Round Britain Race: Auch Werner Landwehr (71) und Heiner Eilers im Ziel

Mit 75 will er nochmal rum

Mit 71 Jahren rund Großbritannien und Irland: der Bremer Werner Landwehr.  ©Patrick Eden/RORC

Mit 71 Jahren rund Großbritannien und Irland: der Bremer Werner Landwehr. ©Patrick Eden/RORC

Deutsche Zwei-Mann-Crew der Figaro II „Dessert D’Alcyone“ nach 13 Tagen und drei Stunden rund Großbritannien und Irland als Letzte im Ziel. 120 Seemeilen „mehr“ gesegelt.

Er ist das Ebenbild eines Seebären: Graumelierter Bart, buschige Augenbrauen und ein Händedruck wie Klaus Störtebeker. Werner Landwehr, 71 Jahre jung, Reprograf aus Bremen, ist ein Hochseerecke wie er im Buche steht. Jetzt hat der Skipper sein härtestes Rennen bisher überhaupt absolviert: mit der Figaro II „Dessert D’Alcyone“ zu zweit beim Sevenstar Round Britain and Ireland Race 2014. Nach exakt 13 Tagen, drei Stunden, 40 Minuten und 57 Sekunden kam er mit Co-Pilot Heiner Eilers (24) als 18. und letztes Schiff zurück nach Cowes in Ziel. Neun hatten die Regatta aufgegeben.

Der Youngster Eilers auf dem Vorschiff, der Skipper am Rohr - die Rollenaufteilung auf der 'Dessert D'Alcyone' hat bestens funktioniert.  ©Patrick Eden/RORC

Der Youngster Eilers auf dem Vorschiff, der Skipper am Rohr – die Rollenaufteilung auf der ‘Dessert D’Alcyone’ hat bestens funktioniert. ©Patrick Eden/RORC

„Wir sind sehr müde, aber auch sehr stolz, dass wir es geschafft haben“, meinte Landwehr zurück an Land, „und freuen uns nun vor allem auf ein kaltes Bier.“ 1.773 Seemeilen gerade Strecke lagen hinter den beiden, aber genau genommen haben sie noch deutlich mehr zurückgelegt, als alle anderen. „Das Aufladesystem funktionierte nicht mehr. Deshalb hatten wir uns eigentlich entschieden, aufzugeben und zurück nach Schottland abzulaufen“, berichtete der Mann vom Bremer Yacht-Club im Gespräch mit SR, „Du kannst immer ohne Elektrik segeln, aber nicht bei so einem Rennen.“

Sie suchten einen anständigen Reparaturhafen, der „nicht gerade nebenan“ lag. Und Edinburgh kennt Werner Landwehr aus ungezählten Rennen von Helgoland aus, wo er seit einem halben Jahrhundert Teilnehmer der Nordseewoche ist. „Nach rund 60 Seemeilen gaben wir der Batterie nochmal eine Chance – und siehe da, sie funktionierte wieder!“ Kurzerhand wurde das Rennen wieder aufgenommen und die 60 Seemeilen erneut absolviert.

Standing Ovations vom RORC-Empfangskomitee für die beiden Deutschen am Steg in Cowes.  ©Patrick Eden/RORC

Standing Ovations vom RORC-Empfangskomitee für die beiden Deutschen am Steg in Cowes. ©Patrick Eden/RORC

„Dabei haben wir jedoch rund einen Tag verloren und keine Chance mehr, das wieder aufzuholen“, so Landwehr und Eilers, obwohl sie von weiteren Schäden verschont blieben. Im Gegensatz zur Konkurrenz zerrissen die Norddeutschen unterwegs kein einziges Segel. „Mit solchen Heldentaten von Materialbruch kann und mag ich auch nicht dienen“, sagt der Eigner. Zu Anfang hatten sie in der Zwei-Mann-Wertung sehr gut im Rennen gelegen, und kamen am Ende rund 25 Stunden nach den irischen Klassensiegern Liam Coyne und Brian Flahive auf der First 36.7 „Lula Belle“ ins Ziel.

Von der Pogo auf die Figaro II: der 24jährige Heiner Eilers.  ©Patrick Eden/RORC

Von der Pogo auf die Figaro II: der 24jährige Heiner Eilers. ©Patrick Eden/RORC

Auf Helgoland hatte Landwehr erst im Sommer auch fast zufällig seinen Mitsegler angeheuert, den er von Rund Skagen kannte. Heiner Eilers, sonst auf einer Pogo unterwegs, half ihm beim Anlegen unterm Roten Felsen. „Wir kamen ins Schnacken, ich hatte niemanden für das große Rennen…“, – und abgemacht war der Regattastart. „Ich hab Heiner gleich gesagt, ich bin 71 und hab auf dem Vorschiff nichts mehr zu suchen. Das ist dein Part“, erzählt der Ältere von einer ungewöhnlichen Crewbesprechung.

„Und die letzten beiden Tage werden die härtesten“, ergänzte Landwehr, der von gähnender Flaute auf den letzten acht Seemeilen berichtete. „Am Anfang macht das immer noch Spaß.“ Für Eilers, den angehenden Kapitän, der sein Enkel sein könnte, war das alles kein Problem. Sie verstanden sich prima, auch bei Windstärke neun in Böen mehr am nördlichen Wendepunkt von Muckle Flugga, wo es „sehr kalt war mit riesigen Wellen“.

Vollgas zu zweit mit der Figaro II 'Dessert D'Alcyone'.   ©Paul Wyeth/RORC

Vollgas zu zweit mit der Figaro II ‘Dessert D’Alcyone’. ©Paul Wyeth/RORC

2018 will er mit 75 Jahren nochmal rum: Hochseesegler Werner Landwehr.  ©Patrick Eden/RORC

2018 will er mit 75 Jahren nochmal rum: Hochseesegler Werner Landwehr. ©Patrick Eden/RORC

17,8 Knoten Spitzengeschwindigkeit erreichte die „Dessert D’Alcyone“, „das war unglaublich“, durch „Sauwetter“ musste die Crew durch, aber rundum zufrieden hat das Duo bereits feste Zukunftspläne. Die Figaro II sei ihm zwar auf Dauer doch zu sportlich – er bringt sie jetzt noch solo an die Weser –, etwas Bequemeres solle her. „Aber wir wollen in vier Jahren auf jeden Fall wiederkommen“, verrät Werner Landwehr und hält einen Moment inne. „Dann bin ich zwar 75 – na und!?“

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4 Kommentare zu „Round Britain Race: Auch Werner Landwehr (71) und Heiner Eilers im Ziel“

  1. avatar Thomas sagt:

    Respekt und herzlichen Glückwunsch!

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  2. avatar dubblebubble sagt:

    Super Sache. Wenn’s bei einem selbst auch so läuft, braucht man vor dem alt werden keine Angst zu haben :)))

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  3. avatar Christian sagt:

    Gr0ßartige Leistung Werner!
    Ich hoffe wir bekommen wieder einen Vortrag wie nach dem Fastnet..

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  4. avatar jorgo sagt:

    Reschpäääääkt

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