Segel-Bundesliga Knarrblog: Das ganz persönliche NRV-Drama in Starnberg

Mit einem blauen Auge...

In Starnberg lief es zäh für unser NRV Team. Zu viele Fehler. Mit Schwimmhäuten an den Extremitäten lässt es sich einfach schwer segeln. Aber es hätte auch schlimmer kommen können als Platz sieben.

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Das NRV Team unterwegs in die falsche Richtung. Dafür gibt es auch noch einen Penalty vom roten Boot. © Lars Wehrmann

Ich sollte mir von Klaus Lahme doch noch ein Attest geben lassen. Seine Diagnose “Rücken” inklusive folgender Absage für den Liga Auftakt in Starnberg mag ja doch im Zusammenhang mit einem vorherigen Blick auf den Wetterbericht gestanden haben. Bei der Prognose dürfte meinem designierten Taktiker und NRV Spieler-Trainer urplötzlich der Schmerz  in den Wirbel geschossen sein. Drei Tage Regen, drei Tage Flaute.

Genauso kommt es. Schon bei der Anreise kein Fortkommen. Ein schöner Tanz in den Mai, Slow Fox auf der Autobahn. Gut zehn Stunden im Stau durch Nacht und Regen. Ankunft am still und starr ruhenden See um 3 Uhr. Das  NRV Team mit Match Racer Klaas Höpcke, Tornado Olympionike Gunnar Struckmann und dem 16-jährigen ex Opti und aktuellen 29er Talent Gwendal Lamay ist müde.

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Die Suche nach Wind. Gwendal Lamay (16) scannt das Wasser nach Anzeichen. © Lars Wehrmann

Ich bin wohl beim ersten Start (Rennen 3) auch am Mittag wohl noch nicht ganz auf der Höhe. Ein netter Kampf mit dem VSaW um die Luvposition am Schiff, dann ein heftiger Rechtsdreher und wir rutschen gleich mit vier Booten (plus Berliner und Düsseldorfer Yacht Club) über die Anliegelinie zum Startschiff.

Totales Chaos

Eigentlich will ich warten, bis die Kollegen endlich gestartet sind und oben die Lücke aufgeht. Dann parkt der VSaW, als er gegen das Startschiff knallt, und ich denke, es sei vielleicht eine gute Idee, von Luv über die Linie zu gehen.

Von wegen. Es verstärkt das totale Chaos. Der DYC kommt mit Wegerecht von Lee, panische Schreie, ich kann gerade noch abfallen, will hinter die Linie. Aber dann hat sich VSaW-Steuermann Malte Kamrath vom Startschiff gelöst, könnte uns abschießen, hat aber wohl Mitleid und dreht aber erst einmal seinen Penalty.

An der Luvtonne sind wir mit einem halben Schenkel Abstand Letzter. Klasse. Das fängt ja gut an. Hat Rasmus noch ein Einsehen? Die Bedingungen sind fies. Es ist eines der wenigen Schweinerennen während der drei Tage. Windschwankungen lassen jede Menge Überholspuren zu.

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Aufregung vor der Tonnenrundung. Das YCBG Team versucht ein Boot von der Lee-Wende abzuhalten. © Lars Wehrmann

Und wir finden eine. Jibe Set an der Luvtonne, mit einer netten Privatböe ins Lee vom VSaW gerutscht, bei der Halse davor gesetzt. Die Württemberger und Berliner haben bei 4 Knoten Wind kaum Druck, um die Leetonne zu passieren, sie lassen eine Lücke, in die wir mit doppeltem Speed hineinschießen, schnelle Wende, gute Kreuz – manchmal läuft’s. Platz zwei im Ziel. Wirklich Glück gehabt!

Fortuna ist müde

Aber Fortuna ist dann eben auch ganz schnell müde, wenn man sie schon so früh in der Serie  beansprucht. Es folgt ein fünfter Platz, bei dem wir virtuell auf der Startkreuz zwar sogar in Führung liegen. Aber der Verkehr an der Luvtonne entwickelt sich irgendwie so blöd, dass wir plötzlich am Tampen hängen.

Bei Rennen drei werde ich zögerlich breche einen Kampf ums Pin End ab und wähle die vermeintlich sichere Variante eines Steuerbord-Starts hinter dem Feld. Aber bei dem wenigen Wind um drei Knoten ist das Manövrieren etwas zäh. Ziemlich verletzlich mit Wind von Backbord hangeln wir uns hinter die Linie und prompt gibt’s auch noch einen Penalty. Wieder Platz fünf.

Dann endlich ein solider zweiter Platz nach solidem Start in der Mitte. Aber zack kommt der Rückschlag im fünften Rennen. Leetonnenrundung auf Platz drei gleichauf mit den beiden Führenden, kurz beim Spi-Drop gepennt, den Rüssel vergessen und ihn den Konstanzern unter den Hintern geschoben.

Der Wurm ist drin

Penalty sofort gedreht – dann muss man nur 270 statt 360 Grad – aber so blöd platziert, dass noch ein anderes Schiff ins Gehege kommt. Zack, noch ein Penalty. Höchststrafe. Unforced Error sagt man beim Tennis dazu. Irgendwie ist der (Dreh-)Wurm drin.

