Segel-Bundesliga Berlin: Deutscher Meister gewinnt – Nordclubs dominieren die zweite Liga

Schwierig war's

Der Deutsche Touring Yacht-Club hat in Berlin gewonnen und knapp vor dem Lindauer Segler Club die Tabellenführung übernommen. Die Gewinner und Verlierer des vierten Spieltages.

Berlin ist ja eigentlich immer eine Reise wert. Und normalerweise hat der Wannsee auch für die Segel-Bundesliga zwar drehende, aber immerhin Winde parat. Aber der vierte Spieltag musste überwiegend ohne den natürlichen Antrieb auskommen.

In drei Tagen gingen in beiden Ligen nur sechs volle Flights statt der geplanten 15 über die Bühne, und insgesamt 30 der 10- bis 15-minütigen Kurzrennen. So wenige wie noch nie in der bisherigen Liga-Geschichte.

Aber der Stimmung in Berlin tat das keinen Abbruch. Das ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Liga. Das Warten auf Wind wird von den Seglern weniger als verlorene Zeit empfunden, weil man die Mußestunden mit Freunden verbringt, die sich oft seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben.

Wenn sich dann wie in Berlin die Gastgeber vom Verein Seglerhaus am Wannsee und Potsdamer Yacht-Club noch versuchen, sich beim Rahmenprogramm zu überbieten, kann mangelnde Segel-Action verschmerzt werden. Dabei punkten besonders die Potsdamer, indem sie bei der Abendveranstaltung die Cheerleader des Basketball-Meisters Alba Berlin aufbieten.

Die Cheerleader von Alba Berling heizen beim Potsdamer Yacht-Club ordentlich ein. © SegelReporter

Die Cheerleader von Alba Berling heizen beim Potsdamer Yacht-Club ordentlich ein. © SegelReporter

Auf dem Wasser stöhnen viele Aktiven über die stark drehenden, leichten Winde, aber wie so oft stehen am Ende die favorisierten Teams wieder vorne. Dabei zeigt besonders Julian Stückl am Steuer des Deutschen Touring Yacht-Clubs eine unglaublich konstante Leistung bei komplizierten Bedingungen. Nach Platz 2 (Starnberg) und 1 (Konstanz) gelingt ihm auch mit Taktiker Sebastian Bühler statt dem Olympioniken Patrick Follmann der Sieg in Berlin.

Segelbundesliga, DTYC

Mit allen Tricks. So entspannt sich der Deutsche Meister. Mit dem Schirm von Familie Wagner.

„Wir hatten hier in Berlin mit sehr schwierigen Bedingungen zu kämpfen”, sagt Stückl. “Wir hatten viel Glück und sind sehr froh, dass wir hier gewonnen haben. Wenn man Meister werden will, muss man mit allen Bedingungen zu Recht kommen.”

Die Titelverteidiger aus Bayern übernehmen damit erneut die Tabellenführung können sich aber längst nicht sicher sein, auch am Ende der Saison wieder ganz vorne zu stehen. Denn die Aufsteiger vom Lindauer Segler-Club liegen nach Rang zwei in Berlin in der Gesamtwertung nur einen Punkt zurück.

Veit und Theresa Hemmeter segeln mit Martin Hostenkamp und Fabian Gielen segeln nun schon die gesamte Zweitliga-Saison 2015 zusammen wie auch die vier Erstliga-Rennen 2016, und sie werden immer besser. Das erstmalig ausgetragene Finalrennen dominierten sie gleich mit einem halben Schenkel Vorsprung.

Ganz stark segelte aber auch der zweite Aufsteiger vom Bayerischen Yacht-Club, bei dem Steuermann Philipp Hibler erstmals nicht mit dem erfahrenen Taktiker Andreas Plettner antrat, sondern mit seinem Bruder Maximilian. Das Crew-Experiment zusammen mit Andreas Achterberg und Jan Nürnberger ging voll auf und wurde mit dem Podiumsplatz belohnt.

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Die J/70 Flotte bei einem der Rennen mit stärkerem Wind. © Lars Wehrmann

Auch der Württembergische Yacht-Club ging mit der Besetzung seines Teams neue Wege und schenkte Yannick Hafner am Steuer das Vertrauen. Die junge Crew mit Dennis und Kevin Mehlig sowie dem erfahrenen Christian Severens lieferte einen beeindruckenden Wettkampf ab und wurde erst beim schwachwindigen Finallauf vom Podium verdrängt auf Rang vier.

Es reichte für einen knappen Vorsprung vor dem Wassersport-Verein Hemelingen, für den Jan Seekamp und Björn Schütte, die beim Starboot City Grand Slam in Hamburg sensationell auf Rang 12 gesegelt waren, erstmals in der Liga Saison wieder Normalform erreichten. Nach den Plätzen 15/15/14 schien der Abstieg schon unausweichlich, nun hat sich der WVH aber auf Gesamtplatz Rang 14 wieder etwas Luft verschafft.

