Sailing Champions League: Italienische Top-Profis dominieren – NRV und VSaW punktgleich

Starke deutsche Vorstellung

Das Gastgeber-Team um America’s Cup Steuermann Flavio Favini (55) hat in Porto Cervo bei der Sailing Champions League souverän den Titel geholt. Die deutschen Vereine hielten bestens mit.

Das wollten die stolzen Italiener vom gastgebenden Yacht Club Costa Smeralda dann doch nicht auf sich sitzen lassen. Im vergangenen Jahr segelte beim Champions League Finale ein mit Amateuren angetretenes Heimteam abgeschlagen auf Rang 26 von 32 Teams. Nun heuerten die YCSS-Granden, die zum dritten Mal jeweils per Ausrichter-Wildcard am Start sind, doch lieber ein Profi-Team. Flavio Favini, Federico Michetti, Branko Brcin und Luca Faravelli gehören zum Besten, was die italienische Sportboot-Szene zu bieten hat.

Favini steuerte 2007 den America’s Cupper Mascalzone Latino wurde mehrfach Weltmeister in Melges 24 und 32 und gehört mit 55 Jahren zu den Großen des italienischen Segelsports. Er holte sich den J/70-Spezialisten Brcin ins Boot, Dauer-Vorschoter von J/70-Weltmeister Carlo Alberini, der noch vor einer Woche nach dem Kiel-Skandal von der WM ausgeschlossen worden war.

Das erfahrene Sieger-Quartett aus Italien. © Lars Wehrmann/SCL

Das Quartett lieferte ab, wie bestellt. Favini, der schon vor zwei Jahren für den YCCS bei der Champions League zum Einsatz kam und auf Anhieb Zweiter wurde, startete prompt mit vier Siegen in die Serie und siegte nach 12 Rennen mit vier Punkten Vorsprung. Nur einmal wurde es eng, als die Italiener nach einem Frühstart umdrehten, und den Rückstand nicht mehr aufholen konnten. Aber zwei Siege im Anschluss rückten das Bild wieder zurecht.

Auf ähnlich hohem Niveau segelten zwei russische Vereine. Vladimir Lipavsky (38), Inhaber der Anwaltskanzlei Ost Legal, gründete vor drei Jahren höchstpersönlich den gleichnamigen Segel-Verein in Wladiwostok und segelt seitdem unter dieser Flagge mit seinem Team Match Races. 2015 gewann er den Nations Cup und die Europameisterschaft, aber er feierte auch Siege in der Melges 20 wie in der nationalen Liga. In Porto Cervo gab er sich besonders bei zunehmendem Wind keine Blöße. Das Crewgewicht spielte eine große Rolle.

Allein Landsmann Evgeny Neugodnikov, einer der besten russischen Profi-Segler überhaupt und ebenfalls Match-Race-Spezialist, hätte ihm wohl gefährlich werden können. Aber eine Frühstart-Disqualifikation im sechsten Rennen warf seinen Lord of the Sail Club auf den vierten Platz zurück.

Dazwischen konnte sich überraschend das schweizer Team vom Alingi-Verein Societe Nautique de Geneve auf Rang drei behaupten. Laser-Segler Guillaume Girod leistete sich mit  Marc Stern, Nicolas Kauffmann und Mathieu Fischer keine großen Ausrutscher in den 12 Rennen und lag am Ende drei Punkte vor den Russen.

Der schweizer Laser Segler Guillaume Girod – WM Ranking 2016 57. – steuert das SNG Team aufs Podium. © Lars Wehrmann/SCL

Knapp dahinter platzierte sich mit dem mehrfachen Melges-Weltmeister und jetzigem Nacra17 SteuermannLorenzo Bressani ein weitere italinischer Profi-Favorit. Mit einem Sieg im letzten Rennen konnten die Italiener im direkten Vergleich punktgleich die beiden deutschen Teams vom NRV und VSaW in Schach halten.

NRV-Team

Das NRV-Team gibt besonders bei starkwind richtig Gas. © Lars Wehrmann/SCL

Tobias Schadewaldt mit Florian Spalteholz, Niklas v. Meyerinck, Florian Weser waren mit zwei letzten Plätzen nach Penalties in die Serie gestartet und mussten eine Aufholjagd starten. Und das gelang ihnen nervenstark und am Ende nahezu im Gleichschritt mit den Berlinern vom Verein Seglerhaus am Wannsee.

Julian Bergemann in der Vorschiff-Position beim VSaW. In der SCL darf nicht so extrem wie inder deutschne Liga ausgeritten werden.© Lars Wehrmann/SCL

Für 470er-Spezialist Jan Jasper Wagner mit Elias Rothe, Yannek Wloch und Julian Bergemann war sogar noch mehr drin, als Rang sieben. Im entscheidenden letzen Rennen rundeten sie die erste Luvtonne auf Rang zwei und wären damit Gesamt-Vierte geworden, aber ein Problem mit dem Spi ließ sie im Rennen noch auf Platz 4 zurückfallen.

Die Lindauer begannen sehr stark. © Lars Wehrmann/SCL

Ganz stark präsentierte sich zuerst auch der Lindauer Segler-Club mit Veit Hemmeter, Fabian Gielen, Martin Holstenkamp und Yannick Netzband. Sie lagen nach den ersten sechs Rennen auf Platz drei. Aber dann macht im verflixten siebten Rennen ein Vorwind-Penalty aus einem Top-Drei-Platz einen letzten. Und danach folgte auch noch ein Frühstart-DQ. Die magische Serie war gerissen und am Ende reichte es nur noch zu Platz 12.

Brutaler verlief die Rennserie für die Titelverteidiger vom Deutschen Touring Yacht-Club. Maximilian Weiss, Luis Tarabochia Dominik Müller und Marco Tarabochia zeigten nach mäßigem Auftakt mit der Serie 1/1/3 das Potenzial, aber die Serie 7/7/8/8/6 zum Schluss bei zunehmendem Wind ließ schließlich nur den enttäuschenden 23 Rang zu. Dabei passierten ihnen solche Missgeschicke (Video) , wie diese Luvtonnenrundung nach einem sehr guten Start.

 

Ergebnisse Sailing Champions League 2017

Übertragung vom Samstag:

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://nouveda.com

Ein Kommentar „Sailing Champions League: Italienische Top-Profis dominieren – NRV und VSaW punktgleich“

  1. avatar Harrie Jasses sagt:

    Täuscht der Eindruck oder haben hier Vereinsteams gegen die italienische Nationalmannschaft gesegelt?

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *