommen und gut, nix weiter. Mein Co-Skipper
zieht an einem anderen Strang: Er möchte mit Gewalt seinen Erzfeind
“Partouche” besiegen, was normalerweise auch gelingt, nur bei diesen Crew-
und Wetterbedingungen irgendwie eher sekundär wird; er schläft jetzt und
hat hoffentlich danach einen klareren Verstand. Drückt uns die Daumen, dass wir in einem Stück ankommen!“

Wet and wild. Die letzen Meilen auf der “Mare”. © Mare

 

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5 Kommentare zu „Quebec-St.Malo: “Mare” auf Platz zwei, Renken hofft auf “klaren Verstand” beim Partner“

  1. avatar Carsten S. sagt:

    Wie kann AMR so über einen nach dem anderen Mitsegler herziehen? Das hat keinen Stil. Die sitzen doch in einem Boot!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 11

  2. avatar Heini sagt:

    Also herziehen ist was anderes. Jedenfalls in diesem Fall. Über die Engländerin hat sie eher/mehr hergezogen.
    Es scheint einfach so ihre Art zu sein. Muss man ja nicht lieben. Ich würds nicht überbewerten.
    Auf jeden Fall wurde sie sonst immer sofort als Großmaul niedergemacht. Inzwischen wird ihr Respekt gezollt.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 7

  3. avatar Kerstin Zorn sagt:

    Ich gratuliere Jörg zu einem großartigen Rennen – finde ich wichtiger als die Debatte um AMR. Also, super gemacht Jörg!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 0

  4. avatar Kersten sagt:

    Wenn AMR sich mit ihren Gefühlen auseinandersetzt und dieses niederschreibt finde ich das völlig in Ordnung. Das hilft ihr und für den Leser wird das Leben an Bord anschaulich gemacht. Lieber lese ich über Ängste, Wut oder Begeisterung der Protagonisten, als schöne geredete Harmonie Gequatsche.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 5

    • avatar stefan sagt:

      …zumal jeder der mal ein west-ost-rennen im Nordatlantik unter solchen Bedingungen gesegelt ist, weiss was Gefühle in diesem Zusammenhang sind.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 6

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