Rolex Fastnet Race: Die Erlebnisse auf der besten deutschen Yacht “Best Buddies”

Renn-Oma rockt den Felsen

 Die 34 Jahre alte Swan 441R unter Skipper Kay Wrede wurde beim Fastnet Race in der IRC Gesamtwertung als beste deutsche Yacht auf Rang 31 gewertet. Crewmitglied Hasso-Christian Höher schreibt über das Abenteuer.

Swan Best Buddies

Die Swan Best Buddies auf einem spitzem Spigang. © Best Buddies

Dass auch reifere Damen ihre Reize haben, ist unter Connaisseuren ja nichts Neues. Aber dass eine elegante 34jährige  beim Fastnet Race 2013 den Pokal holt, den ihr Schwesterschiff vor genau 32 Jahren gewinnen konnte, ist schon eine kleine Meldung wert!

Bevor  die Party richtig abging, war sie allerdings fast schon zu Ende. So ältere Girls sind ja doch im eher knackigen Alter – knackt hier und knackt da…! Unsere kapriziöse  Swan 441R hatte wahrscheinlich deshalb beschlossen, sich 35 Stunden vor dem Startschuss noch einen optimalen Race-Propeller zuzulegen: wenig blades – wenig Widerstand.

Propeller verloren

Kurz vor dem Rennen verabschiedet sich der Propeller. © Best Buddies

Dummerweise darf man so nicht racen. Da waren die Regeln auch vor 34 Jahren schon streng. Nur mit vereinter Anstrengung von MaxProp Generalimporteur Deutschland, Crew-Management und Crew gelang es, ein passendes Ersatzteil innerhalb von 16 Stunden von Hamburg nach Hamble zu schaffen und zu montieren.

Danach konnte es nur noch besser werden – da waren sich Boot und Crew ausnahmsweise völlig einig. Nach wildem Gerangel und internationalem Gepöbel an der Linie gelang ein einigermaßen akzeptabler Start in der größten Startergruppe IRC 2 (79 Boote).

Bis 12,5 Tonnen bei  leichten bis mäßigen Winden in Wallung kommen, dauert es natürlich seine Zeit und erfordert eine differenziertere Taktik als auf halb so schweren Gleitern. Aber danach war die Idee, bei slackwater mit kurzen Wenden auf der mainland-Seite frei hochzuziehen ziemlich gut.

Swan Best Buddies

Nach intensiven Bemühungen ist kurz vor dem Fastnet Start der Antreib wieder regelkonform. © Best Buddies

BEST BUDDIES kam kurz nach den Mini Maxis und Volvo 70s bei den Needles aus dem Solent. Bei Tempi um die 7-8 Knoten schaffte die mit 34 Jahren älteste Swan der Flotte gerade noch das Tidal Gate bei Portland Bill, was ganz klar dem 68jährigen Crew-Senior, Stromfuchs und Taktiker Mike Foster zu verdanken war.

Bis Lands End konnten wir uns in der gut besetzte Spitzengruppe halten. Der Großteil der favorisierten Boote fuhr relativ weit westlich einen  Außenbogen zum Rock, aber wir waren uns nach den Erfahrungen im 2009er Fastnet nicht sicher, ob wir dem Wetterrouting trauen sollten. Deshalb entschlossen wir uns, mit einer kleineren Gruppe eher unter Land hochzuziehen.

Sollte der Wind abflauen, hätten wir so definitiv den Stromvorteil auf unserer Seite. Im Nachhinein war das eine falsche Entscheidung, die uns bis zum Rock wahrscheinlich 3-4 Stunden gekostet hat.

Der Felsen tauchte  Dienstagnacht um 23.30 auf. Das heißt, genaugenommen tauchte er nicht auf. Der historische Londoner Fog hatte offenbar beschlossen, vor Irlands Küste rumzuspuken, und so sahen die Fastnet-Novizen an Bord zu ihrem Leidwesen weder den Rock noch sonst irgendetwas außer einem ziemlich gruselig-grünlichen Leuchten dicht über ihren Köpfen.

