Segel-Bundesliga: Ehemalige Opti-Helden gewinnen in Lindau – Altmeister dominieren 2. Liga

Jugend-Stars ganz vorne

Das zweite Event der Deutschen Segel-Bundesliga in Lindau am Bodensee hat der Bayerische Yacht-Club gewonnen. In der 2. Liga siegt der Flensburger Segel-Club.

Es ist gerade einmal acht Jahre her, dass der damals 13-Jährige Maximilian Hibler sein glorreiches Jahr  im Optimisten gefeiert hat: Europameister und Deutscher Meister in einer Saison. Nun ist er als Steuermann auch an der Segel-Bundesliga-Spitze angekommen. Und dabei hilft ihm sein damaliges Vorbild Julian Autenrieth, der Optimist Weltmeister von 2006.

Segel-Bundesliga Lindau

Der Bayerische Yacht-Club siegt in Lindau. © DSBL Lars Wehrmann

Beide sind erstmalig in der Kombination Steuermann/Taktiker für den Bayerischen Yacht-Club in Lindau an den Start gegangen, und die Leistung passte auf Anhieb. Dabei entspricht es eher dem allgemeinen Liga-Trend, dass lange eingespielte Duos Erfolg versprechen. Aber zusammen mit Raoul Heraeus und Leopold Lindner haben die Bayern  ein starkes Team gefunden, das die wechselnden Windbedingungen am Bodense bestens meisterte.

Hibler segelte beim Liga-Auftakt in Prien in einer anderen Crew-Konstellation noch auf den zwölften Platz. Und das war eine Enttäuschung für den BYC (Liga-Dritter von 2016), der in dieser Saison durchaus Titelhoffnungen hegen konnte. Aber mit Autenrieth, der die 470er Olympia-Ambitionen nach der intensiven Kampagne für Rio 2016 beendet hat, scheint Team-Manager Ilja Wolf eine neue Option gefunden zu haben.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Wolf mangels Optionen trotzt schwerer Armverletztung selber ans Steuer musste. Nun kann er aus dem Vollen schöpfen. Denn 2016 auch Hiblers Bruder Philipp ist noch im Spiel, der mit einer erfahrenen Crew um Andreas Plettner für die stärksten Ergebnisse gesorgt hatte.

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Tobi Schadewaldt führt den NRV auf Rang zwei. © DSBL Lars Wehrmann

In Lindau machten die Bayern den Sack insbesondere mit einem überragenden Schlussspurt bei sehr leichtem Wind mit 1/2/1/1 zu und verdrängten noch den lange Zeit in Führung liegenden Norddeutschen Regatta-Verein von der Spitze. 49er-Olympionike Tobi Schadewaldt dominierte die Konkurrenz bei stärkerem Wind besonders am zweiten Renntag, bis eine Frühstart-Disqualifikation den Vorsprung aufbrauchte.  Nach einer Widergutmachung wegen eines Materialschadens behaupteten die Hamburger den zweiten Platz knapp vor den Lokalmatadoren vom Lindauer Segel-Club, bei denen der langjährige Steuermann Veit Hemmeter zu alter Stärke zurückgefunden hat.

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Veit Hemmeter kann auch ohne seine Schwester segeln 🙂 . Der LSC wird Dritter beim Heimspiel. © DSBL Lars Wehrmann

Die eigentliche Überraschung gelang aber erneut dem Segel- und Motorbootclub Überlingen, der den Auftakt in Prien gewonnen hatte.  Auch das zweite Team der Überlinger um die Brüder Steffen und Sven Hessberger mit Dominik Waibel und Frederik Schaal segelte wieder in die Spitzengruppe. Nach sieben Rennen lagen sie noch auf Rang elf, aber dann folgte eine Serie von vier Siegen und schließlich Gesamtplatz vier. Damit liegt der SMCÜ nach zwei Spieltagen komfortabel mit fünf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.

In Lauerstellung auf Rang zwei befindet sich der Titelverteidiger vom Deutschen Touring Yacht-Club bei dem Championsleague-Sieger-Steuermann Maximilian Weiß diesmal am Ruder saß. Aber die Konkurrenz hat ordentlich aufgeschlossen. NRV und Lindau liegen nur noch zwei Punkte zurück, für den Bayerischen und Berliner Yacht-Club sind es nur drei Punkte.

Dann folgt der Wassersport-Verein Hemelingen, der nach dem Höhenflug am Chiemsee nun einen unerwarteten Absturz erlebte. Das Team um Jan Seekamp war bis zum siebten Rennen Letzter und rettete sich schließlich noch auf Rang 13.

