Segel-Bundesliga: Souveräne Titelverteidiger aus Bayern – Trend zu weniger Crew-Wechseln

Kein Platz für Experimente

Der Deutsche Touring Yacht-Club hat überlegen den zweiten Spieltag der Segel-Bundesliga gewonnen. Besonders die eingespielten Teams können in Konstanz punkten. In der zweiten Liga dominieren die Absteiger.

Segel Bundesliga

Teresa Hemmeter und Fabian Gielen segeln für den Aufsteiger vom Lindauer Segler-Club auf Rang vier. © DSBL/Lars Wehrmann

Es war ein überzeugende Macht-Demonstration, die der amtierende Deutsche Meister beim zweiten Bundesliga-Spieltag in Konstanz am Bodensee abgeliefert hat. Bei überwiegend sehr leichtem Wind dominierten Julian Stückl, Patrick Follmann, Jonas Vogt und Tobias Bolduan, der im Vergleich zum ersten Spieltag für Luis Tarabochia an Bord gekommen ist.

Nur der Verein Seglerhaus am Wannsee mit Malte Kamrath, Tim Elsner, Jens Steinborn und Julian Bergemann konnten dem amtierenden Meister über die gesamte Serie von insgesamt 13 Rennen Paroli bieten. Allerdings war nach dem veränderten Finalmodus, der nur noch zwei statt drei Rennen der besten sechs vorsieht und keine doppelte Punktzahl mehr vergibt, die Spannung schon vor dem letzten Rennen raus.

Die Bayern hatten schon einen so großen Vorsprung, dass sie nicht mehr eingeholt werden konnten. Allein der Chiemsee Yacht-Club rutschte nach zwei verpatzten Finalrennen noch einen Platz nach hinten. Die Neuerung des Final-Systems hat in dieser abgeschwächten Form wenig zusätzliche Spannung erzeugt.

Aufsteiger segeln stark

Bemerkenswert ist das gute Abschneiden der Aufsteiger in Konstanz. Der Bayerische Yacht-Club platzierte sich einen Rang vor dem Lindauer Segler-Club auf Rang drei. Und die Lindauer setzen sich damit schon souverän auf dem dritten Tabellenplatz fest.

Sie entsprechen damit einem lange erwarteten Trend, der sich erstmalig so klar im Verlauf der Segel-Bundesliga dokumentiert. Die Teams, die am wenigsten wechseln, feiern die größten Erfolge.

Diesem Prinzip sind schon der Touring Yacht Club und der Vize-Meister vom Berliner Yacht-Club in der vergangenen Saison gefolgt. In Konstanz nun haben gleich die ersten fünf Vereine der Ergebnisliste nahezu die gleichen Crews aufgestellt, die sie auch am ersten Spieltag segeln ließen. Nach diesem Prinzip rockten schon die Aufsteiger aus Bayern vom LSC und BYC im vergangenen Jahr die zweite Liga.

Viele Wechsel sind ein Problem

Der VSaW gehörte dagegen 2015 zu den Vereinen, die am häufigsten wechselten. Und er segelte deutlich an der angepeilten Champions League vorbei. Nun wird über eine Strategie-Änderung der Berliner gemunkelt. Das Team um Malte Kamrath ist in dieser Form ein heißer Titel-Kandidat und wird immer besser, je häufiger es zum Einsatz kommt.

Die krassesten Leidtragenden der Mehrfach-Wechsel-Strategie waren in der vergangenen Saison noch der Yacht Club Berlin Grünau. Die Berliner setzten 2015 die meisten Segler ein (16) (Analyse) und sie schafften trotz eines Jochen Schümanns nur ganz knapp die Rettung vor dem Abstieg.

Nun sieht es erneut sehr düster aus. Denn Schümann konnte am ersten Spieltag mit Rang 12 nicht besonders gut vorlegen. Starboot-Weltmeister Robert Stanjek wurde in Konstanz sogar Letzter. Er versuchte zwei Schüler in das Team einzubauen, segelte aber bei mehr als der Hälfte aller Rennen am Tampen. So war das sicher nicht gedacht.

