Segel Etikette: Schreierei auf der Bahn – Teufel an die Kette

Genug gebrüllt

Am Wochende geht es wieder los. Frühjahrs Verbandsregatta im Drachen. 48 Meldungen. Dazu ein Text, den ich im Winter aus gegebenem Anlass für unser Clubjournal schreiben sollte. Vielleicht trifft die Situation auch für andere Reviere zu.

Diese hübschen friedlichen Segelboote...

Diese hübschen friedlichen Segelboote…

Dieses Teufelchen steckt in uns allen. Es fristet sein Dasein in irgendeinem unwirtlichen, dunklen Körperwinkel und hat dort nicht viel zu lachen. Kein Wunder, dass es destruktiv  veranlagt ist. Es hetzt auf,  lässt aufbrausen, die Stimme erheben und verbreitet Jähzorn.

Meistens hat man es im Griff. Selten findet es Gehör. Gerne beim Autofahren oder dem Zwiegespräch mit dem nicht funktionierenden Computer. Aber immer häufiger auch beim Drachensegeln auf der Alster. Es gibt Beschwerden, dass in letzter Zeit auf der Regattabahn mehr gebrüllt, geschrien und gepöbelt worden sein soll als bisher.

Es heißt, dass die Sitten verrohen.

[ds_preview] (Ab hier Text für SR-Mitglieder)

War der Teufel nicht an der Kette?

Mir selber fährt der Schreck in die Glieder bei diesem Thema. Bin ich selber auffällig geworden? Ist das Teufelchen unbemerkt nicht an der Kette gewesen?

Nun ist es ja bei Wettkämpfen im Allgemeinen und beim Regattasegeln im Speziellen so, dass man im Eifer des Gefechtes nicht immer so ruhig und bedächtig reagiert, wie man es gerne von sich selber wünscht. Das liegt eben an diesem verdammten Teufel.

Aber es geht wohl nicht um die Situationen, bei denen man klar und deutlich seine Vorfahrt kund tut. Vielmehr sollen Vorfälle beobachtet worden sein, bei denen sich Crews mit unflätigsten Beschimpfungen traktierten.

Von der Bahn geschnauzt

Bei der Wirtschaftsregatta sei es teilweise sehr peinlich vor den Gästen geworden. Und auch einige Neulinge bei den Donnerstag-Regatten sind schon sehr verschreckt von der Bahn geschnauzt worden.

Dabei gibt es bei Segelregatten – Teufelchen hin oder her – eigentlich keinen Grund, die Stimme zu erheben. Den Disputen liegen nahezu ausschließlich unterschiedliche Meinungen zum Regelwerk zugrunde und dieses ist im Segelsport sehr klar organisiert.

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, muss nicht grölen. Er kann sehr leise seine Protestflagge hissen und sollte auch in der folgenden Verhandlung auf keifen, kreischen oder krähen verzichten. Das Recht spricht eine dritte Partei, die Jury. Über die kann man sich dann ärgern, unter den Seglern muss es keine Verstimmung geben. So ist es gedacht.

Nun ist es bei vielen Regatten so, dass es sich nicht schickt, zu protestieren. Aus irgendeinem Grund hat sich die Meinung durchgesetzt, dass ein Protest ehrenrührig ist. Es ist ja auch nervig, nach dem Rennen vor der Jury noch mal sein Recht durchsetzen zu müssen, wenn man eigentlich zum Bier greifen möchte. Aber diese besondere Konstellation sorgt eben für den Unmut.

Fehler passieren

Auch diese Zeilen werden wohl nichts an dieser Protest-Praxis ändern. Und dennoch passieren auf Regattabahnen Fehler. Im Drachen-Feld vielleicht noch öfter als bei anderen Klassen. Das Schiff ist einfach schwerfälliger.

Für einen solchen Fall ist der Strafkreis gedacht, mit dem man sich entlasten kann. Dabei sollte es eigentlich ziemlich ehrenhaft aussehen, wenn man auf diese Weise einen Fehler zugibt. Aber auch der 360 Grad Kringel kommt relativ selten zum Einsatz. Man macht ihn wohl auch ungern, wenn man angemotzt wird.

Wie kommen wir nun weiter? Direktes Schiedsrichtern auf dem Wasser wäre praktisch. Unter anderem zeigen die Bundesliga-Regatten, wie angenehm das ist. Aber das ist bei großen Flotten nicht zu leisten.

Muss es dann einen neu formulierten Verhaltenskodex geben?  Reicht wirklich die gute Kinderstube und die Kenntnis von Beschwerden und Unbehagen vieler Segler nicht aus, um weitere Eskalationen auf dem Wasser zu vermeiden? Hilft nicht schon der Apell, diesem nervigen Teufel weniger Gehör zu schenken und gesitteter über die Alster zu messern?

Vielleicht leitet die eine oder andere Crew den Selbstreinigungsprozess auch einmal durch einen Protest ein. Aber wehe, der richtet sich gegen uns. Den schreie ich von der Bahn…Ooops  🙂

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „Segel Etikette: Schreierei auf der Bahn – Teufel an die Kette“

  1. avatar Walter Baudisch sagt:

    Nun ja, ich hatte Gelegenheit, in verschiedenen Bootsklassen Regatten zu segeln, gelegentlich auch “dicke Piste”. Ich stelle fest, dass es deutliche Unterschiede zwischen verschiednenen Klassen gibt, und ich segle am liebsten in denen, wo Strafkringel und eine persönliche Entschuldigung eine Selbstverständlichkeit sind – so z.B. (auch mir) passiert am letzten Wochenende.
    Bei den Drachen war das anders….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *