Segel-Bundesliga: Touring Yacht-Club verteidigt knapp Titel – Drama um die Abstiegplätze

"Zu früh gefeiert"

Der Deutsche Touring Yacht-Club hat es noch einmal spannend gemacht, aber am Ende doch gewonnen. Platz zehn in Hamburg reichte, um die Schale vor dem siegreichen VSaW zu sichern. Die Schlüsselsituation.

Das DTYC-Team hängt sich am Ende noch einmal voll rein und macht doch noch den Sack zu. © Lars Wehrmann

Das DTYC-Team hängt sich am Ende noch einmal voll rein und macht doch noch den Sack zu. © Lars Wehrmann

Ein gutes Pferd spring nur so hoch, wie es muss. Nach diesem Motto hat der Deutsche Touring Yacht-Club beim Finale in Hamburg doch noch die Titelverteidigung geschafft. Platz zehn reichte den Bayern nach einem überragenden Jahr für den Gesamtsieg.

Julian Stückl, Patrick Follmann, Jonas Vogt und Luis Tarabochia waren auf dem 13. Platz in die finalen drei Rennen gestartet, und das hätte nicht ausgereicht, wenn der VSaW weiter in Führung geblieben wäre. Aber die Vorjahressieger fanden dann doch im richtigen Moment zurück zu ihrem “A-Game” und behielten die Nerven, als es wirklich drauf ankam.

Mit der finalen Serie 2/2/3 halten sie dann am Ende doch die Distanz mit drei Punkten Vorsprung zu Rang 12. “Ich glaube, wir haben dann doch etwas zu früh gefeiert”, meint Steuermann Stückl im SR-Interview. “Wir waren uns schon zu sicher. Nach Kiel hatten wir schon die rosarote Brille auf.”

Das sportliche Drama, das sich auf der Alster abspielte, war für die Segel-Bundesliga-Fans kaum zu glauben. Sollte der Meister, dessen Gegner sich beim vorletzten Event in Kiel schon verabschiedet hatten, tatsächlich noch in Bedrängnis geraten?

Immerhin hatte das Team zuvor die unglaubliche Serie von 2/1/6/1/1 bei den Liga-Stationen hingelegt und dann auch noch die Champions League gewonnen. Wie sollte da ein 13. Platz möglich sein? Und wie sollte der VSaW gewinnen, der in all den bisherigen Liga-Jahren kein einziges Event gewonnen hatte.

Guter Wind auf der Alster im Finale. © Lars Wehrmann

Guter Wind auf der Alster im Finale. © Lars Wehrmann

Aber genauso kam es. Der VSaW segelte einsam vorneweg und die Bayern gerieten sogar in Gefahr, vom direkten Gegner in die Zange genommen zu werden. Die Berliner hatten sich zur Mitte der Serie ein Polster von neun Punkten zu Rang zwei erarbeitet, als sie in den Rennen zehn und elf zufällig direkt auf ihre Gegner in der Gesamtwertung stießen.

Damit hätte die Möglichkeit bestanden, von der defensiven Zuschauer-Rolle zu einer aktiveren Strategie zu wechseln. Es wäre eine Überlegung gewesen, den Gegner in der Startphase auszubremsen, um ihm weitere Punkte aufs Konto zu schaufeln.

VSaW-Steuermann Malte Kamrath bekundet, dass diese Idee durchaus eine Rolle gespielt habe. Und Julian Stückl sagt, sie waren auf diese Strategie vorbereitet. Die Berliner entschieden sich schließlich dagegen, um ihren eigenen Vorsprung zu sichern. Aber in diesen beiden Läufen wurden sie 4. und 5. während die Bayern die Plätze 2/4 ersegelten.

Die Sieger der Liga 2016. © Lars Wehrmann

Die Sieger der Liga 2016. © Lars Wehrmann

Das war im Rückblick eine der Schlüsselsituation. Touring war wieder im Rennen, konnte Hoffnung schöpfen, Berlin hatte den Vorsprung an der Spitze verspielt und musste sich wieder auf das eigene Rennen konzentrieren.

“Wir haben uns auf den Regattasieg konzentriert”, sagt Taktiker Tim Elsner. “Endlich wollten wir mal auf dem Treppchen ganz oben stehen.” Und das hat schließlich auch geklappt. In den beiden Finalrennen bei starkem sehr drehendem Wind holte sich Berlin die Führung auf der Alster wieder zurück, die zwischenzeitlich an den Düsseldorfer Yacht-Club verloren war.

Traurige Gesichter gab es nicht. Zu gering war die Wahrscheinlichkeit und der Glaube daran, den Titel tatsächlich holen zu können. Und vermutlich hatte sich die Erkenntnis festgesetzt, dass es Rasmus ohnehin nicht zugelassen hätte, dem überlegenen Team der Saison so kurz vor der Ziellinie den Sieg zu verweigern.

Der VSaW freute sich über einen ganz starken Abschluss, das DTYC-Team über die unter dem Strich grandiose Saison und die Liga über das spannende Finale, dass besonders in der unteren Tabellenhälfte große Geschichten schrieb.

