SAR Sofia Mapfre World Cup: Neue Formate, neue Klassen, alte Gesichter

Spannende Standort-Bestimmung

Am 1. April startet der erste europäische Weltcup der olympischen Klassen in Palma. 850 Segler aus 53 Nationen sorgen für einen neuen Teilnehmer Rekord. Zwei neue Olympiaklassen stehen im Blickpunkt.

Schneebedeckte Berge auf Mallorca

49er FX beim Mallorca Training vor schneebedeckten Bergen. © Jesus Renedo sailinstock.com

Im Nacra 17 Mixed Katamaran und im Frauen 49er FX startet erstmals eine große internationale Flotte. Mit Spannung wird erwartet, wie die neue Hackordnung in den neuen Klassen aussieht.

Bei den Nacra 17 starten 37 Katamarane, darunter fünf deutsche Boote. Besonders interessant ist der Auftritt von Roland Gäbler mit seiner Frau Nahid. Sind sie zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison konkurrenzfähig? Können sie von der Erfahrung leben? Haben sie das Crewgewicht schon ausreichend reduzieren können?

Außerdem stehen Silke Halbrock mit ihrem neuen Vorschoter Christoph Bottoni im Blickpunkt. Ist der Umstieg vom Match Race zum Katamaran-Segeln so schnell möglich? Drei weitere ex Duell-Kolleginnen Lucy MacGregor (GBR), Mandy Mulder (NED) und Renee Groeneveld (NED) versuchen das gleiche Kunststück.

49er Olympiasieger Martinez im Nacra

Spannend ist auch der Katamaran-Erstversuch von 49er Olympiasieger und Silber-Gewinner Iker Martinez (ESP), der nach einem starken Barcelona World Race (Platz zwei) 2011 zum ISAF World Sailor gewählt worden war. Beim Volvo Ocean Race schien er als “Telefonica”-Skipper seinen Weg zum absoluten Segel-Olymp fortzusetzten.

Princess Sofia Trophy

Auch auf Palma ist es vor der Princess Sofia Trophy kalt. © Jesus Renedo sailinstock.com

Die Spanier sahen lange wie die sicheren Sieger aus. Aber dann legten sie ein erschreckendes  Finish hin und wurde nur noch Vierter. Auch der kurzfristige 49er Auftritt bei Olympia fiel mit Platz zwölf schlechter aus als erhofft. Und die Pechsträhne fand ihre Fortsetzung, als Martinez auch beim italienischen America’s Cup Team Luna Rossa wenig erfolgreich war und seinen Hut nehmen musste. Wie ernst der Versuch im Nacra 17 zu werten ist, wird sich wohl erst nach dem Palma World Cup erschließen.

Starke deutsche Frauen Skiffs

Bei den Frauen Skiffs sind 35 Boote am Start, darunter sechs deutsche Teams. Hier segelten bei der Trainingsregatta am Wochenende erneut Tina Lutz und die von einem Bandscheibenvorfall genesene Susann Beucke stark. Aber auch die Görge Zwillinge belegten konstante Plätze in den Top vier. Außerdem sollten Jurczok/Lorenz und Meyer/Stoffers in der Lage sein, Spitzenpositionen zu erreichen.

Schon jetzt ist klar, dass bei Starkwind der FX zu einer echten Aufgabe für die Frauen wird. Bei den Palma Trainings sollen schon zahlreiche Masten nach Kenterungen gebrochen sein.

International spannend ist der Auftritt von Match Race Olympiasiegerin Tamara Echegoyen. Aber auch die italienische Olympia Fünfte im 470er Giulia Conti ist ein Name, der im Kaufe der Saison im Spitzenfeld erwartet wird.

