Solitaire du Figaro: Yann Elies triumphiert zum zweiten Mal in Folge

"Mein schönster Sieg!"


Spannung bis zum Ende: Zieleinlauf 4.Etappe  von lasolitairedufigaro

Der 39jährige Franzose musste einen wahren Nervenkrieg überstehen, bis er in der vierten Etappe den zweiten Rang belegte und so im Gesamtclassement siegte. Die Siegstory

Es war eine der aufreibendsten Regatten in der bereits 44jährigen Solitaire du Figaro-Historie. Bei der prestigesträchtigen Einhand-Regatta auf den eher anspruchsvoll zu segelnden Beneteau Figaro 2 – die „Solitaire“ gilt bei den Franzosen als Hochsee-Elite-Rennen par excellence – kamen diesmal außerordentlich viele Favoriten an den Start (SR berichtete) – in den traditionell eng gesegelten Etappen („jede Minute zählt“ da die Zeiten, nicht die Platzierungen addiert werden)  waren so von vornherein harte Positionskämpfe zu erwarten gewesen.

Die Wetterbedingungen variierten stark. Von knackigen Surfs… © Courcoux

Doch schon bei der ersten Etappe wurde gleich ein Favoriten-Sterben eingeläutet: Stars wie Michel Desjoyeaux oder Armel Le Cleac’h ließen in schwierigen Leichtwindbedingungen vor dem Cap Finisterre und direkt vor dem Etappenziel Porto viele Federn. Nur Vorjahressieger Yann Elies konnte von Anfang an erneut glänzen: er hatte das richtige Näs’chen für die schwierigen Winde und setzte  mit einem Sieg in dieser ersten Etappe deutliche Akzente. Über 44 Minuten Abstand zum Zweitplatzierten sprachen Bände. Seine bis dahin hoch gehandelten Konkurrenten landeten zumeist weit abgeschlagen im Mittelfeld.

Fortuna ist zunächst launisch

Den Vorsprung im Gesamtclassement konnte Yann Elies in der zweiten Etappe zurück ins spanische Gijon auf 57 Minuten ausbauen, als er locker und lässig Fünfter wurde. Alles schien „in Butter“.

Solitaire du Figaro, Yann Elies

…bis zu leichtesten Winden bei starker Strömung war alles dabei ©Courcoux

Doch in der dritten Etappe ins französische Roscoff verließ ihn ganz offensichtlich sein sprichwörtliches Glück. Zunächst wählte er die falsche Seite in den schwierigen Windverhältnissen auf dem Weg zur Ile De Yeu. „Ich gurkte im Mittelfeld herum,“ erzählte er später. „Mit mir war nichts anzufangen, ganz so, als ahnte ich, dass noch mehr passieren würde.“ Diese Vorahnung bewahrheitete sich auf Höhe der Belle Ile, als ihm das Vorstag seiner Figaro 2 aufs Deck fiel. So was bedeutet normalerweise das Aus, doch Elies legte bei moderaten Windbedingungen eine Bastelstunde ein und konnte sich auf Rang 21 gerade noch ins Ziel retten. Zwischenstand: Gesamtrang 3, 32 Minuten Rückstand auf den neuen Führenden Fred Duthil und Etappensieger Lagraviere nur zweieinhalb Minuten vor ihm.

Entscheidung im Kanal

Folgt die alles entscheidende, 515 sm lange vierte Etappe von Roscoff nach Dieppe mit einem „kleinen Schlenker“ über den Kanal bis Wolf Rock. Zunächst fiel Duthil auf bis zu 28 sm zurück, der mit den schwierigen Strömungsbedingungen vor den englischen Südküste ganz offensichtlich nicht klar kam. Lagraviere machte einen guten Eindruck, als er Wolf Rock als Erster rundete und wollte den „Sack“ ganz offensichtlich zumachen, doch wählte er für den Weg zurück nach Frankreich „die falsche Seite“, fuhr und musste mit erheblich schwächeren Winden auskommen, als seine direkten Konkurrenten.

Solitaire du Figaro, Yann Elies

Es wird traditionell eng gesegelt, beim Solitaire © courcoux

Weg frei also für Yann Elies. Der lauerte förmlich auf diese Chance und raste den Kanal zurück in Führung liegend, bis ihn auf Höhe Le Havre noch Adrien Hardy einholte. „Ich war von den letzten Stunden mitten in den Schifffahrtsrouten völlig geschafft, als ich plötzlich Adrien vor mir sah,“ berichtete Elies später. „Aber ich wusste, dass man mir den Gesamtsieg nur noch durch einen eignen Kapitalfehler nehmen könnte. Also riss ich mich zusammen und segelte brav „nach Hause!“ Diese vierte Etappe beendete Yann als Zweiter mit einem Abstand von 2:49 Min. auf den Sieger Adrien Hardy. Macaire auf Rang 3 brauchte nur 14 Minuten länger, obwohl er nach einem Zusammenstoß mit einem „UFO“ leck schlug und die letzten 20 Stunden de Regatta permanent pumpen musste.

Drei hätten siegen können

In der Addition triumphierte Elies bei dieser Solitaire du Figaro mit 26 Minuten Vorsprung auf Xavier Macaire und 33 Minuten auf Etappensieger Adrien Hardy. Alle Drei hätten im Laufe der letzten 24 Regattastunden das Gesamtclassement für sich entscheiden können, doch letztendlich war Fortuna eben Yann Elies, dem Vorjahressieger, erneut zugetan.

Solitaire du Figaro, Yann Elies

Erstaunlich eng, für einhand © Courcoux

„Unglaublich, Matchracing vom Feinsten,“ jubelte der Bretone im Ziel. „Das war mein schönster Regattasieg!“

Elies ist nach seiner 14. (!) Teilnahme somit der erste Solitaire-Skipper der Neuzeit (nach Einführung der Beneteau-Figaro-Yachten), der die Solitaire zwei Mal in Folge gewinnen konnte. Das gelang vorher nur Guy Cornu (1975 und 1976).

„Jetzt gehört er zu den ganz Großen!“ titelten französische Tageszeitungen und spielten auf das „interne“ Ranking der Solitaire-Skipper an: Stars wie Armel le Cleac’h und Jeremie Beyou konnten bereits 2 x siegen – bis zum Niveau von Jean Le Cam, Michel Desjoyeaux und Philippe Poupon fehlt Yann Elies aber noch ein weiterer Sieg.

Yann Ellies, Solitaire du Figaro

Entspannter Zieleinlauf nach Matchrace auf hoher See © Courcoux

Übrigens: Vor 24 Jahren gewann Vater Patrick Elies die gleiche Regatta, die damals allerdings noch „La Course de L’Aurore“ hieß. Regattaerfolge sind also doch genetisch festgelegt?

Ergebnisliste/homepage

 

 

Yann Elies, Solitaire du Figaro

Historischer Sieg für Yann Elies: Zwei Mal Erster in Folge © courcoux

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Michael Kunst

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