Segel-Bundesliga Überlingen: Lokalmatadoren siegen – Lindau, Bayern, Lübeck steigen auf

So knapp war es

So knapp war es selten. In Überlingen entschieden kleine und große Dramen zum Schluss über Sieg und Niederlage, Auf- und Abstieg. Starke Aufsteiger schaffen die Entscheidung in der zweiten Liga. Der Deutsche Touring Yacht Club macht den Titel noch nicht vorzeitig klar.

Die letzte Leetonnenrundung im 35. und vorletzten Rennen des Zweitliga- Finals. Simon Grotelüschen hat für den Lübecker Yacht Club den zweiten Sieg in Folge nach Berlin so gut wie sicher. Er liegt direkt vor den ärgsten Widersachern vom Bayerischen Yacht-Club.

Dann ein Pfiff. Vom Schiri-Boot zeigt die rote Flagge auf die Lübecker. Ein 360 Grad Strafkreis ist fällig.  Die Bayern haben protestiert. Sie monieren ein Problem bei der Innenposition.

Grotelüschen kann es kaum glauben. Er zögert lange. Dann absolviert er die Drehung. Bitter. Drei Boote segeln vorbei. Der Sieg in Überlingen ist verpasst. Platz drei. Immerhin bleibt der Aufstiegsplatz erhalten.

Auf Messers Schneide

Solche großen und kleinen Dramen passieren am Sonntag Nachmittag überall auf der Bahn. Die letzten Rennen in Überlingen haben es noch einmal in sich. Die Lichter der Sturmwarnung blinken, die Großsegel der B/ones flattern im Überdruck, und die Ergebnisse stehen auf Messers Schneide. Die finale Phase der Entscheidungen spitzt sich zu.

So wie für den Mühlenberger Segel-Club. Platz eins im letzten Rennen würde ausreichen, um die Hamburger Nachbarn des Blankeneser Segel-Club svom Relegationsplatz sechs zu verdrängen. Und sie liegen als Zweite in bester Angriffsposition zu dem sicheren Absteiger aus Duisburg. Der führt überraschend, und konnte bis dahin nur einmal in den top zwei punkten. Da muss doch noch was gehen.

Ein Jibe Set an der Marke zum Angriff ist ein probates Mittel. Aber er führt die Hamburger diesmal auf die schlechtere Vorwind-Seite. Duisburg gewinnt und dem MSC rutschen kurz vor der Ziellinie sogar noch zwei Boote durch. Das ergibt Rang 6 in Überlingen und zwei Punkte Rückstand in der Tabelle auf Blankenese.

Zu starker Wind für HSC

Auch der Hamburger Segel-Club mit Silke Basedow (geb. Hahlbrock) am Steuer segelt glücklos im Finale. Der starke Wind passt der leichten Crew, die noch zum Auftakt in Starnberg gewonnen hatte, überhaupt nicht. Aber Platz fünf am Bodensee würde ausreichen für den direkten Aufstieg. Sie sind dran vor den letzten beiden Rennen. Aber ein verpatzter Start im vorletzten Lauf, eine problematische Startkreuz im finalen Rennen ergeben zweimal die volle Punktzahl und das Abrutschen auf Rang 12.

Nur die Spitzenteams der zweiten Liga segeln am Bodensee so dominant, wie in der gesamten Saison. Am Aufstieg des Lindauer Segler-Clubs gab es nie einen Zweifel. Und die Hemmeter Geschwister bestätigt die Spitzenstellung mit einem punktgleichen zweiten Platz hinter dem Bayerischen Yacht-Club als Sieger von Überlingen.

Damit schafften beide bayerischen Vereine den direkten Aufstieg. Und beide sind so gut besetzt, dass sie auch in der ersten Liga eine gute Rolle spielen sollten. Besonders der BYC hat sich viel vorgenommen. Das Duo aus Philipp Hiebler am Steuer mit dem erfahrenen Taktiker Andreas Plettner funktioniert bestens. Als Coaches wurden Schümann und Jablonski engagiert. Und es wird gemunkelt, dass in der nächsten Saison Jablonski auch an Bord eine große Rolle bei den Überlegungen des BYC spielen soll.

Die erste Liga

Auch in der ersten Liga liefert der Spieltag in Überlingen Dramatik pur. Das Zeitlimit von 15 Uhr schien abzulaufen, und der VSaW stand in der Tabelle von Überlingen ganz oben. Aber dann passte doch noch das Rennen 34 (Tracker) in den Ablauf. Und drei der vier top Teams stehen sich gegenüber.

Die Entscheidung für den ex Laser Crack Malte Kamrath mit seinem Team scheint kurz nach der letzten Luvtonnenrundung zu fallen. Der VSaW überholt den einheimischen Segel- und Motorboot Club Überlingen direkt nach dem Setz-Manöver nach einem gewonnenen Luvkamp. Steffen Heßberger und seine Crew fallen von Rang drei auf fünf zurück und müssen weghalsen.

