Segel-Bundesliga: Chiemsee siegt vor Berlin und Kiel – Schümann genervt von Strafe

Doppelführung für Bayern

Der Chiemsee Yacht Club, fast Absteiger vom Vorjahr, hat den zweiten “Spieltag” der Segel-Bundesliga in Kiel vor dem VSaW gewonnen. Platz drei für den überraschend starken Kieler Yacht Club mit Liga-“Erfinder” Oliver Schwall bei seiner Steuermann-Premiere.

Zum Finale des zweiten von sieben Segel-Bundesliga Events 2015 wurde es noch einmal richtig spannend. Vor den letzen beiden der jeweils 15 zu absolvierenden Rennen hatten noch fünf Teams Chancen, den Spieltag zu gewinnen.

Besonders der Deutsche Touring Yacht Club (DTYC) schien im Begriff, den Erfolg nach dem Heimsieg in Starnberg wiederholen zu können. Er hatte die Serie am ersten eher leichtwindigen Freitag mit drei ersten Plätzen eindrucksvoll begonnen und damit die Basis für einen möglichen Sieg gelegt.

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Der Deutsche Touring Yacht Club segelte auch in Kiel stark. © Lars Wehrmann/SBL

Aber das Bild änderte sich mit den Bedingungen am Wochenende. Aus einem vorsichtigen Taktik-Geplänkel wurde harte Arbeit bei hackigem, drehenden Starkwind aus Südwest. Die Crews hatten viel zu tun mit den Böen, die hinter den großen Kreuzfahrtschiffen wie “Aida” und der frisch getauften “Mein Schiff 4” vorbei wirbelten.

Bei einer Windspitze wurde die Seglervereinigung Itzehoe unter Gennaker mit dem Bug so heftig ins Wasser gedrückt, dass das Ruder in der Luft hing und der Mast schließlich mit dem Topp auf die Wellen schlug. Aber die Mannen um Steuermann Christian Soyka schüttelten sich kurz, sortierten sich und den Spi und nutzten den Überdruck, um dabei sogar von Platz fünf auf drei vorzusegeln.

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Itzehoe wird von einer Böe nach einem Stecker aufs Wasser gedrückt. © Sven Jürgensen

Die Vizemeister vom DTYC, die im Vergleich zum Heimsieg Steuermann Julian Stückl gegen den Melges Segler Maximilian Weiss getauscht hatten, schwächelten kurz und ließen die Konkurrenz heran kommen.

VSaW sah wie sicherer Sieger aus

Allen voran der VSaW, für den sich Steuermann Malte Kamrath nach Platz 9 in Starnberg mit Taktiker Tim Elsner (26), einem ex Nationalmannschaftsmitglied im 49er, verstärkt hatte. Nach einem starken Zwischenspurt sahen die Berliner wie die sicheren Sieger aus, aber zum Schluss ging ihnen die Luft aus mit der Serie 6/4/6.

Davon profitierte besonders der Chiemsee Yacht Club, der in seinem zehnten Rennen von der Jury eine Wiedergutmachung erhielt, nachdem die Großschot gebrochen war. Ex 49er Champ Leopold Fricke, der sein Team im Vergleich zu Rang vier von Starnberg auf zwei Positionen verändert hatte, wunderte sich. “Die anderen haben für uns gesegelt. Auch als wir mal drei vierte hintereinander landeten, lagen wir noch vorne.”

Fricke, der im vergangenen Jahr noch in der Relegation, den Abstieg verhindern musste, segelte mit seinem Bruder Moritz, Christoph Müller und Simon Tripp so stabil ohne letzte und vorletzte Plätze, dass das finale Rennen keine Bedeutung mehr hatte.

Der Entwicklungsingenieur arbeitet bei der Firma iXent mit den beiden ehemaligen BMW Oracle Ingenieuren zusammen, die bei den vergangenen America’s Cup Siegen maßgeblich den Flügel entwickelten. Fricke ist seit drei Jahren bei iXent und erledigt auch aktuelle Aufträge für die Oracle Kampagne.

Die Helden vom Chiemsee

Vorentscheidung für den Sieg fiel im vorletzten Flight. Der VSaW ersegelte Platz vier, der Kieler Yacht Club wurde letzter, und die Helden vom Chiemsee hielten im direkten Duell ihre bayerischen Nachbarn aus Starnberg in Schach.

Das Gleiche gelang Oliver Schwall bei seinem ersten Einsatz als Steuermann für den Kieler Yacht Club. Zusammen mit Taktiker Sönke Boy, Ole v. Studnitz und Felix Weidling schaffte der ehemaligen Tornado-Weltmeister und langjährigem Melges 24 Segler den vielbeachteten perfekten Einstieg als Aktiver in die Liga.

