Selbstmord: Rätsel um Tod des Segel-Teenagers Jessica Eales

Tragödie

Die britische Segelszene ist in Trauer, seit Jessica Eales einen Tag nach ihrem 17. Geburtstag offenbar Selbstmord begangen hat. Vor einem Monat vertrat das Talent sein Heimatland bei den ISAF Youth Worlds in Portugal.

Selbstmord

Jessica Eales, britische Jugendmeisterin 2014. © RYA

Familie und Freunde stehen vor einem Rätsel. Warum hat sich Jessica Eales umgebracht? Die erfolgreiche 29er Seglerin, die bei den Youth Worlds im SL16 Katamaran für England antrat (Platz 11) und im April nationale Jugendmeisterin geworden war, war erhängt in einem Waldstück nahe ihres Wohnhauses in Sway bei Lymington gefunden worden.

Am Tag zuvor hatte sie ihren 17. Geburtstag mit Freunden gefeiert und zahlreiche Fotos auf Facebook gepostet. Auch gab es keine Probleme in der Schule. Eales soll eine sehr gute Schülerin gewesen sein. Aber sie hinterließ in ihrem Schlafzimmer einen kurzen Abschiedsbrief. “Sorry, ich liebe euch von ganzem Herzen.”

Die ratlosen Eltern haben gegenüber britischen Medien vermutet, dass ein Anti-Akne-Medikament für das Unglück verantwortlich sein könnte. Vor vier Monaten habe Eales Dianette verschrieben bekommen. Als Nebenwirkungen sollen Depressionen auftreten können.

Aber der mit dem Fall befasste Gerichtsmediziner schließt gegenüber der IBTimes eine Verbindung des Medikaments mit dem Tod aus. In sechs Monaten hätten Familie oder Freunde mögliche negative Wirkungen auffallen müssen.

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17 Kommentare zu „Selbstmord: Rätsel um Tod des Segel-Teenagers Jessica Eales“

  1. avatar Jesko sagt:

    Liebe Segelreporter,

    Ihr seid professionelle Journalisten. Bitte bedenkt, dass jede Berichterstattung über Suizid, insebsondere bei Nennung der Identität, Geschlecht, Alter und näherer Umstände Folgesuizide nach sich ziehen kann. Die Verstorbene mag einem Teil der Segler-Szene in Deutschland bekannt gewesen sein, auch scheinen die (selten besonders ethisch agierenden) britischen Medien in aller Ausführlichkeit über den Fall berichtet zu haben;

    Dennoch möchte ich an Eure Verantwortung appellieren, die Gefahr berichtsinduzierter Suizide ernst zu nehmen.

    Im deutschen Pressekodex lautet die Richtlinie (8.7) zu diesem Thema:

    “Richtlinie 8.7 – Selbsttötung
    Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.”

    Mit dem Thema erfahrene Psychiater empfehlen:

    “Wie Medien über Suizide berichten sollten, um Nachahmungstaten zu vermeiden:

    Sie sollten jede Bewertung von Suiziden als heroisch, romantisch oder tragisch vermeiden, um möglichen Nachahmern keine post-mortalen Gratifikationen in Form von Anerkennung, Verehrung oder Mitleid in Aussicht zu stellen.

    Sie sollten weder den Namen der Suizidenten noch sein Alter und sein Geschlecht angeben, um eine Zielgruppen-Identifizierung auszuschließen.

    Sie sollten die Suizidmethode und – besonders bei spektakulären Fällen – den Ort des Suizides nicht erwähnen, um die konkrete Imitation unmöglich zu machen.

    Sie sollten vor allem keine Informationen über die Motivation, die äußeren und inneren Ursachen des Suizides andeuten, um so jede Identifikations-Möglichkeit und Motivations-Brücke mit den entsprechenden Lebensumständen und Problemen des Suizidenten vermeiden.”

    Mehr Informationen hierzu: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psyc…/werther.html

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    • avatar Tango sagt:

      Ich finde den SR-Artikel OK.

      Die Befürchtung, dass es aufgrund dieses Artikels zu Nachahmungstaten kommen könnte, ist m.E. abwegig.

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      • avatar neene sagt:

        Sagst Du als Hobbypsychologe oder was?? Vorsicht, Brauner. Glatteis in Sicht…

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        • avatar Tango sagt:

          Ursachen und Auslöser für suizidales Verhalten kannst Du u.a. hier nachlesen:

          http://www.teachsam.de/pro/pro_selbsttt/pro_selbsttt_2_4.htm


          – Depressive Zustandsbilder

          – Drogenabhängigkeit im weitesten Sinne

          – Suizidale Krisen und Suizidversuche in der Vorgeschichte; auch: Suizide in der Herkunftsfamilie und in der nahe stehenden Umgebung (vgl. Wolfersdorf 2002, S. 137)

          – Persönlichkeitsstörungen und neurotische Störungen

          – Schizophrenieerkrankungen

          – Schwierige soziale Situation wie z. B. Isolation und Vereinsamung im Alter, Langzeit-Arbeitslosigkeit, Zugehörigkeit zu bestimmten Randgruppen in der Gesellschaft, die von einer besonders hohen Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit gekennzeichnet sind

