Refit: Prinzessin finanziert Rückkehr des berühmten Frauen-Whitbread-Racers „Maiden“

"Als hätten Vandalen gehaust"

Zuerst fanden sie keinen Sponsor, dann schlugen sie sich beim Whitbread Race 1989/90 besser als erwartet. Jetzt holte die damalige Skipperin die 58-Fuß-Yacht nach Hause zurück.

Er gilt als einer der buchstäblich schönsten Momente in der britischen Hochsee-Regatta-Historie: Als die erste Frauencrew, die an einer Weltumseglungsregatta teilnahm, auf ihrem 58-Fuß Maxi „Maiden“ im Mai 1990 im Solent vor der englischen Küste die letzten Seemeilen ihres großen Rundum-Törns segelten, drückten die Fotografen und Kameraleute doppelt verzückt auf die Auslöser.

Denn die erste Frauencrew, die jemals beim Whitbread-Race oder überhaupt an einer Weltumseglungsregatta teilnahm, hatte sich mit zwei Etappensiegen in ihrer Klasse gegen die größere Konkurrenz viel besser geschlagen als erwartet. Und außerdem zelebrierte sie die Rückkehr, wie auch schon bei einigen Etappenziellinien zuvor, ziemlich sexy im… Badeanzug! Was bei der als etwas „verklemmt“ verschrieenen, britischen Hochseeszene damals die Augenbrauen nach oben schnellen ließ. 

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Sieht schon besser aus als die Junx im Ölzeug, oder? © maiden factor

Nun schreiben „Maiden“ und ihre damalige und heutigen Skipperin Tracy Edwards erneut Geschichte. Denn der ehemalige Whitbread-Racer ist 27 Jahre nach der legendären Weltumseglung wieder zurück im River Hamble für ein weiteres „Maiden“-Projekt.

Allerdings ist der Auftritt des Bootes diesmal etwas weniger glamourös. „Maiden“ wurde auf einem Frachter nach Southampton gebracht und ist in einem eher desolaten Zustand. „Ihr fehlt der Mast, der Rumpf ist an mehreren Stellen beschädigt, die Inneneinrichtung sieht aus, als hätte eine Horde Vandalen darin jahrelang gehaust“, sagt Tracy Edwards. 

Yacht mit Geschichte und Charakter

„Maiden“ ist 1979 als reine Regatta-Yacht gebaut worden, erlebte einige harte Jahre auf See, havarierte mehrfach, kam schließlich zu einem Eigner, dessen Geschäfte abrupt in einer Pleite endeten. Die Yacht gammelte in einem südafrikanischen Hafen vor sich hin, bis sie schließlich 1987 von Tracy Edwards als „Schnäppchen“ erstanden wurde. „Damals wuchsen schon Sträucher und sonstige Pflanzen im Rumpf“ erinnert sich Edwards.

Edwards ließ die Yacht wieder aufpäppeln, verpasste ihr zuletzt einen „Hippie“-Anstrich und prügelte das gute Stück mit ihrer Crew erfolgreich um die Welt. 

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Tracy Edwards und ihre Crew © maiden factor

Kurz nach dem Zieleinlauf 1990 musste das Schiff mangels finanzieller Mittel zum weiteren Erhalt verkauft werden. Der Beginn einer langen Odyssee: Im Laufe der vergangenen 25 Jahre wechselte die Yacht mehrfach den Besitzer, darunter einige, die nicht gerade sorgsam mit dem geschichtsträchtigen Boot umgingen.

2014 fand Tracy Edwards sie schließlich verlassen und verloren auf den Seychellen, „in einem ähnlich miserablen Zustand wie bei unserer allerersten Begegnung,“ sagt die Britin heute schmunzelnd. Und es sollte noch drei weitere Jahre dauern, bis Edwards das nötige „Kleingeld“ zusammen hatte, um den Transport der heruntergekommenen Yacht aus dem Indischen Ozean hinauf in ihre „alte Heimat“  finanzieren zu können. 

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Triumphales Finish in Southampton © maiden factor

Tracy Edwards will mit ihrer „alten Mädchen-Freundin“ im Prinzip das damalige „Maiden“-Projekt weiterführen. „Damals zeigten wir aller Welt, dass Frauen durchaus zu Erfolgen in angeblich männlichen Domänen fähig sind,“ erklärt Tracy Edwards auf ihrer Website. „Und diesen Faden wollen wir nun für Frauen und Mädchen in unterentwickelten Ländern aufnehmen!“

Mit einer mehrjährigen Weltumseglung soll für Frauenförderungs-Projekte in Drittweltländern geworben und benachteiligten Frauen in Etappenländern die Gelegenheit zum Segeln gegeben werden. Ehrensache, dass die (wechselnde) Crew auf der „Maiden“ ausschließlich aus Frauen bestehen wird und zudem einige „Mädchen“ aus der damaligen Whitbread-Stammcrew dabei sein werden.  