Sehr unglücklich verlief das Finale für die Gastgeber vom Verein Seglerhaus am Wannsee, für den diesmal der ex Laser-Segler Malte Kamrath steuerte und aussichtsreich im Rennen lag. Aber statt des möglichen Podestplatzes rutschte der VSaW auf Rang sechs ab und verlor wichtige Punkte im Kampf um den Titel. Der Rückstand in der Tabelle von fünf Punkten ist aber noch gut aufzuholen an den zwei ausstehenden Spieltagen.

Das Finalrennen in Berlin. Hat der WYC noch eine Chance den VSaW (gelb) einzuholen?...

Das Finalrennen in Berlin. Hat der WYC noch eine Chance den VSaW (gelb) einzuholen?…

...Es passiert tatsächlich.

…Es passiert tatsächlich.

Für großes Erstaunen sorgte die Tatsache gleich fünf Vereine die einwöchige Deadline zur die Benennung des Kaders verpassen, was schon in Travemünde den MSC den Zweitliga-Sieg gekostet hat. Diesmal musste der NRV und der DYC die drei Strafpunkte mitschleppen. Die Düsseldorfer wurden dadurch sogar Letzte.

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In der zweiten Liga ist diesmal der Blankeneser Segel-Club, der Akademische Segelverein Warnemünde und der Konstanzer Yacht-Club von der erzieherischen Maßnahme betroffen. Besonders für die Jungs vom Bodensee resultierte aus dem Fauxpas eine harte Strafe. Die zusätzlichen Punkte ließen sie gleich vier Plätze zurückfallen auf Rang elf. Und das kostete in der Tabelle zwei Ränge. Sie fielen von einem Aufstiegsrang auf Platz fünf zurück. Sehr ärgerlich, wenn daran am Ende die erste Liga hängen würde.

Die Blankeneser nahmen die Strafe allerdings als Ansporn, und lieferten mit Rang drei ihr bestes Saison-Ergebnis ab. Erstmals kamen die Brüder Feuerherdt neben den erfahrenen Björn Athmer und Marc Daniel Mählmann für die Hamburger zum Einsatz. Die Brüder haben nach guten Laser-Ergebnissen besonders die J/24 “Rotoman” zu großen Erfolgen geführt. Mit der Bundesliga scheinen sie nun ein bestens passendes Spielfeld gefunden zu haben.

Da sind die Erstliga-Absteiger von der Segelkameradschaft das Wappen von Bremen schon deutlich erfahrener. Gordon Nickel hat mit Taktiker Thomas Dehler nach dem Sieg in Konstanz nun mit Rang zwei erneut einen Spitzenplatz abgeliefert. Die SKWB liegt nun gleichauf mit dem Mühlenberger Segel-Club, der in Berlin den zweiten Saisonsieg feierte.

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Die nordeutschen Vereine feiern auf dem Zweitliga-Podium. © Sven Jürgensen

Magnus Simon (20), Till Krüger (24) und Finn Olsen (20) bestätigen den Status als Entdeckung der Saison und siegen schon zum zweiten Mal 2016, diesmal mit MSC-Coach Matthias Grüning an Bord. Sie liegen nun in der Tabelle vor dem letzten Spieltag der zweiten Liga punktgleich mit der SKWB an der Spitze.

Eine weitere ganz starke Leistung ist Johanna Meier vom Segelklub Bayer Uerdingen geglückt, die noch vor drei Jahren 420er segelte. Nach dem enttäuschenden letzten Platz in Travemünde ging sie in Berlin mit einem neu zusammengestellten Team an den Start und segelte mit Thomas Schubert, Christian Schäfer und Cilka Schellewald auf Rang vier nach vorne.

Aber auf dem Wannsee punktete nicht alleine die Jugend. Strahlende Gesichter gab es auch bei den alten Recken vom Schweriner Yacht-Club. Der ehemalige DDR Leistungssegler Ingo Köhn saß mal wieder am Steuer und vertraute auf die Dienste des DSV-Vize-Präsidenten für das Leistungssegeln Thorsten Haverland, der sich möglicherweise von der 49er-Bronzemedaille in Rio beflügelt fühlte. Rang fünf bedeutet für die wohl schwerste Crew in Berlin den vierten Rang in der Tabelle und beste Aufstiegchancen.Härter traf es den Bodensee-Yacht-Club Überlingen, bei dem nach mehr als einjähriger Liga-Pause Andreas Buchert mal wieder das Steuer übernahm. Mit Platz 13 bekamen die Aufstieg-Ambitionen der Süddeutschen allerdings einen herben Dämpfer und sie rutschten in der Tabelle auf Rang acht ab. Der Rückstand zu Platz drei beträgt allerdings nur sieben Punkte. Da kann beim Zweitliga-Finale in Kiel noch viel passieren.Bildschirmfoto 2016-08-23 um 12.13.51 Bildschirmfoto 2016-08-23 um 12.13.35

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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