Rolex World Sailor of the Year: James Spithill und die 49er Frauen Grael/Kunze

Wie gut ist Spithill?

Die Brasilianerinnen Martine Grael und Kahena Kunze sowie der Australier James Spithill vom Oracle Team USA sind in Palma zu den Weltseglern des Jahres 2014 gekürt worden. Eine gute Wahl?

ISAF Rolex World Sailor of the Year Award

Die Nominierten für den ISAF Rolex World Sailor of the Year Award. © Rolex / Kurt Arrigo

Bei den Frauen war die Wahl zugunsten der 49er FX Crew relativ klar, da mit der britischen Kitesurf Doppelweltmeisterin Steph Bridge und der französischen Surf-Kollegin Charline Picon (Welt- und Europameister) eher schwächere Konkurrentinnen antraten.

Grael, die Tochter von Vater Torben, der 2009 mit der Kugel geehrt wurde, siegte mit Kunze 2014 bei den beiden Weltcups in Palma und Hyères sowie der Weltmeisterschaft in Santander. Die beiden 23-Jährigen, waren aus dem 470er umgestiegen, wo sie zwei achte WM Plätze verbuchen konnten.

Spithill für Führungsrolle geehrt

Weniger klar war dagegen die Wahl von James Spithill. Er wurde schließlich für die Führungsrolle beim historischen Comeback in San Francisco geehrt, mit dem sein Oracle Team USA den America’s Cups verteidigte.

James Spithill

James Spithill, Steuermann vom Oracle Team USA, ist der Segler des Jahres. © Guilain Grenier / ORACLE TEAM USA

Es ist schwer abzuschätzen, wie groß Spithills Anteil am Oracle Sieg ist. Seglerisch hatte er als Steuermann beim Cup in der Startphase einige Schwächen offenbart und immerhin acht Rennen verloren. Die große Wende kam erst nach Entscheidungen in der technischen Abteilung sowie dem Rauswurf von Taktiker John Kostecki, der Integration von Taktiker Ben Ainslie und der daraufhin ansteigenden Form von Stratege Tom Slingsby.

Spithill als Einzelperson hat in seiner Karriere bisher noch nicht so sehr glänzen können, wie viele seiner Kollegen. Vor elf Jahren war er einmal Match Race Weltmeister. Die Auftritte in Moth und A-Cat waren längst nicht überragend und im Formula 18 Kat landete bei der WM 2010 einmal auf Rang 18.

20-Jähriger America’s Cup Skipper

Dem Australier fehlt eine solide olympische Ausbildung im Vergleich der Konkurrenz. Er startete seine ungewöhnliche Karriere im Match Race und wurde dann 2000 als 20-Jähriger jüngster America’s Cup Skipper des Jugend-Projekts Young Australia.

Beim America’s Cup 2007 hatte er als Steuermann durchaus sehr beachtenswerte Auftritte für Luna Rossa. Besonders als er den völlig überforderten Chris Dickson von Oracle mit 5:1 im Louis Vuitton Halbfinale schlug. Aber gegen die Neuseeländer blieb er im Finale chancenlos mit 0:5.

Dennoch verpflichtete ihn Larry Ellison und seitdem ist Spithill das Gesicht von Oracle. Der erste Cupsieg 2010 mit dem überlegenen Tragflächen Tri über Alinghi ist sportlich sicher nicht besonders hoch einzuschätzen. Da musste der Aussie nur zusehen, dass er sich gut festhält.

Künste am Steuerrad

Die AC72 Flugkatamarane dagegen erforderten durchaus große Künste am Steuerrad. Aber war Spithill auf diesem Gebiet sichtbar besser? Schließlich verlor sein Team acht Rennen gegen die vermeintlichen Underdogs.

Die persönliche Führungsqualitäten sind dem Australier allerdings nicht abzusprechen. In San Francisco klang es zwar erst lächerlich, penetrant und nervig, als er auch mit dem Rücken zur Wand noch hartnäckig behauptete, er könne den Cup noch gewinnen. Und es ist nicht klar, ob er tatsächlich daran glaubte. Aber was zählt ist, dass er schließlich doch Recht behielt.