So langsam sieht es in der Gesamtwertung wohl etwas dramatisch aus. Man merkt es bei den Wechseln auf dem Steg. Die Gegner sehen schon betreten zur Seite, wenn wir ankommen. Wohl befürchtend, dass ein Spruch nach hinten losgehen kann. Andere nehmen uns in den Arm. Mitleid, oder was? Sieht es wirklich so schlimm aus?

Gefühlt läuft es gar nicht so schlecht. Die paar blöden Fehler können sich allerdings wegen der vielen ausgefallenen Rennen richtig mies bemerkbar machen. Also Nerven behalten. Vielleicht erholt sich Fortuna langsam von ihrer Energieleistung aus dem ersten Rennen? Es scheint so. Auch wenn sie ihr Füllhorn noch ziemlich zittrig und unüberlegt ausschüttet.

Wechselbad der Gefühle

Der sechste Lauf ist ein Wechselbad der Gefühle. Er beginnt mit einem guten Start am Schiff. Wir ziehen über das Feld ganz nach links durch, einer nach dem anderen muss hinter uns rum. Aber Mist. Nach der Wende kommen wir trotzdem nicht am SMCÜ vom Bodensee vorbei.

Die Überlinger stehen im Weg. Wenn sie auf ihr Wegerecht beharren, liegen wir nach zwei Wenden ganz hinten. So eng ist es. Aber sie lassen uns leben, indem sie selber wenden. Glück gehabt. Wir halten uns in Luv quetschen uns zur Tonne und runden knapp als Erster im Päckchen mit drei Booten.

Tonne berührt

Eine schnelle Halse hilft gegen das Überlaufen. Eine gute Entscheidung. Am Leetor liegen wir knapp vorne. Dann ein Pfiff. Verwundert starren wir auf die rote Flagge, die vom Gummiboot auf uns zeigt. Was ist passiert?

Im Ziel informieren uns die Schiedsrichter, dass wir die Tonne mit dem Spi berührt haben. So ein Mist. Wieder mal ein unnötiger Fehler. Der Strafkreis ist fällig. Platz vier an der Luvtonne. Aber es ist noch nicht zu ende.

Die Konkurrenten halsen weg und lassen uns den Weg nach rechts offen. Wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Lüftlein her. Der Wind frischt zumindest bei uns etwas auf, wenn man denn bei einem Zuwachs von 3,5  auf 4,5 Knoten davon  sprechen kann. Er “katapultiert” uns geradezu auf Rang eins nach vorne. Wow, ein aufregendes Rennen. Schwein gehabt.

Danach noch ein zweiter Platz hinter Poldo Fricke vom Chiemsee Yacht Club und dann können wir unser Glück kaum fassen. Von Rang elf rutschen wir noch auf sieben vor. Drei punktgleiche Teams vor uns erhalten das Mittel der Punkte, weil ihnen ein Rennen fehlt. 0,33 Punkte liegen sie hinten.

Segeln mit Schwimmhäuten

So schlimm, wie es sich zeitweilig gefühlt, ist es dann also doch nicht, wenn man von den Schwimmhäuten mal absieht, die sich an dem langen Wochendende an den Extremitäten gebildet haben. Mit einem blauen Auge davon gekommen.

Jede andere Regatta hätte es schwer gehabt, einen Lauf zustande zu bekommen. Wettfahrtleiter und Gastgeber Wolfgang Stückl hat trotzdem eine saubere wenn auch ziemlich feuchte Serie abgeliefert. Das Liga-Format mit den 15 Minuten Sprint-Rennen kann  jeden Hauch nutzen.

Und man kann wirklich nicht sagen, dass es irgendwie unfair gewesen wäre. Die Jungs vom Touring Yacht Club haben exzellent gesegelt. Sie legen die Latte ziemlich hoch und haben die Substanz,  wieder in der gesamten Saison vorne mitzuspielen. Genauso beeindruckend präsentierte sich Flensburg und Itzehoe, allesamt Mitglieder unserer Alster-Nord-Trainingsgruppe.

Spaß mit alten Freunden

Trotz des trüben Regenwetters war es mal wieder ein großer Spaß, das Wochenende mit vielen alten Freunden und netten Menschen zu verbringen. Die Zusammenlegung mit dem Zweitliga-Event ist eine starke Verbesserung. Das Warten auf Wind fühlt sich nicht wie verlorene Zeit an, wenn man nicht gerade im strömenden Regen bereit für den nächsten Wechsel auf dem Motorboot ausharren muss.

Allerdings wirken die Nachrichten aus dem hohen Norden schon wie ein Stich ins Herz. Beim MAIOR in Kiel soll zumindest am Sonntag Kaiserwetter mit Ostwind und Sonne herrschen. Liga-Erfinder Oliver Schwall mag auch den Wetterbericht gelesen haben, als er sich mit dem Partner Arne Dost über eine Antrittsbesuch beim regnerischen Liga Auftakt absprach. Schwall wählte Kiel, schnappte sich eine J/70  und gewann prompt die Regatta im 11-Boote-Feld.

Ergebnisse Bundesliga 2015 Starnberg

Alle Rennen im Tracker Replay

 

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Segel-Bundesliga Knarrblog: Das ganz persönliche NRV-Drama in Starnberg“

  1. avatar Silberbeil sagt:

    Wäre schön, wenn es noch mehr Regattaberichte von Teilnehmern/Insidern auf Segelreporter gäbe.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

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