Der Düsseldorfer Yacht-Club verhindert mit einem Sstarken Finale di dritte Relegation in Folge. © Lars Wehrmann

Der Düsseldorfer Yacht-Club verhindert mit einem starken Finale die dritte Relegation in Folge. © Lars Wehrmann

So zeigte der Düsseldorfer Yacht-Club mit Jan-Philipp Hofmann seinem Bruder und Taktiker Nils-Hemming, Patrick Treichel und Alexander Swade nach zwei letzten Plätzen an den vergangenen beiden Spieltagen eine unglaubliche Leistungssteigerung mit Rang zwei. Mit diesem Endspurt schob sich das schwer abstieggefährdete Team noch auf Platz neun vor. Beide Saisons zuvor hatte der DYC jeweils extrem knapp auf Rang 13 beendet und dann erst über die Relegation die Klasse gehalten.

Ganz stark präsentierte sich am letzten Spieltag auch der Segel- und Motorbootclub Überlingen, der mit Tino Mittelmeier, Sven Heßberger, Frederik Schaal und Christian Zittlau auf Rang drei erstmals eine Podium-Platzierung erreichte und sich damit aller Abstiegsorgen entledigte.

Unglaublich knapp war es auch für den Wassersport-Verein Hemelingen mit Jan Seekamp, Björn Schütte, Jens Tschentscher und Tjorben Wittor. Am letzten Tag in Hamburg waren die Bremer in drei Rennen noch von Rang vier auf neun abgestürzt und wurden in der Gesamtliste schon auf Relegationsplatz 13 geführt punktgleich mit dem Berliner Yacht-Club.

Aber dann drehte sich das Classement noch einmal, weil zur Auflösung des Gleichstandes nicht der beste Einzelplatz zählt, sondern das Ergebnis im Finale. Steuermann Seekamp ärgerte sich noch über den letzten Tag, aber am Ende blieb die Freude über den hauchdünnen sicheren Klassenerhalt.

Ein Drama im letzten Rennen erlebte auch Laser-Olympionike Simon Grotelüschen, der seinen Lübecker Yacht-Club an den letzen beiden Spieltagen aus dem Tabellenkeller holen sollte. Mit Platz vier in Kiel bei seinem Ersteinsatz in der Saison schien das Unternehmen auf dem richtigen Weg. Und in Hamburg gab er zusammen mit 505er-Weltmeister Leon Oehme mächtig Gas.

Aber schließlich kam es im letzten Rennen darauf an, ob er das Finale der Top-Sechs schaffen würde, das eine weitere Verbesserung im Ranking ermöglicht hätte. Der NRV mit Johannes Polgar war im 15. Rennen der direkte Gegner für den Finaleinzug. Beide Teams duellierten sich um Rang zwei und drei. Mehrfach wechselte die Führung. Kurz vor der Tonne auf der zweiten Kreuz überließ der Lübecker den Hamburgern die rechte Seite und erwischte links nicht den erhofften Dreher. Der NRV zog vorbei, erreichte damit punktgleich Platz sechs und schob sich in zwei starken Finalrennen noch auf Platz vier vor.

Der Klub am Rupenhorn behauptet sich als Aufsteiger in der Liga aur Rang 11. © Lars Wehrmann

Der Klub am Rupenhorn behauptet sich als Aufsteiger in der Liga aur Rang 11. © Lars Wehrmann

Der Lübecker Yacht-Club dagegen manifestierte Rang sieben in Kiel, hatte keine Chance mehr, sich beim Finale in der Tabelle zu verbessern und landete auf Rang 14 in der Relegation.

Völlig unerwartet rutschte auch der Flensburger Segel-Club als 15. zu den Nachsitzern ab. Im Duell der Nordclubs verwies er zwar den Kieler Yacht-Club auf den direkten Abstiegplatz, nachdem das Team um Skipper Sven Koch eigentlich zeitweilig eine starke Serie hingelegt hatte. Aber eine unerklärliche Schwächephase mit drei letzten Plätzen zum Schluss ließ den rettenden 12 Platz außer Reichweite geraten.

Schwer in Tritt kam auch er Chiemsee Yacht-Club, bei dem die Drachen-LEgende Vincent Hoesch erstmalig in Kombination mit Taktikerin Tina Lutz angetreten war. Mit Platz 15 in Kiel musste der CYC aber noch auf den letzten Metern den NRV in der Gesamttabelle vorbeiziehen lassen, den Steuermann Johannes Polgar bei seinem ersten Saison-Einsatz mit einem starken Endspurt noch auf Rang vier auf dem Heimrevier platzierte.

Sehr schwierig verlief das Saisonfinale auch für die Aufsteiger vom Lindauer Segler-Club um die Hemmeter-Geschwister, die wie schon in Kiel auf Rang 14 landeten. Damit verloren sie überraschend noch den Championsleague Platz drei um einen Punkt an den Bayerischen Yacht-Club, der in Hamburg nach einem unglücklichen Finale den schon sicher geglaubten Podiumsplatz noch verlor.

Tina Lutz segelt mit Vincent Hoesch in Hamburg auf Rang 15. © Lars Wehrmann

Tina Lutz segelt mit Vincent Hoesch in Hamburg auf Rang 15. © Lars Wehrmann

Verlierer in Hamburg waren die drei Absteiger. Der Yacht-Club Berlin-Grünau hatte schon zuvor nicht mehr eine Chance geglaubt, die Relegation zu erreichen und auch die Seglervereinigung Itzehoe hätte schon eine extremen Leistungsseigerung zeigen müssen, um die Klasse zu halten. Aber für den Kieler Yacht-Club wäre zeitweilig mehr drin gewesen als Rang elf, was das zweitbeste Ergebnis der Saison war. Aber nun muss der große Nord-Club den beschwerlichen Weg in die Zweite Liga antreten.

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Crewliste Hamburg 2016

Live-Übertragung vom Finaltag:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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