Absteiger dominieren zweite Liga

Der Spielraum für Experimente scheint immer geringer zu werden. Und auch die Ergebnisse der zweiten Liga scheinen das zu bestätigen. Denn dort dominierten am zweiten Spieltag die erfahrenen Absteiger.

Gordon Nickel, eigentlich bester Steuermann der Segelkameradschaft “Wappen von Bremen”, hatte schon die Relegation wegen einer Abschlussprüfung verpasst und musste aus der Ferne zusehen, wie sein Verein als einziger Erstliga-Club aus der Relegation in die zweite Liga rutschte. Dann starteten die Bremer auch noch mit Rang 15 in die Saison. Nun konnte Nickel in Konstanz den Sieg einfahren.

Ähnlich erging es dem Bodensee-Yacht Club Überlingen, bei dem Starboot-Europameister Hubert Merkelbach wieder an der Pinne saß und Rang zwei erreichte. Im Laufe der Saison soll auch Andreas Buchert wieder in das Team integriert werden, der in der vergangenen Saison schmerzlich vermisst wurde.

Doch noch neue Gesichter

Dass auch der Nachwuchs seine Chance ergreifen kann, zeigten die Lokalmatadoren vom Konstanzer Yacht-Club, die erst nach den Finalrennen den Sieg und sogar die Podiumsplatzierung noch aus der Hand gaben. Sie segeln nun auch schon länger zusammen und setzen sich auf den Aufstiegsplätzen fest.

Ein neues Gesicht an der Spitze ist auch der ehemalige 470er Spitzensegler Jens Lehmann (31), der den Schweriner Yacht-Club bei seinem ersten Einsatz gleich auf Rang drei führte.

Die zweite Liga hatte in Konstanz darunter zu leiden, dass sich auf ihrer Rennbahn etwas außerhalb des Konstanzer Trichters weniger Thermik bildete als bei den Kollegen. So konnten zwei Flights weniger gesegelt werden.

Ärger durch das Zeiltimit

Eine besondere Unwucht kam in die Ergebnisliste, als im achten Rennen der blauen Gruppe gleich fünf Boote das Zeitlimit nicht schafften. Dem Hamburger Segel-Club gelang es knapp, die Richtzeit zu schaffen. Alle anderen fünf Boote wurden mit 7 Punkten für ein DNF gewertet.

Diese Wertung ist sicher regelkonform, aber bei dem Format der Bundesliga mit den Gruppenrennen sehr unglücklich. Denn alle nicht beteiligten Teams waren die Nutznießer. Ein solches Rennen hätte man wohl besser abbrechen sollen. So ist es kein Zufall, dass alle DNF gewerteten Boote in der Gesamtliste die letzten fünf Plätze belegen.

Die Rennen der 1. Liga am Tracker  (2. Liga wird nicht getrackt).

Ergebnisse 1. Liga Konstanz

Ergebnisse 2. Liga Konstanz

 

 

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Carsten Kemmling

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13 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Souveräne Titelverteidiger aus Bayern – Trend zu weniger Crew-Wechseln“

  1. avatar Lyr sagt:

    Betreff Abbruch der Wtf, dein letzter Absatz: Ich finde diese Regeländerung der WR wirklich mehr als unglücklich. Das kann und muss man anders regeln!

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    • avatar thorsten sagt:

      Welche Regeländerung meinst Du (ehrliche Frage)?

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      • avatar Lyr sagt:

        Aus der Segelanweisung zur Segelbundesliga:

        15.3. Boote, die nicht innerhalb von 5 Minuten, nachdem das erste Boot die Bahn abgesegelt hat
        und durchs Ziel gegangen ist, durchs Ziel gehen, werden ohne Verhandlung als ‘nicht durchs Ziel gegangen (DNF)’ gewertet. Das ändert WR 35, A4 und A5.

