Segel-Bundesliga Auftakt: Formcheck der Relegations-Teilnehmer – Auch der Meister hat geübt

Alle gegen Schümann

Am kommenden Freitag (29. April) startet der erste Spieltag der Deutschen Segel-Bundesliga beim Münchener Yacht-Club auf dem Starnberger See. Zuvor müssen aber sechs Vereine nachsitzen, darunter Steuermann Jochen Schümann.

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Es geht wieder los. Dei Vereine positionieren sich für die neue Liga-Saison. © Lars Wehrmann/DSBL

Eigentlich hatte die Entscheidung über die Zugehörigkeit zur ersten und zweiten Liga Anfang November auf der Alster fallen sollen. Aber die Relegetationsregatta für Platz 13 – 15 der ersten Liga gegen 4 – 6 der zweiten Liga war mit nur einem Tag etwas sehr sportlich geplant. Nur vier der ursprünglich geplanten sechs Rennen konnten mangels Wind gesegelt werden.

Düsseldorf lag vor Grünau mit Schümann und der SKWB aus Bremen. Punktgleich dahinter segelte für den Hamburger Segel-Club Silke Basedow. Blankenese und die Berliner vom Rupenhorn hatten Glück. Sie waren schon abgeschlagen (Ergebnisse).  Die Vertagung des Kapfes um die vakanten drei Erstliga-Plätze half ihnen. Und so findet die Regatta nun ab morgen direkt vor dem Liga-Event in Starnberg statt.

Karten neu gemischt

Dabei sind die Karten neu gemischt. Denn im Winter und Frühjahr haben sich gerade die hinten liegenden Vereine intensiv vorbereitet. Besonders die vermeintlichen Underdogs vom Berliner Klub am Rupenhorn, die als Zweitliga-Sechste knapp den Sprung in die Relegation schafften, waren sehr fleißig.

Sie durften eine neue J/70 taufen, nahmen einen regelmäßigen Trainingsbetrieb in Berlin auf und begaben sich über Ostern mit zwei Teams und Booten für acht Tage nach Izola in Slowenien. Am Wochenende folgte dann der erste Leistungstest beim Liga Warm Up am Bayerischen Yacht-Club mit insgesamt 22 Teams. Und der KaR landete bei widrigen Schwachwind-Bedingungen auf einem starken fünften Platz.

Viel Zeit in die Vorbereitung hat auch der Blankeneser Segel-Club investiert mit 505er Weltmeister Claas Lehmann am Steuer. Er trommelte seine Crew in der Woche regelmäßig zum After-Work-Training auf der Alster zusammen, nahm die organisierten Liga-Trainings der Nord-Clubs in Hamburg und Glücksburg wahr und engagierte für das vergangene Wochenende Profi-Coach Rigo de Nijs für den letzten Schliff.

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Das Team des Blankeneser Segel-Clubs trainierte am Wochende in Glücksburg. © Sven Jürgensen

Fleißige Düsseldorfer

Sehr fleißig war auch der Düsseldorfer Yacht Club mit dem Meister der Meister 2015 Jan-Philipp Hofmann am Lenker. Das möglicherweise einzige NRW-Team in der ersten Liga hat zwar Probleme, Trainingspartner in der Heimat zu bekommen und auch als eines der wenigen Liga-Teams keine eigene J/70 zur Verfügung, aber das lässt keine Untätigkeit aufkommen.

Hofmann sagt: “Den Winter über haben wir mit dem gesamten DYC-Bundesligakader sechs Wochenend-Trainingslager in Monickendam auf dem IJsselmeer absolviert. In der direkten Saisonvorbereitung waren wir oft in Hamburg und haben auch speziell mit dem Relegationsteam trainiert.“ Die Ergebnisse bei den Trainings in Hamburg waren stark. Beim Liga Warm Up in Starnberg kamen die Düsseldorfer als 18. allerdings noch nicht in Fahrt.

Für den Hamburger Segel-Club wird wieder Silke Basedow (geb. Hahlbrock) das Steuer übernehmen. Die deutsche Match Race Meisterin von 2015 hat mit ihrem Team auch auf der Alster trainiert, konnte sich aber bei den offiziellen Trainings noch nicht so sichtbar positionieren. Am Wochenende absolvierte sie erstmals mit ihrer Starnberg-Crew, die zwei Liga Neulingen besteht, ein Training in Hamburg.

