Rekordsegeln: Schnellster Einhand-Tri der Welt ganz nah – Einparken mit 30-Meter-Monster

Aufhübschen im Winterschlaf

Macif, Trimaran, Lorient, Werft

Ein Monster auf dem Weg in den Winterschlaf © miku

 

Kleinere Umbauten, ein wenig Aufhübschen und überhaupt ein Generalcheck sind bei  „Macif“ vonnöten. Während Coville um die Welt rast, gönnt sich Gabart eine Pause. Michael Kunst berichtet aus Lorient.

Eigentlich ist ja „Port-La-Foret“, dort wo auch das berühmte französische Hochseesegelcamp „Pole Finisterre Course au Large“ beheimatet ist, der Heimathafen des Trimarans „Macif“. Oder besser gesagt ist „PlF“ der Heimathafen des Skippers Francois Gabart, weil er sich eben dort immer wieder den letzten „Schliff“ holt, bevor er erneut auf seinem Monster zur Rekordjagd aufbricht.

Wenn jedoch am Trimaran gebastelt werden soll, dann steuert die Shore-Crew mit „Macif“ die berühmte „Base“ in Lorient an. Denn nur dort findet sich in den riesigen Werfthallen der ehemaligen U-Boot-Basis aus dem Zweiten Weltkrieg genügend Platz, um den Trimaran in seiner Gänze (30 Meter lang, 21 Meter breit) unterzubringen und zu bearbeiten.

Einen Meter vor, einen Meter zurück…

Doch selbst auf dem per se großzügig angelegten Gelände ist ein Rangieren und Einparken des riesigen Trimarans im wahrsten Sinne des Wortes Zentimeterarbeit. Für die ca. 150 Meter Wegstrecke von der Kran-Mole bis in die Halle braucht der Trimaran auf einem eigens für solche Aktionen gebauten, 500 PS starken „Slipwagen“ (2 x 16 Räder, die bis zu 150 Grad gedreht werden können) etwa 2,5 Stunden, bis das Ungetüm sicher in der Halle steht.

Grund dafür ist die teils haargenaue Rangierarbeit, welche der per Fernbedienung agierende Fahrzeuglenker leisten muss: zwischen dem Groupama-Teamgebäude direkt neben der Kranmole und der Werfthalle sind bei Passieren von „Macif“ zwischen den beiden Schwimmern und den jeweiligen Wänden gerade mal 30 cm Platz.

Ist diese Engstelle passiert, muss das gesamte Konstrukt quasi „auf dem Teller“ mehrfach um 45 Grad gedreht werden (einen Meter vor – Räder drehen – einen Meter zurück – Räder drehen – einen Meter vor…), bis der Trimaran in seiner ganzen Breite vor der Werfhalle steht, um schließlich „in einem Rutsch“ rückwärts einparken zu können.

Macif, Trimaran, Lorient, Werft

Sogar Trimarane der etwas anderen Art haben jetzt Platz am Steg © miku

Vergebliches Warten aufs Wetterfenster

Knapp einen Monat lang wartete Francois Gabart auf seiner “Macif” in La Ciotat vergeblich auf ein geeignetes Wetterfenster, um den Mittelmeer-Rekord Marseille-Karthago in Angriff zu nehmen (2013 aufgestellt von Armel Le Cleac’h: 455 Seemeilen in 18:58:13 Stunden). Nachdem es sich nicht geöffnet hatte,  wurde „Macif“ mal eben schnell wieder in die Bretagne zurück gesegelt, wo ihr nun einige Monate „Aufhübschen und Aufbretzeln“ gegönnt werden.

„Nichts Dramatisches und schon gar keine strukturellen Arbeiten,“ erklärt Tiphaine Champon, technischer Verantwortlicher des Projektes. „Es geht um die Umsetzung von Francois’ Erfahrungen, die er beim Segeln gemacht hat.“ Hauptsächlich ergonomische Arbeiten sollen vorgenommen werden, damit einige Manöver einfacher, vor allem aber schneller und sicherer gelingen können. Ungefähr ein Dutzend Techniker werden über den Winter hinweg mit „Macif“ beschäftigt sein.

Das Kaminfeuer brennt wieder

Überhaupt ist „La Base“, der berühmte Regattahafen von Lorient, in eine Art Wintermodus gefallen. Ein untrügliches Zeichen hierfür ist das heimelige Kaminfeuer, das nun wieder in der Kult-Bar „La Base“ ab 16 Uhr vor sich hinflackert.

Seitdem die zwölf IMOCA 60 Fußer, die noch vor wenigen Wochen hier vor der Vendée Globe „bearbeitet“ wurden, nun um den Globus segeln, sind die breiten Stege verwaist. Platz für Boote der etwas anderen Art, wie etwa die „Race for Water“, dem ersten Solar-angetriebene Mehrrümpfer, der um die Welt schipperte. Oder die üblichen Hardcore-Ministen, die sich mit wochenlangen Traingscamps den ganzen Winter über auf die Mini-Transat in einem Jahr vorbereiten.

Macif, Trimaran, Lorient, Werft

Verwaiste Hochseestege – wann gibt es das schon mal in “La Base” © miku

Auch „Nivea“, die Class 40, auf der die Deutsche Hochsee-Seglerin Anna Maria Renken „The Transat“ erfolgreich beendete, liegt noch in der Box. Und steht übrigens für 260.000 Euro zum Verkauf…

Vielleicht steht der verwaist wirkende Hafen von „La Base“ derzeit sogar ein wenig dafür, wo wirklich die „Musik spielt“ – nämlich draußen auf dem Meer. Protagonisten wie „Baron de Rothschild, Banque Populaire, Souffle du Nord, St. Michel Virbac, Coeur pour Enfants“ aber auch Thomas Covilles „Sodebo“, die sonst übers Jahr hinweg oft hier liegen, sind jetzt draußen auf den Ozeanen unterwegs und leben ihren Traum, an dem sie zuvor jahrelang gestrickt haben.

Francois Gabarts „Macif“ wird derzeit jedenfalls ein Schönheitsschlaf gegönnt – immer im Hinblick auf die kommenden Jahre, in denen reichlich Hochseerekorde gebrochen werden wollen. Bis dann 2019 geschätzte fünf Ultim-Trimarane gemeinsam zu ihrer ganz speziellen einhand-um-die-Welt-Regatta starten werden. Doch bis dahin wird noch einiges in „La Base“ passieren…

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Rekordsegeln: Schnellster Einhand-Tri der Welt ganz nah – Einparken mit 30-Meter-Monster“

  1. avatar breizh sagt:

    Hatte im Sommer gesehen wie der Sodebo Tri zu Wasser gelassen wurde und das war schon beieindruckend. Die Dimensionen werden einem dabei erst einmal richtig bewusst und die Bewunderung wächst auch massiv, diese Schiffe Einhand über die Weltmeere zu knüppeln.

    Der Rangierplatz limitiert damit das weitere Wachsen der Schiffe :). Auch eine lustige Vorstellung.

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