Segel-Bundesliga: Drei kaputte Masten – Feueralarm – SKBUe in Führung

Segelfest

Kenterung im Überhack am Freitag (weitere Live Berichte auf Sailbook/Logblog.org)

 

Am ersten Tag der Segel-Bundesliga Relegationsregatta in Glücksburg sind Masten gebrochen und Segel zerrissen. Aber überall gab es lachende Gesichter. Besonders beim Team vom Segelklub Bayer Uerdingen, das zwei Rennen gewann.

Segel Bundesliga

J/80 Mastbruch unter der ersten Saling. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Immer wieder wendet sich der Blick der Jungs mit den roten Leibchen nach oben in den trüben Himmel über Glücksburg. Dorthin, wo eben noch der Mast stand. Knapp unter der ersten Saling ist er abgeknickt. „Einfach so an der Kreuz“, sagt Steuermann Simon Gergels vom Yacht Club Noris. „Er fiel nach Lee ins Wasser.“

Daneben kommt am Steg der Hanseatischen Yachtschule DHH gerade die zweite J/80 mit gestutztem Flügel zurück. Ihr Spargel ist an der oberen Saling gebrochen. Das Topp klappert gegen das Alu-Unterteil.

[ds_preview] (Ab hier Text für SR-Club Mitglieder)

Budesliga, Mastbruch

Die Crew vom Yacht Club Noris vor ihrer flügellahmen J/80. © SegelReporter

Fieses Loch im Alu

„Noch ein Mast kaputt“, quäkt es in den Funken der Beachmaster-Crew. Ein drittes Rigg ist hinüber. Manni Brändle vom Duisburger Yacht Club ist  ein Want-Terminal aus dem Profil gerissen. Es hat ein fieses Loch im Alu hinterlassen.

Was ist das Problem? Die Riggs sind neu. Die altgediente J/80 Klasse hat normalerweise kein übermäßiges Problem mit ihren Masten. Spezialisten glauben, dass die Wantenspannung deutlich zu schwach eingestellt war. Für die Rennen wird jedenfalls die Spannung erhöht.

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J/80 Mastbruch an der obersten Saling. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Dazu liegen aber allerorten J/70 und J/80 mit flatterndem Gennaker auf dem Wasser. Tücher reißen aus den Lieken und wickeln sich um den Bug. „Abbruch, Abbruch, tönt es durch die Lautsprecher an Land. Das Training wird abgebrochen.“ Die Organisatoren versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Es geht nur um die letzten Übungsstunden vor dem ersten Start. Newcomer sollen die Möglichkeit haben, sich einmal auf die boote zu setzen. Aber die Flotte kollabiert unter den hackigen Böen, die inzwischen über 30 Knoten erreichen.

Drei Masten in Rekordzeit ersetzt

Das ausgeklügelte Pairing Modell mit den 6 J/70 und 8 J/80 droht schon vor dem ersten Start aus den Fugen zu geraten. Eine J/80 und eine J/70 Ersatzyacht schwimmt wohlweislich im Wasser, aber wer soll drei J/80 ersetzen?

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J/70 beim Vollgas Training am Morgen. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Doch J-Vertreter Bo Teichmann von der Mittelmann-Werft hat schon drei Riggs bei seinem Stützpunkt in Kappeln an der Schlei angefordert. Der erste Start muss ohnehin wegen des auffrischenden Windes von 14 auf 17 Uhr verschoben werden. Drei Stunden sind genug Zeit für das Support-Team, um neue Riggs aufzustellen. Eine erstaunliche Leistung. Auch die Segel sind fix von North Sails repariert. Der erste Startschuss kann fallen.

Für Aufregung sorgt auch noch ein Feueralarm im Hause des DHH. Ohrenbetäubendes Piepen. Die Segler kommen aus ihren Zimmern vor die Türe. Fehlalarm? Ein Test? Von wegen. Zwei Feuerwehr-Wagen rücken an. Vier Feuerwehr-Männer entern mit Atemschutzmasken das Gebäude. Was ist los?

Feueralarm, DHH

Feueralarm im DHH. © SegelReporter

Ratlosigkeit bei den DHH Mitarbeitern. Was hat den Alarm ausgelöst? Rauchentwicklung ist nirgendwo zu sehen. Die Feuerwehr stürmt in voller Montur ein Badezimmer. Des Rätsels Lösung: Ein Segler hat zu heiß geduscht. In gut unterrichteten Seglerkreisen wird der Name Matze Bohn gehandelt. Der Rostocker Spitzensegler wollte sich vor dem Kampf auf dem kalten Wasser offenbar noch mal so richtig aufwärmen.

Überall in Deutschland ist es zurzeit angenehmer als in Flensburg. Die zehn Süd-Vereine konnten schon bei über 25 Grad segeln, aber hier im Norden sieht man seinen Atem auf dem Wasser. Beim Warten auf den 14 Shuttle Gummi-Booten wird es den Crews richtig kalt. Sie lassen die Arme rotieren, klopfen sich auf die Brust, hüpfen auf den Schiffen. Das kalte Blut muss in Wallung kommen.

„Ich brauche ärztliche Hilfe.“

Viele sind aber froh als auf dem Startschiff Flagge Whisky in den Himmel steigt. Manch einer der gut ausgebildeten DHH Mannschaft mag zusammenzucken. Denn eigentlich heißt das blauweißrote Signal laut Flaggenalphabet: „Ich brauche ärztliche Hilfe.“ Aber auf dem Startschiff wird das Tuch gezogen, um gerade dieses Szenario zu vermeiden. Gennaker sind verboten. Der Wind ist zu stark. Der vermutete Materialschaden zu groß.

