SR Interview: Ben Ainslie über die Entwicklung des Foilens beim America’s Cup

Foil-Wende kann der Schlüssel werden

Ben Ainslie wird auf der boot von seinem Team Sponsor Land Rover präsentiert. Mit SR spricht er darüber wie er die Rennen in Bermuda erwartet, und wo die Schlüsselmomente liegen werden.

In Düsseldorf auf der boot war Ainslie noch nie. Er ist überrascht von der Größe von der Veranstaltung und ärgert sich, nicht mehr sehen zu können. Er hat wenig Zeit, auch wenn er nicht gehetzt wirkt. Aber nach der Präsentation mit seinem Sponsor muss der viermalige Goldmedaillengewinner schnell wieder in den Flieger zurück nach England.

Ben Ainslie

Ben Ainslie in Düsseldorf

Da wartet sein Land Rover BAR America’s Cup Team, mit dem er den Cup nach England holen will. 90 Menschen stehen in Lohn und Brot. Dafür hat der Brite 105 Millionen Euro eingesammelt bei privaten Sponsoren und Unternehmen wie dem neuen Titelsponsor.

Am Chef sein sind schon andere gescheitert

Ohne Frage, Ainslie ist der Frontmann. Der zum Ritter geschlagene Sir verkauft seinen Namen. BAR steht für Ben Ainslie Racing. Er will aber nicht nur Chef sein, sondern auch erfolgreich steuern. An dieser Überbelastung sind schon ein Chris Dickson bei BMW Oracle 2007 grandios gescheitert und ebenso Jesper Bank für das deutsche Team.

Ben Ainslie

Das Segelcenter auf der Boot ist gut gefüllt, als der Meister spricht. © Land Rover

Aber Ainslie ist diese Last bisher nicht anzumerken. Er betritt zwar immer noch etwas schief mit vorgeschobenem Kopf das Podest in Halle 15, so wie er als 20-jähriger Lasersegler auf der Weltbühne des Segelsports bei der WM in Kapstadt erschien und auf Anhieb Rang zwei belegte.

Aber von der damaligen Schüchternheit ist längst nichts mehr zu spüren. Er gibt sich freundlich und höflich. Ainslie hat sich zum strahlenden Segelstar entwickelt, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Ausraster wie der bei der Finn WM sind längst Vergangenheit.

Danach hat er mit perfektem Timing seine Olympiakarriere als erfolgreichster Olympiasegler der Welt nach 2012 beendet war dann noch schnell an Bord von Oracle gesprungen, hatte Taktiker John Kostecki während der Rennserie verdrängt und wurde zum wichtigen Sieg-Faktor.

Endlich am Steuer

Nun ist weitaus größere Aufgabe zu bewältigen. Aber dieser Schritt zum eigenen America’s Cup Team ist für ihn der perfekte und logische Weg. Nach drei Versuchen, Fuß zu fassen will er nun endlich selber erfolgreich am Steuer sitzen. Dafür segelt Ainslie auch bei extemem Chill Faktor den rasenden Foiler vor England und bestätigt im SR Interview, wie er sich an die alten Tage im Laser erinnert fühlt als er bei Eiseskälte seine Trainingsmeilen abspulte.

Ben Ainslie

Ben Ainslie beim Interview mit Nils Kaben im Segelcenter auf der boot. © Land Rover

Doch mehr als eine Härteprobe ist das nicht. Die Konkurrenz trainiert schon wesentlich effektiver in Bermuda, während die Briten nur immer mal für ein Kurztraining auf dem Cup Revier vorbei schauen. Ainslie rutscht etwas unruhig auf dem Stuhl herum, als das Thema aufkommt. “Optimal ist das nicht.”

Aber er hat viele Pfeile im Köcher, wie den Formel 1 Spezialisten Adrian Newey, der Sebastian Vettel zum Weltmeister gemacht hat. Der Cup wird sich wieder an der Design Front entscheiden. Die Fortschritte werden zwar nicht ganz so offensichtlich sichtbar sein wie 2013, weil Segelflügel und Plattform mit viele One Design Elemente enthalten müssen, “aber die Gestaltung der Foils und die Kontroll-Apparate werden die Schlüssel sein”, sagt Ainslie.

Es wird schon jetzt ohne Probleme auch am Wind auf Foils gesegelt. Anders als die AC45 bei der World Series, die auf der Kreuz im so genannten Low Rider Modus segeln und bei der Wende so viel Zeit verlieren, dass es sich kaum lohnt, Winddreher auszusegeln.

Diese Art des Segelns könnte sich beim America’s Cup schlagartig ändern, wenn die Techniker das Geheimnis der Flugwende lüften. Das könnte der nächste große Schritt werden bestätigt der Meister. Er ist sich aber noch nicht sicher, ob das wirklich jemandem gelingt. Er glaubt aber, dass die Regatten viel enger werden, als 2013. Das Revier lasse durch drehende und böige Winde viele Überholmöglichkeiten zu.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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