SAR Sofia Mapfre World Cup: Überlegener Sieg von Heil/Plößel – Silber und Bronze für Surfer

"Unglaubliche Überlegenheit"


Erik Heil und Thomas Plößel haben im 49er Gold gewonnen. Die RSX-Surfer Toni Wilhelm und Moana Delle holen Silber und Bronze.

Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einer starken Vorstellung in das nacholympische Jahr gestartet. Drei Podiumsplätze und ein vierter Rang sowie drei knapp verpasste Medalraces sorgten für eine hervorragende Bilanz der schwarzrotgoldenen Segel-Flotte.

Thomas Plößel dar endlich auch jubeln.

Thomas Plößel darf endlich auch jubeln. Den Youth AC verpasste er, weil einen Tick zu alt ist. © Marina Könitzer

Dabei ragte besonders der unerwartete 49er-Sieg von Erik Heil und Thomas Plößel vom NRV heraus. Mit einem unglaublichen Vorsprung von 26 Punkten siegten sie bei dem ersten europäischen Weltcup der Saison in einem extrem starken Feld von 74 Booten. Nur die beiden Top Teams der Welt aus Australien und Neuseeland fehlten.

„Dass wir Gold gewinnen, war echt nicht zu erwarten”, sagt Steuermann Erik Heil, der auch beim deutschen Youth America’s Cup Katamaran an der Pinne sitzt. “Wir sind selbst überrascht, wie schnell wir am Ende unterwegs waren. In den letzten Rennen haben wir uns etwas gebremst, um nicht zu viel zu riskieren.” Kein Wunder, denn der Sieg stand schon vor den letzten beiden von vier Medalraces fest.

“Unglaubliche Überlegenheit”

Joachim Hellmich, Gesamtkoordinator der STG Academy, betont die “unglaubliche Überlegenheit im technischen Bereich und im Bootshandling” und hat einen “verdienten Sieg” gesehen. Bei starkem Wind auf der Medal Race Bahn direkt unter Land genügte dem deutschen Duo jeweils konservative Starts, um die Konkurrenz jeweils danach zu überholen. Sie schlossen die Serie standesgemäß mit einem Sieg ab.

Der stärkere Wind am Finaltag half auch Surfer Toni Wilhelm zum Sprung auf Rang zwei. Ein zweiter Platz und ein Sieg ließ ihn von Platz fünf fast noch ganz nach vorne schießen. Am Ende fehlten nur drei Punkte. Moana Delle genügten zwei solide Medal Races (5/6) um Bronze zu sichern.

Beide Surfer hatten die RSX-WM im Frühjahr wie ein Großteil der Weltspitze ausgelassen und nur kurz vor Palma auf dem Brett gestanden. Sie zeigten sich überrascht, dass es zum Top Platz reichte. In ihrer Klasse fehlten einige Spitzenathleten, die nach dem Hick Hack um das vermeintliche Olympia-Aus  das Material vorerst in die Ecke gestellt haben mögen. Aber Delle konnte immerhin die Olympiasiegerin um zwei Punke distanzieren und Wilhelm ließ den Olympia Fünften und Weltmeister Bontemps hinter sich.

Frauen Skiffs mit Potenzial für ganz vorne

Noch bemerkenswerter mag deshalb der vierte Rang von Tina Lutz und Susann Beucke im 49er FX sein. Durch die Rückenverletztung von Beucke konnten die 470er Umsteiger nicht optimal trainieren und zeigten dennoch auf Anhieb das Potenzial, ganz vorne mitzumischen. Die vier Punkte, die zu Rang drei fehlten, gingen beim dritten Finallauf verloren, den sie aufgeben mussten.

Dabei macht die Dichte im deutschen Frauen Kader unter der Leitung von Coach Max Groy Hoffnung auf weitere solide Plätze. Victoria Jurczok/Anika Lorenz verpassten Medal Race der neuerdings letzten acht nur um einen Rang und brillierten bei wenig Wind. Jule Görge segelte nach der Verletzung ihrer Schwester mit Ersatzfrau Leonie Meyer, die auf Elena Stoffers verzichten musste, immerhin auf Rang 13. Alle vier Teams bilden eine Trainingsgurppe der Extraklasse, die weitere Topleistungen versprechen.

Da ist Philipp Buhl im Laser zurzeit nahezu auf sich alleine gestellt. Er wird sich am meisten über das neue Format ärgern, bei dem er nach einer sensationellen ersten Regattahälfte einen unglücklichen Schlusstag erwischte und das Finale um einen Punkt verpasste. Der Bayer hat aber gezeigt, dass er besonders bei Starkwind nahezu unschlagbar ist. 49er Steuermann Tobias Schadewaldt landete bei seinem Laser Comeback auf Rang 34.

Im 470er bewegen sich Ferdinand Gerz und Patrick Follmann als zwölfte immer noch knapp hinter der absoluten Weltspitze, sie haben aber auch erst einmal nach der intensiven Olympia Vorbereitung eine Trainingspause eingelegt. Bei Starkwind zeigten Wagner/Baldewein absolutes Weltspitzen Niveau, ließen dann aber die Konstanz vermissen und fielen auf Rang 15 zurück.