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Viele Teams lagen beim Training auf der Backe. Gennaker wurde bei acht Windstärken später verboten. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Und so beschäftigen sich die Teams fieberhaft damit, wie denn diese Dreimann-Kielyachten schnell im Schmetterling Modus gesegelt werden können. Es geht nicht alles gut. Ein Großbaum bricht. Fockhälse lösen sich aus ihrer Fixierung, aber alles in allem können faire Rennen ablaufen.

Beim Start wird schon viel entschieden. Viele Wenden sollte man sich bei dem hackigen Wind nicht leisten. Die Großschot ist ständig in Bewegung, um ein wenig Druck ins Segel zu bekommen, ihn dann aber schlagartig wieder abzulassen. Oft treiben die Boote mit flatternden Segeln quer. Viel Gewicht auf der Kante ist hilfreich.

Finnsegler Luttkus siegt zweimal

14 Rennen werden absolviert. Segeln bis zum Einbruch der Dunkelheit. Knapp mehr als die Hälfte der Vereine absolviert zwei Rennen, die übrigen nur eines. Die erste Liste des Tages ist noch wenig aussagekräftig. Aber klarer Sieger ist der Segelklub Segelklub Bayer-Uerdingen mit Finn Segler Lennart Luttkus am Steuer. Als einziger konnte  er zwei Rennen gewinnen.

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Fullspeed J/70 Start am Pin End. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Aber auch 505er Weltmeister Claas Lehmann von Regatta-Vereinigung Elbe wird auf Platz eins geführt, weil er in seinem einzigen Lauf siegt. So auch ex Finn-Spitzensegler Andreas Buchert vom Bodensee-Yacht-Club Überlingen und Max Gurgel vom Hamburger Segel Club, die allesamt zu den Favoriten gehören.

Dazu hat sich Korsarsegler Stefan Arit vom Segel-Club Ahoi in Berlin mit einem Sieg gesellt. Sehr stark ist auch Svend Hartog ehemaliger Varianta Meister vom Lübecker Segler-Verein in die Regatta gestartet mit einem ersten und zweiten Platz wie auch der mehrfache X99 Weltmeister Christian Soyka von der Seglervereinigung Itzehoe.

Prozentuale Punktevergabe

Die Punktevergabe ist etwas undurchsichtig, hat aber damit zu tun, dass in einer 6er und 8er Flotte gesegelt wird. Ein Sieg gibt 100 Prozent Punkte, ein zweiter Platz wird in einem 8er Feld prozentual höher gewichtet als bei den sechs J/70.

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J/70 gibt Gas. © DSBL GmbH / Lars Wehrmann

Am Samstag werden die Karten neu gemischt. Der Wind soll stark abflauen und natürlich kommt der Gennaker zum Einsatz. Die Bedeutung des Crew Handlings nimmt zu. Und mit der abnehmenden Bruch-Quote wird nun wieder der Genuss-Faktor deutlich zunehmen.

Trotz eisiger Bedingungen, langen Wartezeiten und einigen verunglückten Manövern sieht man an Land nur lachende Gesichter. Menschen fallen sich in die Arme. Viele gute Segler, die längst nicht mehr gegeneinander antreten, haben ein neues Spielfeld gefunden. Alte Kumpels schwelgen in Erinnerungen und viele aufstrebende Jungspunde versuchen ihren Stich zu setzen. In Flensburg wird ein Segelfest gefeiert, das es so noch nie im deutschen Segelsport gegeben hat.

Ergebnisse Tag 1

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Carsten Kemmling

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5 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Drei kaputte Masten – Feueralarm – SKBUe in Führung“

  1. avatar Manfred sagt:

    Danke für den Bericht und den Link auf Sailbook. Aber da ist sie wieder die Schwierigkeit mit dem Kommentar (bei Sailbook) Ich verweigere mich Yahoo und FB und dann geht nix. Darum lasse ich das mal hier ab:

    quote
    Mann, mann, sieht ja dramatisch aus die Kenterung mit dem pinkfarbenen Gennaker.
    Da hätte man den eher unerfahrenen Gennaker Seglern auch mal mit auf den Weg geben können: Ganz schnell Fall los schmeissen (1/3 bis Hälfte) im Falle des “Umfallens”. Dann einsammeln oder wenn noch Mut vorhanden, abfallen, hoch die Pocke und weiter geht der kühne Ritt.

    Danke für die schöne Bildberichterstattung!

    Manfred
    G-99
    unquote

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  2. avatar Ulrich Jäger sagt:

    Respekt , Regattasegler / innen sind keine Mammasöhnchen / Töchter !

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  3. avatar Alex sagt:

    Beim Boot im Video, klemmt da das Gennakerfall?

    Für 30 Knoten ist da tatsächlich recht viel Bruch. Da werden sich die Leute von den Melges24 sicher ein Schmunzeln kaum verkneifen können. Oder lags daran, dass nicht mit eigenem Material gesegelt wurde?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  4. avatar Alexander Greil sagt:

    in der schweiz sind das vieleich 20 25 kts!

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    • avatar Alex sagt:

      Es ist schon ein erheblicher Unterschied was den Druck im Rigg angeht, ob man 25-30 Knoten Wind bei 25C oder bei 5C Lufttemperatur hat.

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