Segel-Bundesliga: Die Bilanz von Friedrichshafen – NRW Clubs mit Problemen

Schiris sind die Puffer

Segler Talk aus Friedrichshafen Frank Schönfeldt (MSC), Morten Bogacki (DYC), Silke Hahlbrock (HSC):

Das Segel-Bundesliga Event in Friedrichshafen war ein voller Erfolg. Die BilderStory zeigt einige der Protagonisten in Aktion und verweist auf ihre Erfolge.

Es ist wie auf einer Party zum runden Geburtstag mit lieben guten alten Freunden. Am Ende hat man ein schlechtes Gewissen, nicht mit allen gesprochen zu haben. Überall lächelnde Gesichter, Wiedersehen-Szenen mit weit ausgebreiteten Armen, weißt-du-noch Wortfetzen, Gespräche über alte Zeiten.

Segel-Bundesliga

Die J/70 Flotte der ersten Bundesliga vor den Schloss Friedrichshafen. © Sven Jürgensen

Die Klassentreffen-Atmosphäre fesselt umso mehr im Vergleich zu den vorherigen Liga Events anderen, weil diesmal die 1. und 2. Bundesliga parallel antritt. Die Freunde vom Potsdamer Yacht Club verpassen über angeregte Gespräche beim Pausentee sogar ein ganzes Rennen. 144 Segler gastieren beim Württembergischen Yacht Club in Friedrichshafen. Der Konstanzer Yacht Club organisiert den zweiten Regattakurs. Eine starke Partnerschaft für ein Mega-Event.

Am Ende kann die freundliche Stimmung aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wieder um Ergebnisse geht. Auf dem Wasser wird aus Leibeskräften geschrien und mit Protestflaggen gefuchtelt. Es geht um was. Titel, Podium, Abstieg, Aufstieg.

Man segelt schließlich für den Verein. Da nehmen mehr Menschen als gewohnt Anteil an den Einzelschicksalen. Das Ganze kann auch noch im Internet verfolgt werden. Es gibt viele Möglichkeiten zu glänzen oder sich zu blamieren. Die Atmosphäre ist aufgeheizt.

Schiris sind die Puffer

Wie schön, dass Ärger auf dem Wasser verbleiben kann. Er prallt an Chefschiedsrichter Uli Finkh und seinem Team ab. Sie sind der Puffer. Ohne sie geht es nicht. Ihnen ist es zu verdanken, dass sich die Segler an Land wieder lieb haben können. Keine Lügengeschichten mehr im Protestraum, die Entscheidung fällt beim Direct Judging auf dem Wasser.

Natürlich fühlen sich Segler schon mal ungerecht behandelt. Aber Uli Finkh hört sich mit bewundernswerter Geduld die Beschwerden an und zeigt regelmäßig Größe, indem er nicht Unfehlbarkeit vorgaukelt. Fehlentscheidungen sind Teil des Spiels. Wer sich in enge Situationen begibt, erhöht sein Risiko, dass ein Umpire Call auch mal gegen ihn ausfallen kann.

Negative Kurve

Nach fünf Rennen bei der 1. Bundesliga wird deutlich, dass an der Spitze schon eine gewisse Konsolidierung eingetreten ist. Die ersten drei Vereine NRV, VSaW und DTYC lagen von Anfang an auf den ersten drei Rängen. Dahinter hat jetzt der Württembergische Yacht Club aufgeschlossen und die Seglerveinigung Itzehoe schiebt sich kontinuierlich als bester Aufsteiger immer weiter nach vorne.

Extrem negativ verläuft die Kurve des Schweriner Yacht Clubs, der nach Platz fünf zum Auftakt kontinuierlich bis jetzt auf den 17 Platz zurückrutschte. Einen ähnlichen Einbruch verzeichnete der Chiemsee Yacht Club, der jetzt aber mit einem starken fünften Platz den Abwärtstrend aufhalten konnte. Fast parallel verläuft die Bilanz des Konstanzer Yacht Clubs, der mit Rang drei nun von 16 auf 10 springen konnte.

Die großen Leistungsunterschiede kommen zustande, weil noch nicht alle Vereine das Potenzial haben gleichgute Teams zu den Regatten zu schicken. Für den Yacht Club Berlin Grünau konnte Jochen Schümann wie im Vorjahr einen Sieg holen, danach folgte aber prompt ein letzter Platz.