Erstmals waren bei einem Erstliga-Event mit Tanja Jacobsohn (Lübecker Yacht-Club), Chiara Steinmüller (Verein Seglerhaus am Wannsee), Tina Lutz (Cheimsee Yacht-Club) und Silke Basedow (Hamburger Segel-Club) vier Steuerfrauen im Einsatz. Dabei bestätigte besonders die ehemalige Match Race Meisterin aus Hamburg im Aufstiegsjahr mit einem erneuten 11. Platz die solide Leistung vom Chiemsee.

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Tina Lutz bei ihrer Steuer-Premiere für den Chiemsee Yacht-Club. © DSBL Lars Wehrmann

Der ehemaligen Optimist-Weltmeisterin Tina Lutz, die gerade eine erneute 49er-Olympia-Kampagne mit Susann Beucke angekündigt hat, bereitete die Premiere Probleme. Platz 14 entsprach nicht ihren Ansprüchen und sie gab zu: “Ich habe mir es schon ein wenig leichter vorgestellt.” Der Unterschied zum 49er sei “krass”. Besonders an die Anliegelinien der J/70 müsse man sich gewöhnen.

Ergebnisse 1. Segel-Bundesliga

Zweite Liga

Nach dem Youngster-Sieg in der ersten Liga setzte sich an diesem Spieltag in der zweiten Liga die Erfahrung durch. Für den Flensburger Segel-Club kam nach Nacra 17-Spezialist Jan Hauke Erichsen in Lindau der Altmeister Michael Ilgenstein zum Einsatz und er knüpfte an vergangene starke Erstliga-Auftritte an. Im letzen Rennen schob sich das neu formierte Team mit Taktiker Jörg Rothert, Tobias Konow und Bernhard Outzen auf die oberste Stufe vom Treppchen.

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Michael Ilgenstein nährt mit dem Sieg für Flensburg die Wiederaufstigshoffnungen. © DSBL Lars Wehrmann

Bis dahin hatte der ehemalige Match-Race-Meister Andreas Willim mit seiner Frau Suzy, Sohn Luke (49 FX-Segler) und Henning Sohn, dem ex America’s Cup Grinder, das Geschehen für den Schlei Segel-Club dominiert. Ihnen gelangen die meisten Siege (6) in den 15 Rennen, und damit übernahmen sie die Tabellenspitze in der zweiten Liga.

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Familie Willim mit ex Cup Grinder Henning Sohn auf dem Vorschiff ist Tabellenführer. © DSBL Lars Wehrmann

Punktgleich Zweiter in der Tabelle ist mit Christian Soyka ein anderes Urgestein der deutschen Regattaszene, der am Bodensee schon X-99-Weltmeister wurde. Er will die Seglervereinigung Itzehoe unbedingt wieder in die erste Liga führen und befindet sich mit den Plätzen zwei und vier aus Prien un Lindau auf dem besten Weg. In Kiel kommen dann erstmals die vom Kieler Yacht Club gewechselten Julian Ramm und Oliver Lewin zum Einsatz für den SVI. In dieser Besetzung ist Itzehoe erster Aufstigeskandidat für 2018.

Die Youngster und Mitfavoriten vom Mühlenberger Segel-Club mussten dagegen Federn lassen. Jacob Ahlers war mit seinem Team aus Hamburg in Prien eine so fulminante Premiere als Dritter gelungen, aber nach Platz 13 ist der Abstand zu Aufstiegsplatz vier jetzt wieder groß geworden.

Dafür setzte Max Augustin bei seinem ersten Steuer-Einsatz für den Blankeneser Segel-Club mit Rang drei ein echtes Ausrufezeichen im Taktik Duo mit dem ex deutschen Laser Meister Lukas Feuerherdt. Die Hamburger sind damit wie in fast jeder Saison wieder voll beim Aufstiegsrennendabei und liegen nur knapp hinter den Prien-Siegern aus Konstanzer Yacht-Club, deren junge Match Race-Crew um Felix Schrimper nun Rang vier in der Tabelle belegt.

In drei Wochen geht es für die Erstligisten nach Kiel, dort findet zu Beginn der Kieler Woche der dritte Spieltag der Deutschen Segel-Bundesliga 2017 statt (17.-19. Juni).

Ergebnisse 2. Segel-Bundesliga

Die Live-Übertragung vom Finaltag:

Live Talk mit Tina Lutz, Tobi Schadewaldt und Christian Soyka:

Höhepunkte vom Freitag:

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Ehemalige Opti-Helden gewinnen in Lindau – Altmeister dominieren 2. Liga“

  1. avatar Fördepirat sagt:

    Julian kann gar nicht für Itzehoe in Kiel an den Start gehen, weil dort doch nur die 1. Liga segelt, oder?!

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