Riechers oder Herrmann, wer ist besser? Strauss sagt: “sinnfreie” Debatte”

"Da waren echte Brüller dabei"

Axel Strauss mit seiner "Tzu Hang" vor Land End fotografiert von Boris Herrmann. © B. Herrmann

Das Normandy Channel Race ist vorbei, auf dem 7. Platz halbwegs befriedigend abgeschlossen, das Boot geputzt und aufgeräumt, und der einzige direkte Folgeschaden des Rennens, ein angescheuertes Spifall noch nicht repariert.

Das Rennen war sehr, sehr intensiv, teils hart, und viel zu viel Am-Wind. Wir haben zwei entscheidende Fehler gemacht: Einmal im Needles Channels, wo wir über der Shingles Bank von mehr Seegang als angenommen überrascht wurden, das Boot von einer brechenden Welle gewendet wurde, und wir dann mit Ballast auf der Leeseite, einem ziemlichen Chaos auf Deck, und wenig Wasser unter dem Kiel einige bange Minuten hatten. Das ging dann zwar alles gut, aber die unmittelbar nächsten taktischen Entscheidungen waren sicher nicht die Besten.

Axel Strauss (r) und Nicolas Boividezi haben war nicht das Rennen aber den Global Ocean Race Foto Award gewonnen. © GOR

Der zweite Fehler kurz nach Start Point, als wir trotz des erwartenden Drehers nach rechts, statt weiter auf die rechte Seite zu fahren, nur einen Kompromiss aus Wind und Strömungsentwicklung gewählt haben, obwohl der Winddreher viel wichtiger war. Da wollten wir superschlau sein. ….

Der Rest war eigentlich gut. Vom Start bis in den Solent, St. Albans bis Start Point, und dann ab Lands End bis zum Ziel lief es sehr gut.

Nachdem die Fastnet Bahnmarke gestrichen wurde, war es fast unmöglich geworden die ersten 6 Boote einzuholen. Die konnten nach der Rundung von Tuskar Rock noch einen guten Teil  des Rückwegs zurück nach Süden anliegen, während wir nach Tuskar Rock 2 Stunden später direkt auf die Kreuz mussten.

Die "Tzu Hang" segelte lange Zeit parallel mit Boris Herrmann. © B. Herrmann

Von  Lands End ging es dann in weniger als 21 Stunden nach Ouistreham mit der Schleife um Guernsey. Das war echt heiss. Unter Spi die ganze Nacht, gehalst mit stehendem Spi bei gut 30 kn südlich von Guernsey, die sichere Passage des Raz Blanchard bei gut 7 Bft und Wind-Gegen Strom Bedingungen, der Spinnakergang nördlich von Cherbourg. Das war schon Segeln vom Feinsten.

Was klar wurde in diesem Rennen: Die neuen Boote haben Vorteile auf einem solchen Parcours. Sie erholen sich schneller von kleinen Fehlern, da sie einfach einen Tick mehr Speed und/oder Höhe segeln können. Das gilt besonders bei leichten bis mittleren Bedingungen am Wind und reaching.

Das einzige, wo ich mit dem Boot absolut mit den neuen mithalten kann ist bei Starkwind-Raumschot Bedingungen. Also müsste man eigentlich ein Round-the-World Race machen 😉

Die Konkurrenz war stark und gut, die drei Rogers-Boote, die mit Spitzencrews an Bord gewonnen haben, dann Jörg mit seiner mare. Wir hätten maximal den 5. herausholen können, denke ich.

“Talanta” war schlagbar, “Express Sapmer” auch, aber schwierig. Ein absolut optimiertes Boot, und Dominic Vittet ist ein sehr guter Segler. 
Dann kamen wir (zumindest noch im gleichen Schleusengang wie die Spitzengruppe), danach „Red“. Matthias und Boris hatten auch, wie wir, relativ altes Material, und so war es auch für sie schwierig, mehr herauszuholen. Aber Spaß gehabt, und alles gegeben haben sie auch.

Wir saßen am Freitag alle (Joerg, ich, Boris, Matthias)  im Newport Cafe hier in Caen im Hafen, und haben uns köstlich über die teils absurden Forumsbeiträge auf einer deutschen Segelwebsite amüsiert. Da waren echte Brüller dabei.

Die ganze Diskussion, wer jetzt der bessere oder beste deutsche Hochseesegler sei, ist ja absolut sinnfrei und überflüssig. Gut, dass es ein paar Leute gibt, die einfach mal segeln gehen, oder? Es kann doch nicht darum gehen, dass es nur EINEN gibt. Schließlich sind wir ja nicht in so einem „Highlander“ Movie.

Der Rest des Feldes hatte dann erheblichen Rückstand, enttäuschend sicher die neue Akilaria RC2 Gryphon solo, und 40 degrees mit Hannah-Anna  wurde fast noch von der uralten Pogo von Stephanie und Caroline gerollt.  Am Ziel war dann gerade noch eine Stunde Differenz.

Alles in allem eine spannende Sache, die ich gerne noch einmal machen werde. Das Fastnet im August spielt ja zum grossen Teil auf dem gleichen Parcour.
Bei der Preisverteilung gestern haben wir dann noch den Global Ocean Race Preis für das beste Photo gewonnen:  Das Bild des Delfins in der irischen See hat die Jury überzeugt. Dafür gab es dann für jeden ein Helly Hansen spraytop. Praktisch!

Quelle: Windquest Sailing

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Riechers oder Herrmann, wer ist besser? Strauss sagt: “sinnfreie” Debatte”“

  1. avatar bläck sagt:

    Angefangen hat die Debatte ja eigentlich nur, weil ich mir erlaubte auf den Kommentar von “wiebe” zu entgegnen, dass es bei dieser Klasse sehr auf das Matrial und Baujahr der Schiffe ankommt.

    Wie im Kommentar zu lesen, könnte ich mit dieser “Vermutung” annähernd richtig liegen.

    Gruss

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 7

    • avatar Wilfried sagt:

      Hallo bläck,

      willst du die ganze Diskussion hier nochmal widerholen? Und beim zitieren immer schön ” ” setzen. 😉

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 3

  2. avatar bläck sagt:

    “die ganze Diskussion hier nochmal widerholen?”

    Nö. Nur wenn man so angepisst wird aus dem Nichts kommt halt früher oder später die Retourkutsche. Vorallem wenn verdient….

    Das war’s denn von meiner Seite zum Thema.

    Gruss

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 11

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