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Die Crew vom Hamburger Segel-Club mit Steuerfrau Silke Basedow (r.) © HSC

Dennoch ist Basedow zuversichtlich: “Wir werden sicher in Starnberg auch noch einiges lernen und vor allem am Thema Kommunikation arbeiten, fühlen uns aber gut vorbereitet und freuen uns auf eine spannende Relegation und die anschließende DSBL-Regatta.

Der Starnberger See hat mir persönlich schon immer gelegen; so bin ich 1996 dort deutsche Teeny-Meisterin geworden. Bei den beiden vergangenen DSBL Regatten dort lagen wir am Ende auf den Plätzen 3 und 1. Wir hoffen auf leichte Winde, damit wir unsere Stärken ausspielen können. Die letzten Trainings bei viel Wind haben uns aber auch sehr viel Selbstvertrauen gegeben, was hohe Windgeschwindigkeiten angeht. Daher gehen wir zuversichtlich ins Rennen um den Aufstieg in die erste Liga!”

Schümann schlagen

Schwer einzuschätzen ist die Segel Kameradschaft Wappen von Bremen, bei der mit Björn Beilken einer der besten deutschen J/80-Segler das Steuer übernehmen wird. Die Bremer waren auch bei den Alster-Trainings dabei. Beim Warm Up in Starnberg belegten sie Rang 10.

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Die SKWB Jungs bei der Vorbereitung in Starnberg. © SKWB

Alle haben ein festes Ziel im Blick. Sie wollen Jochen Schümann schlagen. Deutschlands bekanntester Segler geht wieder für den Yacht Club Berlin-Grünau an den Start und will einige Enttäuschungen der vergangenen Saison vergessen machen.

So war er beim Leichtwind-Finale in Hamburg mit seinen beiden Soling-Recken Ingo Borkowski und Gunnar Bahr an den Start gegangen und musste möglicherweise bei Rang sechs dem hohen Crewgewicht Tribut zollen.

Schümann coacht und lenkt

Diesmal hat sich der Champ in der Vorbereitung als Coach vom Bayerischen Yacht-Club engagieren lassen und in der Kooperation auch selber Wasserstunden am Lenker gesammelt. Die Crew hat währenddessen auf einer J/70 am Müggelsee trainiert. In Starnberg wird Schümann mit Eiko Powilleit, Micki Rehberg und dem langjährigen 470er Weltklasse-Vorschoter Heiko Seelig an den Start gehen.

Schümann sagt: „Das Niveau ist hoch, noch höher als in der vergangenen Saison. Alle Teams haben schon wahnsinnig viel trainiert. Ich erwarte einen harten Kampf um den Titel.“

Ob er darum mitkämpfen kann, hängt möglicherweise auch von den Bedingungen ab. Aber die Vorhersagen für die Relegation sehen bisher bestens aus. Bis zu 20 Knoten Wind werden zum Auftakt am Mittwoch erwartet, bevor es dann für das Liga-Wochenende eher wieder leichter wird.

Insgesamt haben die Clubs für die Liga neben dem dreifachen Goldmedaillengewinner 21 Welt- und Europameister, 13 Olympia-Teilnehmer und vielfache Deutsche Meister gemeldet. Jens Kuphal, Team-Manager der Vizemeister 2015 vom Berliner Yacht-Club: „Die ganze Nation trainiert, da konnten wir nicht anders als die Schlagzahl noch mal zu erhöhen. Ich denke in diesem Jahr geht es ohne Aufwärmphase schon ab dem ersten Rennen mit Vollgas los.“

Die Relegationsteilnehmer

– Düsseldorfer Yacht-Club (Platz 13, 1. Liga 2015)
– Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ (Platz 14, 1. Liga 2015)
– Yachtclub Berlin-Grünau (Platz 15, 1. Liga 2015)
– Hamburger Segel-Club (Platz 4, 2. Liga 2015)
– Klub am Rupenhorn (Platz 5, 2. Liga 2015)
– Blankeneser Segel-Club (Platz 6, 2. Liga 2015)

Die Wettfahrten der Auftakt-Regatta starten am 29. April ab 11:00 im Münchner Yacht-Club. Am Samstag und Sonntag werden die Rennen ab 13.00 Uhr live übertragen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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