Im letzten Rennen ging zwar der Start ziemlich daneben, aber dann begann in dem extrem spannenden Big-Point-Rennen (Tracker Race 44) mit Bremen, Flensburg und den Starnbergern, die alle um Rang drei kämpften die Aufholjagd der Kieler.

Schon an der ersten Luvtonne waren die Starnberger überholt und Flensburg lag ganz hinten. Auf der zweiten Kreuz gelang schließlich sogar knapp der Vorstoß auf Platz zwei vorbei an den Bremern (SKWB) mit Gordon Nickel am Lenker, der damit das Podium um einen Punkt verpasste.

Bremer Endspurt

Die Bremer bestätigen damit ihren Ruf als Comeback-Kids. Nach dem ersten Tag lagen sie noch auf dem letzten Platz. Danach starten sie so durch wie in Hamburg beim Liga Finale, als sie mit einem fulminanten Endspurt noch die Relegation vermieden.

Ähnlich stark zum Ende waren die Stadt-Kollegen vom Aufsteiger Wassersport-Verein Hemelingen. Mit der Serie 2/3/1/1/1 platzte der Knoten bei Steuermann Jan Seekamp, der diesmal im Vergleich zum 14. Platz von Starnberg auf Taktiker Jens Tschentscher zurückgreifen konnte.

Als zweiter Aufsteiger setzte sich diesmal der Münchner Yacht Club gut in Szene, der in Starnberg noch auf Rang 17 landete. Kay Niederfahrenhorst kam diesmal mit seinem Team zum ersten Mal zum Einsatz und bewies viel Bundesliga-Potenzial mit Ran sieben.

Schümann genervt von Strafe

Schwer in Tritt kam Jochen Schümann vom Yacht Club Berlin-Grünau. Der beste deutsche Segler konnte mit seiner Mannschaft mit sechs ersten Plätzen die meisten Siege aller Teams verzeichnen, aber es waren eben auch fünf vorletzte und ein letzter Rang dabei.

Besonders schwer wog eine Disqualifikation in seinem achten Rennen. Erst halste er in Führung liegend in ein Luftloch und verlor vier Plätze, dann war er vorne wieder dran, erhielt aber in einer Lee-vor-Luv-Situation mit den Bremern eine Strafe, die er nicht akzeptierte.

Schümann, der heute seinen 61. Geburtstag feiert,  musste diesmal ohne seine etatmäßigen Olympia-Vorschoter auskommen und hatte mit seinem Team im Gegensatz zur Konkurrenz keine einzige Trainingsstunde auf dem Wasser verbracht. Kaum ein Segel-Profi würde unter diesen Bedingungen bei einer Regatta antreten und seinen Ruf aufs Spiel setzen.

Aber ein Schümann muss niemandem mehr etwas beweisen. Wurmen wird es ihn trotzdem. Zum Finale in Hamburg wird er besser vorbereitet antreten. Vorher sollen noch Robert Stanjek oder Stefan Meister als Lenker für die ehemalige Medaillen-Schmiede in Berlin antreten. Grünau ist einer der wenigen Erstliga-Vereine, die noch keine Trainingsmöglichkeiten auf einer J/70 wahrnehmen können.

Deutlich gestiegenes Niveau

Schümanns Leistung ist ein Indiz dafür, wie sehr das Niveau im dritten Jahr der Liga gestiegen ist. Ohne Training geht es kaum noch. Und die Aufsteiger haben noch einmal viel Qualität dazu gebracht. Verpatzte Manöver sind kaum noch zu beobachten. Das Handwerk beherrschen inzwischen alle.

Das mag einer der Gründe für den schwächelnden Meister vom NRV sein. Platz 13 ist eine Überraschung. Zu viele Penalties und ein Frühstart führten zum enttäuschenden Ergebnis. Steuermann Sven Erik Horsch hatte in der Kombination mit Carsten Kemmling als Taktiker im Vorjahr in Kiel noch Rang zwei ersegelt.

Beim nächsten Event in Warnemünde (3.-5.7.) soll der dritte NRV Steuermann Johannes Polgar die Aufholjagd vom aktuellen Gesamtplatz neun einleiten.

In der Gesamtwertung gibt es jetzt eine Doppelführung. Der Chiemsee Yacht Club und der Deutsche Touring Yacht Club liegen jetzt mit jeweils einem vierten und ersten Platz an der Spitze vor Flensburg und dem VSaW.

(Knarrblog folgt)

Ergebnisse Segel-Bundesliga 2015 Kiel

Die Crewliste Segel-Bundesliga 2015 Kiel

Gesamttabelle nach zwei “Spieltagen” von sieben

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Segel-Bundesliga: Chiemsee siegt vor Berlin und Kiel – Schümann genervt von Strafe“

  1. avatar Quersegler sagt:

    Schön, daß im dritten Jahr schon alle Mannöver können. 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 10

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