        Schon krass wenn das 85% des Feldes sind. Dann lieber komplett abbrechen!

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        • avatar Carsten Kemmling sagt:

          finde ich auch. gerade beim gruppensegeln ist das heftig, wenn es eben nicht alle betrifft

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          • avatar thorsten sagt:

            was würdet ihr denn stattdessen für eine regelung vorschlagen? irgendein zeitlimit muss es geben, damit ein rennen auch mal irgendwann endet, auch, wenn nicht alle boote gefinished haben, aus welchem grund auch immer..

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          • avatar Lyr sagt:

            Hi Thorsten,

            vielleicht ein Zusatz, der einen höheren Prozentsatz vorschreibt, der mindestens gewertet sein muss und ansonsten Abbruch halt.

            grüße Jan

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          • avatar segler sagt:

            Und wenn ein Team es schafft sich ein großen Vorsprung raus zu fahren. Wieso sollte das nicht gewertet werden? Klar manchmal ghört Glück dazu, aber so ist das halt…

            P.S. Nein ich gehöre nicht zu dem Verein welcher es als einziges ins Zeitlimti geschafft hat. Fände es nur fair wenn Leistung auch respektiert und gewertet wird.

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  2. avatar Silberbeil sagt:

    Das Label Bundesliga ist zwar sehr werbewirksam, aber eine Vereinsmeisterschaft findet sich in den Austragungsregeln noch nicht so recht wieder. Dazu müsste der Einsatz mehrerer unterschiedlicher Crews vorgeschrieben werden. Z. B. vielleicht Frauen, Jugend, Männer, Mixed etc.. Ansonsten ist es eben in Wirklichkeit nichts anderes als eine J70-Regattaserie in der sich auf Dauer die Spezialisten durchsetzen werden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 1

    • avatar Patrick Follmann sagt:

      Dieser Gedanke wurde schon mehrfach diskutiert. Man muss sich aber auch über die Folgen solcher Regeln Gedanken machen, denn letztendlich werden dadurch vor allem die großen Vereine profitieren, die in jeder der geforderten Kategorien gute Segler zur Verfügung haben. Aus meiner Sicht führt das am Ende nicht zum gewünschten Effekt.

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      • avatar Patrick Follmann sagt:

        Ich stelle mir gerade vor wie man das auf andere Sportarten zu übertragen kann.. mal angenommen man legt im Fußball, Volleyball, Basketball oder Eishockey fest, dass in der jeweiligen Vereins-Topmannschaft die Struktur der Mitglieder repräsentiert ist 😉

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        • avatar Silberbeil sagt:

          Aber Fußball, Volleyball etc. sind doch richtige Mannschaftssportarten die keine weitere Ausdifferenzierung haben. Da hat es ganz zweifeillos seine Berechtigung eine Bundesliga mit vielen darunterliegenden regionalen Ligen auszutragen.

          Regattasegeln ist eben viel mehr als nur J70 segeln und wenn man den Segelsport im Ligabereich schon auf eine Klasse reduziert, dann sollte man sich aus meiner Sicht langfristig schon überlegen wie man das ganze Format auf eine breitere Basis stellen kann, damit das ganze auch sportlich seine Berechtigung hat. Das man erstmal klein anfangen muss, dass kann ich ja noch verstehen.

          Dass letztendlich die Vereine profitieren, die in mehreren Kategorien gute Segler haben finde ich nur richtig.

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  3. avatar Stefan sagt:

    Das muss Liebe sein!

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  4. avatar umdiewettesegler sagt:

    gibts in Segeldeutschland eigentlich auch noch was anderes ausser Bundesligahype ?
    wir haben immerhin Olympiajahr und deutsche Segler am Start und wir haben sicher 50 Klassen in GER mit Klassenvereinigungen

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 3

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