470er Frauen mit Mastbruch

Völlig unter Wert wurden die 470er Frauen geschlagen. Die Junioren Europameister Annika Bochmann/Lisa Panuschka vepassten nach einem Mastbruch am ersten Tag zwei Rennen und damit die Goldgruppe. Nadine Bohm/Karoline Goltzer segelten auf Platz 17.

Während die besten deutschen Laser Radial Frauen und auch Finn Dinghy Herren nicht im Palma am Start waren stand die Premiere der Nacra 17 Katamarane im Fokus. Da haben die deutschen Teams aber noch längst nicht die intensive Arbeit abgeliefert wie die 49er FX Frauen. Die Plätze 23/26/31/33 von 34 Booten sind eine große Enttäuschung. Es bleibt abzuwarten, ob die Gäblers diese Bilanz in Zukunft verbessern können.

Die Holländer, Briten und Franzosen sind deutlich weiter und die deutschen Paarungen müssen befürchten, dass sie schon früh den Anschluss verlieren. Erstaunlich ist, dass sich unter den ersten fünf Teams vier der besten Match Racerinnen der Welt befinden.

In der Paralympics Klasse 2.4 zeigte Lasse Klötzig eine solide Leistung auf Rang vier von 25 Booten. Die beiden Top Athleten Megan Pascoe (GBR) und Bjernar Erikstad (NOR) gaben sich an der Spitze aber kaum eine Blöße.

Beim neuen Regattaformat, das der Weltseglerverband in Palma de Mallorca für die kommenden Olympischen Spiele 2016 testete, gehen die Meinungen auseinander. Moana Delle findet, „dass die stärkere Gewichtung der Medal-Races am letzten Tag die Gesamtleistung von einer Woche schmälern.“ Joachim Hellmich hingegen gefällt der Ansatz, dass „die Sportler am Ende abliefern und sich auf den Punkt fokussieren müssen.“

Ergebnisse SAR Sofia Mapfre World Cup

Eventseite SAR Sofia Mapfre World Cup

 

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „SAR Sofia Mapfre World Cup: Überlegener Sieg von Heil/Plößel – Silber und Bronze für Surfer“

  1. avatar Marc sagt:

    Na dann mal schauen ob wir 2016 immer noch eine “unglaubliche Überlegenheit” sehen…

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  2. avatar Kevin8862 sagt:

    Also erstmal eine tolle leistung.
    Der neue Modus kommt mir doch gar nicht so schlimm vor, vlt sollte man die streichungs möglichkeiten etwas verändern und die qualiphase doppelt werten denn wäre es an sich schon recht gut.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 5

    • avatar Set Sail For Fail sagt:

      Problematik hierbei ist aber auch, dass es möglichst für Außenstehende nachvollziehbar sein soll und nicht nur für absolute Segelfanatiker, wollen ja medial ein wenig präsenter werden. 😉

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      • avatar Kevin8862 sagt:

        Das ergebniss system nachvolziebarer zumachen wird sehr schwer, da ist ein system ohne irgendwas viel besser. Medial sind natürlich ie kurzrennen und land sehr gut.

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  3. avatar Wilfried sagt:

    ich finde es immer wieder grausam wie die Lasersegel bei mehr Wind stehen. Kann denen nicht mal jemand vernünftige Lappen schneiden. Das sieht ja aus wie in den 70ern.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Das ist ja auch aus den 70ern …
      Ein Trauerspiel, wenn man sich in der Zeit die Entwicklung der Surfsegel ansieht.

      VG

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    • avatar jon sagt:

      man sagt die neuen Segel gibt es bereits. Sie wurden bereit bei der Isaf eingereicht. Gesehen hat sie aber irgendwie noch keiner. Vielleicht kann sich ja der Segelreporter als alter Laserrecke mal dahinterklemmen?

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  4. avatar LaserRecke sagt:

    Alle 4 Jahre wieder… Es ist das nacholympische Jahr, liebe Segelreporter! Wenn man Metall bei den Spielen als Maßstab für Leistung anlegt dann ist die erste Regatta im “Jahr danach” ein ganz schlechter Indikator. Kaum einer von den Cracks ist bei 100%, noch dazu ist AC Jahr, da sind die Gedanken etlicher Leute ganz woanders…

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    • avatar Christian sagt:

      klar darf man im ersten nacholympischen Jahr selbst einen so wichtigen Wordcup wie Palma nicht überbewerten. Aber es waren diesmal in den allermeisten Klassen viele Cracks am Start. Hier zu gewinnen, war alles andere als einfach. Congrats!

      Es war vor allem aber schön zu sehen, dass einige Teams aus der deutschen Equipe mit sichtbar großem Spaß am Segeln dabei waren, mit dicken Smiles im Gesicht und gut gelaunten Statements. Anders als es z.B. vor anderthalb Jahren in Perth war 😉

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