          – Biologische und soziale Krisenzeiten, die ein hohes Maß an Veränderungen abverlangen; traumatische Krisen, die mit Gefühlen des Ausgeliefertseins oder eines bevorstehenden Untergangs einhergehen; Katastrophen; Schicksalsschläge, die als existenzbedrohend erlebt werden; biografische Wendepunkte und Schwellenphänome ( vgl. u. a. Empfehlungen zur Diagnostik … 2005)”

          Das Lesen des SR-Artikels zählt mit Sicherheit nicht dazu, zumal der SR-Artikel keinen Anlass zu einer Identifikations-Möglichkeit bietet.

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          • avatar Jesko sagt:

            Die Identifikationsmöglichkeit liegt ist sehr wohl gegeben. Alter, Geschlecht, sogar ein Foto, Suizidart, die Art des betriebenen Leistungssports bieten eben genau die notwendigen Angaben für eine Identifikation.

            Die beiden Artikel schließen einander inahltlich nicht aus. Im Gegenteil: Die beiden Artikel berufen sich neben anderen sogar auf eine identische Quelle (Wolfersdorf 2002).

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          • avatar Tango sagt:

            @Jesko

            Da die Gründe des Suizides unbekannt sind, kann´die von Dir genannte Identifikationsmöglichkeit verneint werden.

            Dass durch einen Suizid Probleme lösbar seien, ist dem Artikel beim besten Willen nicht zu entnehmen. Stattdessen ist das Gegenteil der Fall.

            Die von Dir zum Ausdruck gebrachten Ängste scheinen mir doch sehr übersteigert zu sein und vom Normalen abzuweichen.

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          • avatar Müller Meier Hohenstaufen sagt:

            Subsumieren üben wir lieber nocheinmal lieber Tango

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  2. avatar dubblebubble sagt:

    Sie war – auf dem Weg zum – Promi. Da ist bei der Presse vorbei mit Anstand.

    Traurig wenn jemand dem die Welt offen steht, keinen Ausweg sieht.

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  3. avatar Jesko sagt:

    @Tango

    Und wenn doch? Suizid ist selbst meist abwegig. Der Link ist in meinem Kommentar zerstückelt. hier noch mal ohne die Endung . html . Lesen Sie das ruhig mal.

    http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/werther

    Und denken Sie meine Frage ruhig zu Ende. Und was, wenn doch? Der Effekt ist empirisch bewiesen…

    @dubblebubble:

    Sie war ein junges Mädchen, einen Tag nach ihrem 17. Geburtstag. Zufällig auch eine gute Sportlerin. Der Effekt tritt aber auch und gerade bei “Promis”, (Presserechtlich: Personen der Zeitgeschichte) zu. Auch darauf geht der Artikel von Prof. Faust ein. – Aber Sie haben wohl Recht.

    Ja, sie war eine “prominente” Seglerin. Ja, das ist aus journalistischer Sicht eine Meldung. Ja, das gibt Klicks.

    Der Artikel geht auch auf das Spannungsverhältnis zwischen dem Auftrag der Presse und dem Schutzbedürfnis erstens der betroffenen Person, zweitens suizidgefährdeter Leser ein.

    Es ist nicht einfach. Meine Bitte geht an die Segelreporter, verantwortlich mit der eigenen Berichterstattung umzugehen.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      schwieriges und trauriges thema. den hinweis auf verantwortlichkeit finde ich angemessen. dem versuche ich bei der täglichen arbeit nachzukommen. das abwägen zwischen meldung oder nicht, ist manchmal schwierig. auf die idee eines nachahmer effekts wäre ich in diesem fall allerdings nicht gekommen.

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      • avatar Jesko sagt:

        Danke für die Antwort! Sicher ist das Ganze auch eine Fragestellung, mit der man sich im Sportjournalismus sicher nicht täglich beschäftigt. Und natürlich ist es erstmal eine Meldung. Obwohl ich mich gar nicht für den Regatta-Sport interessiere, kannte ich das Gesicht des Mädchens auch. Die Relevanz der Meldung, als journalistisches Kriterium, ist ja sicher gegeben.

        Es liegt für den Otto-Normalverbraucher auch nicht gerade auf der Hand – aber lass doch mal eine blonde, 17jährige mit depressiver Verstimmung, die vielleicht noch von den Erwartungshaltungen, die in Schule und im Sport (nehmen wir mal an, sie sei – wie Jess – Regatta-Seglerin) an sie herangetragen werden. Und dann geht so ein Fall durch die Medien. In England ist das ja groß und breit geschehen. Sie sieht das Bild der Verstorbenen (was grundsätzlich kritisch zu beurteilen ist), die Suizidart-Erhängen wird erwähnt, im Waldstück nahe des Hauses, das Facebook-Profil des Mädchens wird erwähnt (es existiert noch und man kann es besuchen…) Das ist exakt das, was die Gefahr dessen ausmacht, was in dem verlinkten Artikel als “Zielgruppen-Identifikation” bezeichnet wird.