Aber diese Halse führt sie auf die bessere mittlere Vorwind-Seite der Bahn. Sie holen auf., rutschen an die Kollegen vom Bodensee Yacht Club Überlingen heran, passieren den Württembergischen Yacht Club und lassen den VSaW liegen.

Das Finale ist dramatisch. Drei Boote gehen nahezu gleichzeitig über die Linie, der SMCÜ liegt Zentimeter vor den Kollegen aus Überlingen, und das ist der entscheidende Punkt zum Sieg auf dem Heimatrevier.  Auch der VSaW hat noch Glück im Unglück, weil die Berliner Kollegen vom Müggelsee auf der Linie noch abgefangen werden. Sonst wäre sogar das Podium futsch gewesen. Nur zwei Punkte liegen zwischen Rang eins und vier.

Heimsieg für den Aufsteiger aus Überlingen. © Sven Jürgensen/DSBL

Heimsieg für den Aufsteiger aus Überlingen. © Sven Jürgensen/DSBL

Für die Gesamtwertung hat der Deutsche Touring Yacht Club den Sack noch nicht vorzeitig zumachen können. Mit Platz acht segelte die Crew vom Starnberger See das schlechteste Saisonergebnis ein. Aber sie nimmt einen komfortablen elf Punkte-Vorsprung mit zum Finale nach Hamburg.

Doppel-Penalty-Drama für Berliner Yacht-Club

Den müssen sie gegen den Berliner Yacht Club verteidigen, der eigentlich am Bodensee das überragende Team war. Max Nickel – Sven Rüggensieg – Heiner Wilkens – Philip Raabe strecken erst im vorletzten Rennen die Waffen, als sie in führender Position mit einem Doppel-Penalty bestraft werden.

Beim Unterwenden der Bremer grün) fangen sich die Berliner im vorletzten Rennen einen Penalty ein.  Sie hätten nur dritte werden müssen für den Gesamtsieg werden danach aber Letzte.

Beim Unterwenden der Bremer grün) fangen sich die Berliner im vorletzten Rennen einen Penalty ein.

Knapp verpassen sie die Anliegelinie zur Luvtonne müssen zweimal wenden, kommen dabei den Bremern ins Gehege und sehen die rote Flagge.

Für den Gesamtsieg müssten sie in diesem Lauf nur dritte werden, fangen sich aber sechs Punkte ein.  Denn beim Ausführen der Strafe behindern sie ausgerechnet den Touring Yacht Club, dem sie den Meistertitel noch streitig machen können. Diese weitere Strafe beraubt die Berliner aller Siegchancen und so fehlen ihnen als vierte in Überlingen am Ende nur zwei Punkte zum Sieg.

Der Doppelpenalty für die Berliner, der sie den Sieg, das Podium und vielleicht sogar den möglichen Meistertitel kostet.

Der Doppelpenalty für die Berliner, der sie den Sieg, das Podium und vielleicht sogar den möglichen Meistertitel kostet.

Mit einem Sieg wären sie in der Gesamtwertung auf sieben Zähler an den möglichen Titelgewinn heran gekommen. So müssen sie in Hamburg überwiegend mit dem NRV um den Vize-Titel kämpfen. Der Hamburger den Nachwuchs-Steuermann Florian Haufe legte ein starkes Debüt auf Rang sechs hin.

Zwei Absteiger stehen fest

Schwer geschlagen werden wie beim vergangenen Spieltag wieder einmal die beiden Nordklubs aus Flensburg und Kiel. Sie sind mit den Rängen 13 und 11 in der Gesamtwertung auf fünf und sieben zurückgefallen und haben im Kampf um die drei Champions League Plätze einen Rückschlag erlitten.

Im Aufwind sind dagegen die Aufsteiger aus dem Süden. Sensationell hat sich der Münchener Yacht Club mit der Crew Kai Niederfahrenhorst – Manuel Zwinz – Max Adami – Marc Anschütz gesteigert und landete diesmal auf Platz zwei. Auch der SMCÜ sah nach den beiden Auftakt-Spieltagen wie ein Absteiger aus, und nun greift er als Gesamt-Vierter die Champions League Plätze an.

Der dritte Aufsteiger vom Segelklub Bayer-Uerdingen hat es dagegen nicht geschafft. Schon vor dem Finale steht er nach vier letzten Plätzen deutlich als Absteiger  fest, genauso wie der Konstanzer Yacht Club für den auch Tino Ellegast in Überlingen die Kohlen nicht aus dem Feuer holen konnte. Auch für den Bodensee Yacht Club Überlingen wird es schwer. Der Rückstand zum Relegationsrang 15 beträgt schon zehn Punkte.

Dort befindet sich der illustre Yacht Club Berlin Grünau. Ihm fehlen auch zehn Zähler, um die drei Relegationsränge zu verlassen. Ob es Jochen Schümann glückt, das Unmögliche in Hamburg zu schaffen?

Ergebnisse erste Liga

Crewliste erste Liga

Ergebnisse zweite Liga

Crewliste zweite Liga

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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