Wir wollen etwas zurück geben

Es gehe darum, möglichst viel Aufmerksamkeit für die Belange der Frauen zu erreichen, macht Edwards weiter deutlich. „Wir wollen mit unseren Aktionen Geld sammeln und verschiedene Projekte und Aktionen in den Etappenländern finanzieren. Wir haben damals am Whitbread Race nur teilnehmen können, weil wir viele Menschen um uns herum hatten, die zu uns und unserer Idee standen, die uns finanziell und moralisch unterstützten, die uns immer wieder sagten: Ihr schafft das! Und genau dies wollen wir jetzt den Frauen weitergeben, die unsere Hilfe noch viel nötiger haben, als wir damals!“ Der Name des ambitionierten Projektes: „The Maiden Factor“

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Die “Maiden” bekommt 1987 den richtigen Anstrich © maiden factor

Ein Jahr haben nun die Bootsbauer bei der Werft Hamble Yacht Zeit, um „Maiden“ wieder in Schuss zu bringen. Danach wird sie – zum größten Teil mit Original-Crew“ – an der Volvo Ocean Race Legends-Regatta (Göteborg nach Den Haag) teilnehmen, die 2018 veranstaltet wird. Wenige Wochen später soll dann die Charity-Weltumseglung beginnen. 

Höchst ungewöhnlich und spannend ist das Refit- und Projekt-Sponsoring: „Maiden Factor“ wird von Prinzessin Haya Bint Al Hussein finanziert. Die Tochter des verstorbenen Königs von Jordanien setzt sich in ihrer Heimat für die Rechte von Frauen ein, unterstreicht aber auch, dass sie dem Projekt aus nostalgischen Gründen verbunden ist. Ihr Vater, König Hussein von Jordanien, war 1989/90 der einzige unter allen Mäzenen des Segelsports, der fest an die „Maiden“-Crew glaubte und das Projekt damals hauptsächlich finanzierte. 

Tracy Edwards sorgte 2000 noch einmal für Aufsehen, als sie mit einem der ersten Mega-Kats “Club Med” einen Atlantik-Rekordversuch unternahm unter dem Namen “Maiden II”. Danach halfen die gute Beziehungen in den Mittleren Osten bei der Organisation der Oryx Quest Regatta für die großen Multihulls um die Welt. Startort und Sponsor war Katar und die Ölmultis lobten für jeden Teilnehmer eine Millionen Dollar aus. Aber die Regatta wurde zum Desaster. Nur zwei von vier Booten schaffte die Strecke, Gelder wurden nicht bezahlt und Edwards schlitterte in die persönliche Pleite, weil sie geliehenes Geld nicht zurückzahlen konnte.

Danach wandte sie sich ab von der intensiven Segelei, arbeitete für eine Kinder-Organisation und als Motivationsrednerin. Sie bildete sich in der Psychologie fort und ist als Life Coach aktiv. Nun ist es für sie offenbar an der Zeit, den Schritt zurück zu den Wurzeln zu gehen.

Website “Maiden Factor”

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Der Sponsor bleibt gleich © maiden factor

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/byt-til-nyt-dag

4 Kommentare zu „Refit: Prinzessin finanziert Rückkehr des berühmten Frauen-Whitbread-Racers „Maiden““

  1. avatar Maximilian sagt:

    Ich hatte das Schiff letztes Jahr auf den Seychellen noch bewundert! Leider wusste ich damals noch nicht vor welchem berühmten Schiff ich dort stehe!

    Schöne Story und noch viel schöneres Schiff!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Pascal sagt:

    The 58ft yacht started life as Disque D’or 3 and was skippered by Switzerland’s Pierre Fehlmann to fourth place in the 1981-82 Whitbread race.

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  3. avatar Horsti sagt:

    Eine verblüffend ähnliche Story auf sailinganarchy.com einen Tag füher und für Lau…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 6

    • avatar Südlicht sagt:

      Ja leider vermisst man mehr und mehr aktuelle Themen, Yacht Online war sowohl bei den letzten Americas Cup Testregatten wie auch bei der Segelbundesliga um Tage schneller, warum sollte man also noch zahlen?

      Es fehlt mir wirklich der Pioniergeist vom Anfang, da wurden noch eigene Geschichten geschrieben, nun sind es oft Filmchen, die man sich auch auf Youtube ansehen kann.

      Die letzten Wochen waren leider sehr enttäuschend.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 4

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