        Die Frage ist ja auch weniger, ob man sich das vorstellen kann, sondern ob man es ausschließen kann. Und das kann man halt nicht.

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  4. avatar RVK sagt:

    @Jesko: mit der wissenschaftlichen Erfahrung kann es ja nicht weit her sein, wenn man meint, dass sich etwas empirisch beweisen lässt…

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    • avatar Jesko sagt:

      “Nachahmungseffekt gesichert

      Der Nachahmungseffekt gilt inzwischen wissenschaftlich als statistisch belegbares Phänomen. Natürlich wurde er auch in Frage gestellt und zwar nicht nur mit fadenscheinigen Abwehr-Kommentaren, sondern auch mit ernsthaften Gegen-Argumenten.

      So wurde beispielsweise behauptet, dass durch die Medienberichterstattung lediglich diejenigen Suizide vorzeitig ausgelöst worden seien, die sich über einen längeren Zeitraum ohnehin ereignet hätten. Der “Werther-Effekt” stelle damit eigentlich nur eine kurzfristige Gefährdung für seelisch verwundbare Gruppierungen dar. D. h.: Wer schon zuvor auf “dünnem Eis gestanden sei”, könne – zugegebenermaßen – jetzt auch einbrechen, was später aber ohnehin gedroht hätte. Langfristig aber könne man deshalb nicht von einem medien-induzierten Ansteigen der Suizidrate sprechen.

      Diesem Einwand wurde wissenschaftlich nachgegangen. Das war nicht schwer. Denn wenn die Medienberichterstattung tatsächlich nur zu einem vorzeitigen Ausklinken von Suiziden führen würde, müsste sich in den folgenden (drei bis vier) Monaten nach der angestiegenen Suizidrate ein Rückgang verzeichnen lassen. Die suizidal Bedrohten wären ja dann nicht mehr am Leben.

      Doch weder in den USA noch in Deutschland konnte man nach dem Anstieg ein überproportionales Absinken der Suizidrate feststellen. Man muss also davon ausgehen, dass es die Medienwirkung ist, die diese Menschen zu einer solchen Tat verleitet. Dabei trifft es sowohl solche, bei denen gewisse seelische oder psychosoziale Voraussetzungen gegeben sind, aber wohl auch andere, die ohne eine solche “Suizid-Induktion” kaum Hand an sich gelegt hätten.

      Deshalb auch die hart erscheinende wissenschaftliche Schlussfolgerung: “Es besteht kein begründeter Zweifel mehr, dass die Medien zu Selbstmorden beitragen” und: “eine unreflektierte Berichterstattung wird zwangsläufig zu weiteren Selbstmorden führen”.

      Das sind deutliche Worte, die entsprechende Überlegungen und letztendlich Konsequenzen fordern.”

      Quelle: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/werther.html

      Wikipedia zu Empirie:

      “Unter Empirie (von gr. εμπειρία empeiría ‚Erfahrung, Erfahrungswissen‘) wird eine im Labor oder im Feld durchgeführte methodische Sammlung (oft Erhebung) von Daten verstanden. Auch die Ergebnisse solcher Forschungen, also Erkenntnisse aus empirischen Daten, werden manchmal kurz als Empirie bezeichnet. In der Wissenschaftsphilosophie wird der Empirie als Erfahrung, die zu einer Hypothese führt oder sie bestätigt, die Evidenz, also die unmittelbare Einsichtigkeit einer wissenschaftlichen Behauptung, gegenübergestellt.

      Empirische Forschung unterscheidet sich von der lebensweltlichen Erfahrung durch die Systematik des Vorgehens – man spricht auch von der Erhebung von Daten – und durch die Forderung nach Objektivität und Wiederholbarkeit der Beobachtungen, die an Alltagserfahrungen in dieser Form nicht gestellt wird. In den Erfahrungswissenschaften dienen empirische Beobachtungen dazu, theoretische Annahmen über die Welt zu überprüfen. Ob darüber hinaus auch Theorien anhand empirischer Daten entwickelt werden können, ist teilweise strittig. Das genaue Verhältnis von Empirie und Theorie wird in der Wissenschafts- und, allgemeiner, in der Erkenntnistheorie behandelt und ist hier Gegenstand zahlreicher philosophischer Kontroversen. Es gibt in der Wissenschaft keine einheitliche Meinung, ob sich theoretische Aussagen empirisch sicher bestätigen oder nur prinzipiell widerlegen lassen”

      Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Empirie

      Die Verwendung des Begriffs Empirie bietet also zugegebenermaßen Raum für Klugscheißerei in der von Dir getätigten Art, was dem Thema aber m.E.n. alles andere als angemessen ist.

      Schönen Gruß.

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  5. avatar Müller Meier Hohenstaufen sagt:

    Ekelhaftes Bildniveau… Schade Segelreporter, das war mal wieder nichts. Diese Art von Berichterstattung sorgt dafür, dass ich nie in den club eintreten werde.

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