Sir Ben Ainslie: Ärger über die Weltrangliste – Europa Liga macht Weltcup Konkurrenz

Kritik vom Ritter

Ben Ainslie eröffnet nach seinem Ritterschlag die Diskussion über eine anerkannte Rangliste für die olympischen Segelklassen. Erster Weltcup in Melbourne war eine Farce.

Ben Ainslie sagt dem Olympischen Segeln Servus.

Ben Ainslie sagt dem Olympischen Segeln Servus. © onEdition

Für Ben Ainslie mag die jüngste Auszeichnung als britischer Segler des Jahres nicht die große Überraschung gewesen sein, nachdem der erfolgreichste Olympiasegler aller Zeiten schon folgerichtig zum ISAF Rolex World Sailor of the Year gewählt und Ende des Jahres auch zum Ritter geschlagen worden war. Aber sie vervollständigt für den Finn Segler Briten eine perfekte Saison, die er mit dem Rücktritt vom Olympischen Segelsport beendete.

Spannender sind die Gedanken zum aktuellen Status des Olympiasegelns, die er bei einer Rede während des World Yacht Racing Forums hielt und nun öffentlich machte. Dabei kritisiert er unter anderem das Weltranglisten-System der ISAF.

Er wundert sich darüber, dass er  am Ende der Saison auf Platz 13 liegt, obwohl er 2012 Weltmeister und Olympiasieger wurde. “Ironischerweise ist derjenige, der Olympia auf Platz 13 beendete die Nummer eins in der Welt. Das zeigt die Situation”.

Ainslie fragt: “Warum kann die Weltrangliste nicht auch in unserem Sport einmal etwas bedeuten? Warum zählt sie nicht zum Beispiel für die Olympiaqualifikation?” Er wisse, dass das Problem nicht neu ist. Die ISAF  arbeitet schon länger daran. “Aber ich denke, wir müssen härter arbeiten. Für einen Tennisspieler bedeutet es auch etwas, wenn er  die Nummer eins der Welt ist.”

Moana Delle führt in der Weltrangliste

Ainslies Aussage schmälert aktuell den Wert der Top-Platzierungen, die DSV und STG gerade bejubeln. Drei deutsche Boote liegen unter den Top drei. Moana Delle führt die Weltrangliste bei den Surferinnen an, Philipp Buhl ist zweiter bei den Lasern und auch Schadewaldt/Baumann sind laut dieser Wertung das zweitbeste 49er Team der Welt.

Natürlich stecken dahinter Top Platzierungen bei internationalen Wettkämpfen. Aber eine gewisse Schieflage im Olympiajahr ist auch bei den Athleten selber längst bekannt. Die Orientierung im olympischen Segelsport ist seit langer Zeit ein Problem. Olympia ist alle vier Jahre wichtig und außerdem die Welt- und Europameisterschaften, bei denen Plätze im Olympiakader vergeben werden.

Da spielt eine Weltrangliste ebenso keine Rolle wie die Weltcup-Wertung, die inzwischen endgültig zur Farce verkommen ist. Seit die großen Olympia-Klassen-Regatten wie Kieler Woche und die ehemapige SPA-Regatta in Medemblik nicht mehr im Weltcup-Programm auftauchen, hat diese Wertung vollends an Bedeutung verloren.

Mal eben nach Übersee jetten

Die erste Weltcup Regatta der neuen Machart hat vom 2. bis 8. Dezember 2012 in Melbourne stattgefunden. Aber außer den Australiern selbst war kaum jemand am Start. Das gleiche Szenario droht dem zweiten Weltcup in Miami, der vom 26. Januar bis 2. Februar stattfindet. Nur wenige Europäer werden im nacholympischen Jahr Kosten und Mühen auf sich nehmen, um ihr Material nach Übersee zu schaffen.

Und das ist auch das eigentliche Problem an einer übergeordneten Weltrangliste im Segel-Spitzensport. Sportler können für einen Wettkampf vielleicht mal eben nach Übersee jetten, aber ihr Boot muss mühsam per Container überführt werden. Leihmaterial funktioniert allenfalls in den Laser- und Surfer-Klassen.

So können sich Segler, Medien und Fans in der neuen Saison vielleicht ein besseres Bild vom Status Quo der Leistungssportler machen, wenn erstmalig die neue EUROSAF Champions Sailing League  ausgesegelt wird. In dieser Serie mit fünf Veranstaltungen ist auch die Kieler Woche würdig präsentiert.

Diese Wertung hat größere Chancen zu funktionieren, weil in Europa auf kleinem Raum relativ mehr Segler im Einzugsgebiet der Veranstaltungsorte liegen. Ein echter Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Sportler wird aber wohl so lange auf sich warten lassen, bis die Platzierungen in diesen Serien mit Preisgeldern oder Qualifikationspunkten belegt werden. Bis dahin bleibt es dabei, dass die internationalen Meisterschaften das Maß der Dinge sind und alle vier Jahre eben die Olympischen Spiele.

Für Ben Ainslie ist das nach seinem Abschied alles nicht mehr bedeutend. Dennoch ehrt es ihn, dass er zu diesem Ärgernis im Olympischen Segelsport Stellung bezieht. Wenn er an dem Thema dranbleibt, mag sich etwas ändern. Aber die Chancen stehen nicht besonders gut.

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Sir Ben Ainslie: Ärger über die Weltrangliste – Europa Liga macht Weltcup Konkurrenz“

  1. avatar Deutschlehrer sagt:

    MicrosoftWord -> F7

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 16

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