Probleme in NRW

Außerdem kommt immer mehr zum Tragen, dass ein regelmäßiger Trainingsbetrieb Früchte trägt. Besonders die Bodensee Liga hilft dabei, die Süd-Teams zu beschleunigen. Das zeigt sich auch in der zweiten Liga.

Der Segel und Motorboot Club Überlingen siegte überlegen in Friedrichshafen und erkämpfte den sechsten Platz in der Relegation für die erste Liga. Und der Münchener Yacht Club verdrängte den Hamburger Segel Club um einen Punkt vom direkten Aufstieg.

Dagegen haben es besonders die Vereine aus Nordrhein Westfalen schwer, in der Liga zu punkten. In der ersten Liga ist bisher nur der Düsseldorfer Yacht Club vertreten, steht aber auf einem Relegationsplatz. Und aus der zweiten Liga steigt zwar der Segelklub Bayer Uerdingen souverän auf, aber allein vier von sechs Absteigern kommen aus NRW.

Das Analytics Leaderbord der Vereine über alle fünf Events der 1. Liga

Die Gesamtergebnisse aus Friedrichshafen und die aktuellen Tabellen:
1. Segel-Bundesliga
2. Segel-Bundesliga

Crewlisten für Friedrichshafen:
1. Liga
2. Liga

 

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Die Bilanz von Friedrichshafen – NRW Clubs mit Problemen“

  1. avatar PYC sagt:

    Dennoch hat es der PYC bis aufs Treppchen geschafft. ☺

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  2. avatar Willii Gohl sagt:

    Mich erstaunt es ein wenig, wie locker hier über “Lügengeschichten im Protestraum” geschrieben wird. Ich muss zugeben, wenig Erfahrung in Protesträumen in Deutschland zu haben, aber da, wo ich unterwegs bin, ist man a) doch deutlich vorsichtiger mit solchen Aussagen und b) wissen die Segler, das eine Lüge, also die wissentliche Unwahrheit oder Verdrehung von Tatsachen, ohne wenn und aber als grobes Fehlverhalten aufgefasst und geahndet wird. Unbenommen bleibt natürlich, dass jeder Segler eine andere Wahrnehmung der Dinge haben kann. Aber so einfach von “Lügengeschichten” zu schreiben….?

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  3. avatar Christoph Zeiser sagt:

    Ich gebe Willi da in ein paar Punkten Recht. Wir als Schiedsrichter haben immer die Herausforderung, den tatsächlichen Hergang auf dem Wasser aus den Aussagen der Parteien und Zeugen herauszufiltern. Das ist nicht immer einfach und manchmal müssen wir auch einfach den Protest abweisen, wenn es “Aussage gegen Aussage” steht.

    Ich war einer der Umpires in Friedrichshafen und muss sagen, es war sehr fordernd. Ich habe auch selbst ein paar Entscheidungen getroffen, die ich mit mehr Zeit und im Protestraum sicher anders gefällt hätte. Aber wie Carsten schon sagt, das ist “Part of the game”. Umso mehr erleichtert mich das Verständnis der Segler bei der anschließenden Besprechung und ihr Verständnis, dass wir auch nicht überall sein und alles sehen können.

    Trotzdem finde ich auch, dass Direct Umpiring ein gutes Format ist und genau wie die Segler werden auch wir Schiris mehr in unsere neue Rolle hineinwachsen und dann werden auch die Entscheidungen und Positionierungen kontinuierlich besser werden.
    Versprochen 😉

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  4. avatar Willii Gohl sagt:

    Lieber Christoph, in einem Punkt muss ich Dir widersprechen: wir müssen nicht “…einfach den Protest abweisen, wenn es “Aussage gegen Aussage” steht…” Wir dürfen das gar, auch wenn der Berufungsausschuss dies vor einigen Jahren (fälschlicherweise) so gesehen hat. Wir müssen die Aussagen “bewerten” und dann entscheiden.
    Manchmal sicher falsch, das ist gar nicht zu leugnen. Aber wir müssen entscheiden, lies mal WR 63.6 letzter Satz.
    “Aussage gege Aussage” reicht nicht, um einen Protest abzuweisen.

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  5. avatar Willii Gohl sagt:

    Asche auf mein Haupt, ich bitte, den Fehler im 2. Satz zu entschuldigen. Es muss natürlich heißen, “Wir dürfen das gar NICHT, auch wenn……”

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