Der America’s Cup war ein herausragendes Ereignis. Und die ISAF mochte mit der Wahl zeigen wollen, dass sie das größte Segelsport-Ereignis der Welt entsprechend würdigt, um auch ein Teil des Spiels auf der großen Bühne zu bleiben.

Überragender Giles Scott

Aber die persönlichen seglerischen Leistungen eines Giles Scott sind sicher höher einzuschätzen. Der Brite hat zehn seiner letzten elf Finn Dingy Regatten gewonnen und wurde 2014 Welt und Europameister mit teilweise erschreckender Überlegenheit.

ISAF Rolex World Sailor of the Year Award

Weltsegler des Jahres 2014: Martine Grael, James Spithill und Kahena Kunze © Rolex / Kurt Arrigo

Genauso wäre die Dominanz der 49er Crew Peter Burling und Blair Tuke einer Würdigung als Weltsegler wert gewesen. Seit ihrer Silbermedaille 2012 gewannen sie alle sieben 49er Regatten, an denen sie teilgenommen haben. Darunter waren je zwei WM- und EM-Titel. So nebenbei holten die beiden noch den Youth America’s Cup und Burling gewann Bronze bei der A-Cat WM.

Aber so ist es eben mit Wahlen. Wenn klare Kriterien fehlen, ist es schwer, Leistung genau zu bewerten. Traditionell bewerten die Juroren in einem Olympiajahr die Ergebnisse der Athleten dieses Spielfeldes höher, und so ist es dann eben auch beim America’s Cup. Aber eine schlüssige Antwort auf die Frage nach dem besten Segler der Welt bleibt auch dieses ISAF Wahl Gremium schuldig.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Rolex World Sailor of the Year: James Spithill und die 49er Frauen Grael/Kunze“

  1. avatar Chris sagt:

    Ich muss auch sagen, ich war sehr überrascht über diese Wahl. Eine Würdigung des nicht zu unterschätzenden Comebacks der Oracle Jungs (Amerikaner kann man ja nicht sagen) wäre sicher letztes Jahr an der Reihe gewesen. Aber da wogen die beeindruckenden Erfolge von Matthew von zu schwer. Ich denke ebenfalls, dass es sportlich höher einzuschätzen ist, in einer so harten Klasse wie dem Finn eine Performance hinzulegen, die an die Sternzeiten von Ainslie und Elvström errinnern lässt: Wenn man in Santander einen 4. streicht und mit 14 Punkten Abstand gewinnt.
    http://www.sailing.org/events/isafworlds/results-santander2014.php?rgtaid=13866&evntid=31439&view=fleetevent#results__13866
    Außerdem nochmal den Verweis auf den Zeitraum: Was hat Spithill in 2014 überhaupt gesegelt? Richtig: Hat niemand was von gehört.

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  2. avatar ;) sagt:

    Ist doch ok. Mit der neuen Uhr sollten die Startprobleme dann auch besser werden.

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  3. avatar Trung Huynh sagt:

    “Spithill als Einzelperson hat in seiner Karriere bisher noch nicht so sehr glänzen können, wie viele seiner Kollegen.”

    Diese Aussage finde ich bei diesem Mann nicht gerecht.

    1. Seine Dominanz in der Match Race Szene ist schon hoch anzurechnen, nebenher holte er auch den Melges24 Weltmeistertitel.
    2. Ist er seit 14 Jahren an jedem AC maßgeblich involviert, da bleibt ihm nun mal nicht so viel Zeit wie bei den meisten seiner Kollegen noch viele anderen Sachen zu segeln.
    3. Er hat etwas erreicht wovon einige gute Segler (Ben Ainslie, Jochen Schümann, Jesper Bank, Ken Read, Dean Barker…) träumen (oder bereits aufgegeben haben zu träumen), nämlich den AC als Skipper zu gewinnen.

    Fazit:
    Award völlig nachvollziehbar. 2016 ist dann wieder ein Olympiasegler dran…

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  4. avatar Jonas sagt:

    Wir können ja schauen wie Herr Spithill sich gegen MOMO mit Markus Wieser beim Melges 32 Gold Cup im Miami schlägt. Vllt. haben wir ja am Sonntag schon einen deutschen Weltseglerbesieger =)

    http://www.melges32.com/raceready/2014/im32ca_goldcup_cleared.htm

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