Sexuelle Belästigung: Annemieke Bes äußert sich – “Einige finden das witzig, andere nicht”

"Sie haben mich nie dazu gefragt"

Die Segelwelt diskutierte, ob ein Video von Bord des Scallywag-Teams die Holländerin Annemieke Bes (39) beleidigte. Nun meldet sich von Bord etwas verspätet die Betroffene zu dem Thema.

Skipper Witt und die Holländerin Annemieke Bes © Konrad Frost/VOR

Auf der dritten Etappe des Volvo Ocean Races lieferte ein Video Gesprächsstoff, bei dem es um sexuelle Belästigung gehen sollte. Die damals einzige Seglerin an Bord von Sun Hung Kai Scallywag wurde vor der Kamera vom Skipper gebeten, den “Ausschlag am Skrotum” von Navigator Steve Hayles zu behandeln.

Es sollte wohl ein derber Spaß unter Seglern sein, aber der Fall schlug so hohe Wellen, dass sogar von dritter Seite ein Verfahren gegen Skipper und Navigator wegen unangemessenen Verhaltens (Regel 69) angestrengt wurde. Eine Jury musste zusammentreten, aber sie wies den Protest zurück. Der Navigator ging dennoch von Bord, bevor es eine Entscheidung gegeben hatte.

Witt nimmt Navigatorin an Bord

Man hätte denken können, dass in der Angelegenheit die betroffene Holländerin eine Stimme haben sollte. Aber die erklärt jetzt gegenüber dem australischen Journalisten Rob Kothe, dass sie gar nicht dazu gefragt wurde, ob sie sich sexuell belästigt fühlte.

Skipper David Witt geriet auch deshalb als vermeintlicher Frauen-Gegner ins Schussfeld, weil er zuvor erklärt hatte, die in der neuen Mixed-Regel vorgesehene Frauen-Quote nicht ausnutzen zu wollen. Erst plante er ganz ohne weibliche Hilfe nur zu siebt zu segeln, dann nahm er doch Annemieke Bes an Bord, die sich kurzfristig vom AkzoNobel-Team getrennt hatte. Immer noch war er damit ein Segler weniger an Bord als bei der Konkurrenz und er räumte inzwischen ein, dass sich der vermeintliche strategische Vorteil, den er durch das geringere Gewicht erhoffte, nicht eingestellt hat.

Auch deshalb ist bei der aktuellen Etappe mit Libby Greenhalgh eine zusätzliche Frau dabei. Dass sie ausgerechnet die Schlüsselposition des Navigators besetzt, dürfte zeigen, dass Witt nicht generell etwas gegen Frauen hat.

Annemieke Bes nicht gefragt

Annemieke Bes hat jetzt klar gestellt, dass sie das auch nie so empfunden hat. Die dreifache Olympia-Teilnehmerin zweifache Sydney-Hobart- und Fastnet-Absolventin sagt, dass das Video ihr kein Unbehagen bereitet habe. “Es war mehr wie ein Witz, wie sie auf Booten vorkommen. Einige finden das witzig, andere nicht.” Sie habe sich das Video noch einmal an Land angesehen und immer noch kein Problem entdeckt. “Mich hat nur beleidigt, dass man davon ausging, ich sei sexuell belästigt, mich aber niemand gefragt hat.”

Generell sei es doch Klasse, dass gerade so viele Frauen im Volvo Ocean Race segeln. Die Qualität sei enorm gestiegen. “Idealerweise werden in der Zukunft nicht mehr solche Fragen über Frauen an Bord gestellt, weil es dann nicht mehr interessant ist, sondern normal, dass wir in Mixed Teams auf der höchsten Ebene unseres Sports segeln.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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