Schnappschüsse von der SB20 WM in Hyères/FRA

Applaus gegen Schnittchen

Das Carroux SB20 Sailing Team: Maike und Svenja Christiansen, © Katie Jackson / SB20 Class

Das Carroux SB20 Sailing Team: Die Schwestern Maike (21) und Svenja (22) Christiansen, Lynn Hafemann (19) und Max Friedrich (27) © Katie Jackson / SB20 Class

SR Redakteurin Maike Christiansen segelt seit einem halben Jahr in der Bootsklasse SB20, einem modernem offenen Kielboot mit Gennaker. Vor zwei Wochen nahm sie mit ihrem Team an der Weltmeisterschaft in Hyères teil. Auf SegelReporter erzählt sie von Szenen, die ihr in Erinnerung bleiben werden.

Szene 1 an der Anmeldung:
Eine nette Dame, welche hervorragend Deutsch spricht, gibt uns ein paar Papiere zum Ausfüllen und sagt: „Wenn ihr fertig seid, gibt es ein Bonbon!“ So kann es weitergehen.

Nach der Anmelgung müssen Bug Nummer und WM-Sponsor Aufkleber angebracht werden © Svenja Christiansen

Nach der Anmelgung müssen Bug Nummer und WM-Sponsor Aufkleber angebracht werden © Svenja Christiansen

Szene 2 bei der offiziellen WM Eröffnung:
Wie häufig besteht sie aus ziemlich langatmigen Reden, die hauptsächlich auf Französisch abgehalten werden. Entsprechend lustlos fällt auch der Applaus aus. Viel interessanter sind da doch die Schnittchen, welche gerade von zwei Frauen hereingebracht werden. Viele begehrliche Blicke werden in ihre Ecke geschwenkt. Der Snacks wegen, nehme ich mal an. Mein Team und ich stellen fest, dass wir uns strategisch günstig positioniert haben. Die beiden Damen deuten unsere hungrigen Blicke ganz richtig und irgendwie entsteht ein Deal: Wir jubeln und applaudieren ganz laut, im Gegenzug dafür bekommen wir Schnittchen und etwas zu trinken. Eine gute Vereinbarung, finden wir.

Gruppenbild mit Herrn unter Gennaker bei abflauendem Wind © Lynn Hafemann

Gruppenbild mit Herrn unter Gennaker bei abflauendem Wind © Lynn Hafemann

Szene 3 auf dem Vorwindkurs bei viel Wind:
Wir surfen mit um die 16 Knoten Geschwindigkeit unter Gennaker die Wellen hinunter. Hundert Meter vor uns ist das Starnberger Team gerade voll in einer Böe. Plötzlich schmiert das Boot mit Karacho nach Lee ab. Zwei Leute gehen über Bord, die SB20 wird durch den Wind im Gennaker spektakulär auf die Seite gedrückt. Die verbliebenen zwei Menschen an Bord versuchen, den Gennaker reinzuholen. Ein Begleitboot fährt hin und sammelt die zwei über Bord gegangenen Menschen ein. Grund für den Sonnenschuss ohne Vorwarnung: Ein gebrochener Ruderbeschlag.

Szene 4 beim Snack-Abend im Audi-Center:
Wir investieren 14 Kilometer Anfahrt und erhalten reichlich Käse, leckere Brötchen, ausgezeichnete Fleisch-Häppchen und viel zu Trinken. Und eine Deutschlandflagge, falsch herum aufgehängt !!

Szene 5 beim Stau an der Luvtonne:
Durch einen Linksdreher kommen ca. 60 !! Boote von 90 auf Steuerbordbug mit Überhöhe an die Luvtonne. Es wird eng. Sehr eng. Zu eng für manche. Das italienische Damenteam verhakt sich mit ihrem Mast in einem anderen Rigg. Die Boote neigen sich zueinander. Geschrei und Gedränge überall. Welcher Mast gibt zuerst nach? Das italienische Team hat das Nachsehen. Auf einer denkbar ungünstigen Position zehn Meter von der Luvtonne entfernt liegen sie mit gebrochenem Mast und komplett manövrierunfähig. 90 Boote kommen um sie herum von allen Seiten angefahren.