Neues Test-Format für Olympia

Besonders interessant ist ein neues Format, das die ISAF vor Palma im Hinblick auf Olympia 2016 testen möchte. So segeln die Top Ten in allen Bootsklassen je zwei doppelt gewertete Medal-Races am Finaltag. Bei den Herren- und Damen-Skiffs starten sogar nur acht Boote bei insgesamt vier sogenannten “Stadium Races” mit einer Wettfahrtdauer von knapp 10 Minuten.

Das Ergebnis des  letzten Tages entscheidet zusammen mit den Punkten der Final Serie über Sieg und Niederlage. Die Punkte der Qualifikation Serie werden geringer gewichtet. Nur die Endplatzierung geht als ein Lauf in die Gesamtserie ein. Neu ist auch die Wertung eines Wettfahrtsieges mit Null Punkten statt bisher einem Punkt.

Um die Unwucht aus der Weltrangliste zu bekommen, fließen ab sofort nur noch die sechs besten Regatten in die Wertung ein. Dabei haben die Weltcup-Rennen die gleiche Gewichtung, wie die Weltmeisterschaft. Ob man dadurch allerdings die Europäer zwingen kann, die Weltcup-Rennen in Übersee zu bestreiten, ist fraglich.

Die ersten beiden Weltcups in Melbourne und Miami waren unterdurchschnittlich besetzt. Teilweise starten in einzelnen Disziplinen nur vier Boote. Die Weltrangliste und die Weltcupwertung wird weiterhin schief bleiben, wenn die Platzierungen nicht irgendeinen Sinn für weitere Qualifikationen haben oder einen Anreiz durch mögliche Preisgelder bieten.

So zählt aber der erste Weltcup zumindest für sich alleine und ist eine spannende Standort-Bestimmung.

SAR Sofia Mapfre World Cup Eventseite

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „SAR Sofia Mapfre World Cup: Neue Formate, neue Klassen, alte Gesichter“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    Neues Format mit 2 Medal-Races bzw. Stadium-Races……

    So langsam nähert sich die ISAF dem Niveau einer Clubregatta:
    Zwischendurch Anlegen, 1 Bier auf Ex, einmal um den Flaggenmast laufen und wieder raus.

    Ich denke, dass in keiner anderen olympischen Sportart derartig an den Regeln, Modi, teilnehmenden “Sportgeräten” geschraubt wurde. Und, wenn man ehrlich ist, hat eigentlich nur das so genannte Media-Coverage dazu beigetragen, dass es Spass macht Segeln im TV zu schauen (Realtime GPS-Plots, Tactical View, Rennanalyse durch sachkundige Kommentatoren) und für Segel-Laien begreifbar und spannend zu machen!

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  2. avatar Oh, nass is sagt:

    Man kann jetzt sogar eine Serie dominieren und trotzdem nicht gewinnen. Muß einem nur ein Maleur im Endlauf passieren, an dem man nicht mal selber schuld sein muß!

    Ja, ja, Olympia machts möglich! 🙂

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  3. avatar armchairadmiral sagt:

    MUSS Segeln eigentlich olympisch bleiben?

    Die “Medienfreundlichkeit” hat schon den America´s Cup getötet, hier geht es so weiter.

    Jemand der nichts mit Segeln anfangen kann, wird sich bei Olympia nie eine Segel-Übertragung auswählen.
    Ich schaue ja auch kein Darts- oder Snnoker-Tournier freiwillig.

    Schade um die talentierten Segler, die auf dem Altar des Verkaufens verbrannt werden!

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    • avatar armchairadmiral sagt:

      Snooker…

      Ja, ich weiß, nicht olympisch.

      Alternativ: Ringen, Synchronschwimmen und und und

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    • avatar x sagt:

      Segeln MUSS olympisch bleiben und segeln MUSS zuschauerfreundlicher werden.
      Nur dann hat der Segelsport (Sport im engeren Sinne) eine Chance wahrgenommen zu werden. Nur dann werden junge Talente auch angemessen gefördert werden können.

      Und man sollte unterscheiden zwischen Segelsport, Segelkita und Campingsegeln!

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 14

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