Swan Best Buddies

Die erfolgreiche Swan Crew um Skipper Kay Wrede. © Best Buddies

Auch die Konkurrenz blieb bis auf gefährlich nahe Pünktchen auf dem Plotter unsichtbar.  Dafür konnte man sie und die Brandung am Felsfuß umso deutlicher hören, was nicht unbedingt zur Beruhigung der ängstlicheren Gemüter beitrug. Trotz des Nebels frischte der Wind auf 16,18 und gleich danach 22 Knoten auf.

Nach einer minimalen Phase völliger Orientierungslosigkeit reachten wir unter dem großen Spi durch die Nacht – wie ein Geisterschiff unter dem trüben Lichtschein des Feuers. Dafür aber mit teilweise über 10 Knoten in Richtung Scillies (da lachen die Glitscher drüber, aber mit alten IOR-Schiffen kann das ziemlich spannend sein).

Nachdem der Wind weiter zugenommen hatte und Owner-driver Kay nach 6,5 Stunden am Rad vor Müdigkeit fast umfiel, kam der Kite erst einmal runter. Was rückblickend der zweite größere Fehler war, den wir gemacht haben.

Wir hatten den kleinen kugelsicheren S4 in Erwartung eines Leichtwindrennens an Land gelassen – die nächsten 2 Stunden, die wir unterwegs „liegengelassen“ haben! 3 Stunden später ging es unter S3 bei leicht abflauenden Winden weiter, mit einem tight reach bis zu den Scilly Islands. Danach theoretisch ein Dead down Run bis ins Ziel – keine gute Idee für alte Schwäne.

Vorm Wind kreuzen ist nicht nur was für Gennakerboote… allerdings hätten wir uns die letzte Halse sparen sollen. Mit einem Herzrissfinale und einem Windeinfallswinkel von 82° konnten wir Plymouth-Breakwater gerade so anliegen, dass zwischen Wellenbrechersteine und Schwan mal eben noch ein Fuß gepasst hat… und zwar eher so Größe 36!

Das freute die 4 Konkurrenten, die wir seit dem Rock mühsam eingesammelt hatten – jetzt gingen sie doch noch Minuten bis Sekunden vor uns durchs Ziel! Der Amwindgang unter Spi führte aber immerhin zu Beifall seitens der französischen Konkurrenz und dem Versprechen, uns einen auszugeben. Aber wie das halt so ist mit den gallischen Nachbarn: gemacht haben sie es dann doch nicht…

Am Ende reichte es zu Platz 12 in Gruppe IRC 2 und zum 31. über alles, bei 336 Startern. Der Gewinn der Whirlwind Trophy, für die berechnet beste Swan, war für uns ebenfalls ein großer Erfolg. Dass wir dann auch noch das bestes deutsches Boot mit der alten Dame geworden sind, ist umso erfreulicher. Klare Botschaft an alle Eigner älterer Boote: es geht! Traut Euch, es gibt immer wieder Bedingungen, unter denen man mithalten kann und es macht auch mit den Oldies wirklich einen Riesenspaß!

Ergebnisse Rolex Fastnet Race IRC gesamt                               .

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4 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race: Die Erlebnisse auf der besten deutschen Yacht “Best Buddies”“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Schöner Artikel, tolle Leistung, schöner Pokal! Mit sehr großem Abstand bestes Deutsches Schiff ist aller Ehre Wert! Glückwunsch!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 2

  2. avatar Klaus Müller sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser aussergewöhnlichen Leistung, und dem gewonnen Pokal.

    Zugleich gibt uns dies Hoffnung angesichts unserer geplanten Teilnahme 2015 mit einer dann 30 Jahre alten ehemaligen Admirals Cup Jacht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Hasso-Christian Höher sagt:

    Der Artikel wurde von der gesamten BEST BUDDIES Crew verfasst.. und unter dem einen Foto steht Susan als Skipperin jedoch war Kay Wrede Skipper… Es war einfach nur der Hammer…

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  4. avatar Heinrich sagt:

    Super Artikel. Vielen Dank

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