Szene 6 beim After-Race-Essen:
In einer Bar mit Flachbildschirm. Klar, dass ab 22h America‘s Cup geguckt werden muss. Ein tolles Erlebnis: Eine Bar voll mit Leuten aus unterschiedlichen Nationen, welche alle die Kiwis anfeuern. Unglaublich, wie dieser Cup trotz starker Kritik im Vorfeld begeistern kann.

Am Morgen sieht das alles ganz aufgeräumt aus © Maike Christiansen

Am Morgen sieht das alles mit den Schiffen an den Mooringleinen ganz aufgeräumt aus © Maike Christiansen

Szene 7 beim Einlaufen in den Hafen:
Immer wieder ein Erlebnis durch die zahlreichen Mooringleinen, an denen sich die SB20 festmachen sollen. Machen sie auch. Nur nicht immer auf die geplante Art und Weise. Meistens eher ganz und gar ungeplant mit dem Kiel oder Ruder.

Szene 8 der letzte WM-Tag:
Der erste Tag mit wenig Wind. Perfekt für uns, denen noch 25 Kilo bis zum Maximalgewicht (270 kg) fehlen. Die Luv-Startseite ist bevorteilt. In den letzten Tagen haben wir die Angst vor großen Pulks verloren und so stürzen wir uns jetzt ins Getümmel. Der erste Start ist ein Gesamtrückruf, war ja klar. Der zweite Start dann mit Black Flag. Wir haben eine gute Position in Luv gefunden, direkt auf der Layline zum Startschiff. Nur leider sind hier so viele andere Boote. Ich zähle die Zeit runter, fünfzehn, vierzehn. Wir sind zu nah an der Linie, wir müssen langsamer werden, doch es ist zu wenig Wind und zu wenig Platz, wir können nicht abdrehen, nicht bremsen. Unaufhaltsam treiben wir auf die Linie zu, noch zwei Meter, dabei sind noch zehn Sekunden bis zum Start, noch ein Meter… Ich sehe den Mann auf dem Startschiff an, der schon fleißig in sein Diktiergerät spricht. Er lässt seinen Blick an unserem Segel hoch- und runterwandern, als wollte er eine hübsche Dame an der Promenade von Nizza angucken. Wir fühlen uns nicht geschmeichelt.

Szene 9 – Singen in der Wettfahrtpause:
„An de Eck steiht n Jung“ und, frei nach unseren Konstanzer Freunden, „Ick heff mol ‘n‘ Hamborger Fährmeisster g‘sehn“. Die Briten mustern uns, als wären wir bekloppt.

Mit voller Konzentration schlägt die Toplatte des Grosssegels duch © Katie Jackson / SB20 Class

Mit voller Konzentration schlägt die Toplatte des Grosssegels duch © Katie Jackson / SB20 Class

Szene 10 – Es ist heiß, wenn kein Wind weht:
Beim Warten ziehen wir unser Ölzeug, Fleecesachen, Lycrashirts und so weiter aus, bis wir nur noch den Bikini anhaben. Mittelmeersegeln im Sommer ist cool.

Szene 11 bei der Preisverteilung:
Der verdiente Sieger Craig Burlton hält eine kleine Rede. Man merkt ihm nicht an, dass er schon mehrere Titel in dieser Klasse gewonnen hat – er wirkt gerührt und überwältigt. Von seinem Auftreten können sich viele Leute noch etwas abgucken. Vom seglerischen Können von ihm und seinem Team sowieso.

"Schön war es !" © Maike Christiansen

“Schön war es !” © Maike Christiansen

Fazit:  Schön war es !
Sowohl das Segeln (obwohl für meinen Geschmack etwas weniger Wind hätte sein können) als auch das soziale Drumherum. Wir haben als Team Spaß gehabt, viel Erfahrung gesammelt und gemerkt, wie viel wir noch zu lernen haben. Ein tolles, lehrreiches Erlebnis, finden wir.

Ergebnisse

Anmerkung der SR Redaktion: Im Mai 2012 wurde aus dem Laser SB3 der SB20.

 

 

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2 Kommentare zu „Schnappschüsse von der SB20 WM in Hyères/FRA“

  1. avatar Capt.Jack.S sagt:

    Schöner Bericht! Leicht und fluffig. Danke!

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  2. avatar dubblebubble sagt:

    Blondes have more fun *wink*

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