Saisoneröffnung am Bodensee: Ungeduldige Premiere mit dem neuen A-Cat

Das unerträgliche Kribbeln

Allein auf weiter Flur in einem Hafen ohne Boote am Bodensee. © Christian Stock

Ohlala! Ganz schön viel Wind. In Böen sicher 20 Knoten. Viel zu viel für einen der ersten Fahrversuche mit dem A-Cat. Da hab ich mich wohl ver- und überschätzt. Die Sturmvorwarnung beginnt am Bodensee zu blinken. Schnell zurück in den Hafen. Bloß nicht das fragile Carbongeschoss zerlegen.

Leichter gedacht als getan. Sobald ich die Großschot auch nur ein paar Zentimeter dicht nehme und anluve, steigt der Luvrumpf energisch, und zwar schneller, als ich ins Trapez komme. Wenn ich zu weit abfalle, drohen die Bugspitzen auf  Tauchstation zu gehen. Die Welle wird immer höher.

Kohlefaser-Splitter an Eisenpfählen

Irgendwie schaffe ich es nach ein paar Halsen, mich vor der Hafeneinfahrt zu platzieren. Der Wasserstand ist in dieser Jahreszeit extrem niedrig. Schwerter ziehen, Ruder hochklappen. Der A-Cat ist jetzt kaum noch zu manövrieren. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon die Kohlefaser-Splitter an Steinwällen und Eisenpfählen.

Uff, es ist vollbracht. Endlich Grund unter den Füßen. Schnell das Groß bergen und dann auf den Slipwagen. Aber auch das ist schwerer als gedacht, vor allem wenn man allein ist. Das Segel ist oben mit einem Ring an einem Haken befestigt, ein Fall gibt es nicht.

Ich brauche sicher zehn Minuten, um das Segel durch rauf und runter-Schieben und Verdrehen des Mastprofils vom Haken zu befreien. Derweil zerrt der Wind am 9 Meter hohen Rigg. Ich habe größte Mühe, das Boot zu halten.

Das heimatliche Segelrevier im Hochschwarzwald ist teils noch zugefroren... nichts wie an den Bodensee. © Christian Stock

Selbst als das Segel endlich unten ist, gelingt es mir nur mit einem Kraftakt, das Boot quer zu Windrichtung auf dem Slipwagen zu positionieren und es dann die steile Rampe hochzuziehen.

Was für ein Verrückter!

Die in dicke Winterjacken gehüllten Spaziergänger sehen interessiert zu. Sie denken sich ihren Teil: „Was für ein Verrückter?“ Selbst der Hafenmeister hatte mich angesehen, als sei ich nicht ganz dicht. Um diese Jahreszeit geht man noch nicht segeln.

Aber ich konnte einfach nicht mehr anders. Schon seit Wochen bin ich so heiß auf Segeln, dass mich 8 Grad Wassertemperatur nicht schrecken, ebenso wenig die Aussicht, in der Vor-Vorsaison Mitte März mutterseelenallein auf dem Bodensee unterwegs zu sein. Die Winterpause war lang genug. Ich habe genug davon, nur zu surfen. Segelwebseiten im Netz sind ja eine ganz nette Ersatzbefriedigung. Aber jetzt will ich endlich wieder the real thing! 

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Christian Stock

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10 Kommentare zu „Saisoneröffnung am Bodensee: Ungeduldige Premiere mit dem neuen A-Cat“

  1. avatar uli_s sagt:

    Der A-Cat-Novize sollte noch am Gewichtstrimm arbeiten 😉

    Ansonsten Gratulation zum erfolgreichen Ansegeln mit dem heissen Feger.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar Daniel sagt:

    Hallo Christian,

    die Optis, 420er und Laser hast Du aber schon gesehen, oder? Die trainieren seit Anfang März auf dem See…

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    • avatar Harald sagt:

      Hi, hast Du die Foilermotte die über den ganzen Überlingersee gefetzt ist auch nicht gesehen? Bin immer für einer Vergleichsschlag bereit (bei Wind). War wirklich ein schöner Tag!
      Grüsse, Harald

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      • avatar Christian sagt:

        ja, war ein schöner Tag. Aber meinen wir den selben? 18. März? Falls ja, entschuldige meine Blindheit, war eher mit mir und meinem Boot beschäftigt…

        Vergleichsschlag gerne! Wetten, dass bei Non-Foiling-Conditions du im Nachteil bist – und umgekehrt? 😉

        Übrigens war die Entscheidung sehr knapp zwischen A-Cat und Foilermotte. Wer weiß was noch kommt.

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  3. avatar Ketzer sagt:

    Gibt’s eigentlich noch einen Abschlussbericht von den Trials in Santander von Maximilian? Wäre cool.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

  4. avatar Christian sagt:

    das sind die ganz Harten…. da kann und will ich nicht mithalten 😉

    Wenigstens haben die ein Trainer-MoBo dabei. Alles andere wäre auch echt gefährlich.

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    • avatar uli_s sagt:

      Was hast Du denn oben am Segel für eine Lösung, wenn Du so Probleme beim aushaken hast?

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      • avatar Christian sagt:

        Es ist ein Fiberfoam-Mast mit entsprechendem Haken. Dank kompetenter Beratung meiner Clubkollegen weiß ich nun, woran es lag. Der Ring am Segel war eine Art Oval, das sich oben verengte. Der Haken konnte kaum rein, und wenn er mal drin war, kaum noch raus… Es muss ein wirklich kreisrunder Ring sein.

        Tja, das sind so die Erfahrungen, die man als Neueinsteiger machen muss.

        Und ja, der Gewichtstrimm ist auf dem Flyer 1 heikel, gerade auch in Längsrichtung. Das schmale Heck neigt zum Absaufen…

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        • avatar uli_s sagt:

          Okay. Du mußt aber auch mindestens einen Gummi zw. Ring und Segel geklemmt haben, der dafür sorgt, daß der durch das Hochschieben des Segels entlastete Ringschäkel schön senkrecht steht. Dann kann der Masthaken darunter weggedreht werden.

          Hier bekommt man eine Idee wie das mit dem Gummi ausschaut: http://www.fiberfoam.net/mast-parts/

          Das schwarze Gummi ist, wenn der Ring am Segel montiert ist, deutlich v-förmig eingedrückt. Das sorgt dafür, daß er beim Segel setzen wieder in seine vertikale Ausgangslage zurückkehrt, nachdem er über den Masthaken gerutscht ist und dann einhaken kann.

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          • avatar Christian sagt:

            danke! Ja, auch das wurde mir erklärt. Was so ein Gummi alles gutes bewirken kann 😉

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