Regatta-Unfall: Vermutlich fünf Tote bei San Francisco Farallones Race

US-Segler unter Schock

Die Sydney 38 "Low Speed Chase" auf dem Farallones Felsen vor San Francisco. © US Coastguard

Seit dem Wochenende wird in der internationalen Segelszene ein trauriger Vorfall diskutiert, der sich beim Farallones Race vor San Francisco ereignete. Die US-Segelgemeinschaft steht unter Schock.

Die Sydney 38  “Low Speed Chase” wurde bei der Rundung des Farallones Felsens im Rahmen des 56 Meilen langen Rennen bei stürmischen Wetter mit Wind bis zu 30 Knoten von einer Serie großer Brecher getroffen und mehrfach umgedreht. Fünf Mitglieder der achtköpfigen Crew gingen dabei über Bord, darunter die einzige Frau.

Als der Skipper auf sie zuhielt, wurde das Schiff erneut von Brechern umgelegt und zwei weitere Segler gingen über Bord. Ein Mann konnte sich im Cockpit halten, brach sich dabei aber das Bein. Das Schiff wurde schließlich auf die schäumende Leeküste geworfen. Dabei aktivierte sich das EPIRB Notsignal.

Die Leeküste, an der vermutlich fünf US-Segler ihre Leben ließen. © R. Storesund

Die Küstenwache konnte drei Segler per Helikopter von den Rocks retten. In einem Video ist das Abbergen zu sehen. Ein vierter Mann wurde tot geborgen. Die übrigen vier Crewmitglieder bleiben vermisst. Ihr Überleben ist unwahrscheinlich. Die Suche wurde ein Tag nach dem Unglück eingestellt.

49 Yachten waren bei der Regatta gestartet, die seit 1907 ausgetragen wird. Ein Teilnehmer sagt dem San Francisco Chronicle: “Es ist ein Desaster –  Sie segelten zu nahe an den Felsen. Wenn man ihnen so nahe kommt, werfen einen die Brecher um. Da kann man nicht viel machen. Ihre Kraft ist unglaublich.”

Die Unglücksyacht "Low Speed Chase" kurz nach dem Start. © P. Lyons

Die Crew der “Low Speed Chase” soll aus exzellenten Seglern und Profis bestanden haben. Einer der Überlebenden, hatte mit seiner Freundin, die nicht mehr gefunden wurde, zum Jahreswechsel beim Sydney-Hobart-Race teilgenommen.

Der Vorfall macht fassungslos, da er offenbar einer hoch angesehenen Crew passiert ist. In der Hitze des Gefechts mag sie den Felsen etwas zu eng gerundet haben. Solche Sachen passieren beim Segeln, fast nie gehen sie so tragisch aus. Man kann wohl wenig mehr daraus lernen, als dass immer wieder demütiger Respekt vor den Urgewalten angebracht sein muss. Segeln ist kein Hallensport. Und gerade deshalb lieben wir ihn. 

Tipp SR-Leser: Ulli Dubb

 

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Regatta-Unfall: Vermutlich fünf Tote bei San Francisco Farallones Race“

  1. avatar Kurt sagt:

    das ist fruchtbar

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  2. avatar Heini sagt:

    Man schaue sich nur den Seegang auf dem zweiten Bild (https://segelreporter.com/wp-content/uploads/2012/04/2012-04-16_7538_LowSpeedChaseLL.jpg) an.

    Wenn die ohne Not (tech.Defekt) auf Legerwall bis in die Brandungszone fahren, nur um ein paar Meter zu sparen (weils ja um nen dollen Pokal geht), ist das nicht “erfahren” oder “hoch angesehen” oder “exzellent”, sondern einfach nur bescheuert!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 18 Daumen runter 23

  3. avatar Christian1968 sagt:

    Ich finde, wenn so viele Menschen tragisch umgekommen sind, muss hier niemand
    aus der Entfernung und nur anhand eines später aufgenommenen Fotos, diese Toten
    als “bescheuert” bezeichnen.
    Was auch immer sich da abgespiel haben mag, es ist tragisch und hätte auch vielen anderen
    passieren können. Skipper ist immer nur einer, tot sind aber fünf.

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  4. avatar Heini sagt:

    Ich korrigiere: Nicht alle Toten, sondern der Skipper oder der Steuermann, also derjenige, der das zu verantworten hat, ist in meinen Augen bescheuert. Weil er ein unnötig hohes Risiko eingegangen ist.

    PS: Habe ich irgendwo gesagt, dass es nicht tragisch ist? Warum darf man so eine Sache – sobald es Tote gibt – nicht mehr kritisieren?

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  5. avatar Ketzer sagt:

    Achtung Spekulation: Vermutlich liegt es am Plotter. Da sieht man ja alles so genau, da kann man ruhig mal nah ran gehen, auch wenn man nichts sieht…

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