SR Interview: Opti-Vater Thomas Friese – Was Segeln der Jugend bringen kann

"Zeit etwas zurückzugeben"

Der Hamburger Modeunternehmer Thomas Friese spricht über seine Rolle als Opti-Vater, sein Non-Profit-Segelbasis-Projekt mit dem er sozial schwache Kinder zum Segeln bringen will und den America’s Cup.

Thomas Friese

Opti Vater Thomas Friese. © Hinnerk Stumm

Friese ist einer der erfolgreichsten Segler der 80er und 90er Jahre, als Deutschland im Admiral’s Cup eine große Rolle spielte. Mit seinen Yachten „Omen“ und „Tina-I-Punkt“  setzte er Akzente bei den wichtigsten internationalen Hochsee-Regatten.

Nach der Vizeweltmeisterschaft 1993 in der Eintonner-Klasse, konnte er dreimal die Weltmeisterschaft auf der damals angesagten Mumm 36 gewinnen (1996, 1997 und 1999). Unter anderem verhalf er einem Russell Coutts bei sich an Bord zu den ersten großen Bog-Boat Erfolgen.

Noch immer ist der 72-Jährige dem Segelsport eng verbunden: In Hamburg Entenwerder baut er gerade eine Segelschule für Kinder aus dem sozial schwachen Rothenburgsort und Umgebung auf. Familiär betreut, berät und sponsert er seinen talentierten Sohn Silas, der Ambitionen hat, in die Fußstapfen des Vaters zu treten.

SegelReporter traf Friese zum Interview auf seiner Motoryacht vor Warnemünde, wo Donnerstag die Qualifikation zur Europa- und Weltmeisterschaft im Opti-Segeln startet: „Segeln hat mir viel gegeben. Es ist Zeit, etwas zurückzugeben“ , so sein Fazit.

Thomas Friese Sohn Silas

Thomas Friese Sohn Silas ist einer der besten deutschen Optisegler. © Hinnerk Stumm

SR: Herr Friese, am Donnerstag beginnt vor Warnemünde die Qualifikation für die Europa- und Weltmeistershaften im Optisegeln. Wo sehen Sie Ihren Sohn Silas, bzw. welche Chancen räumen Sie ihm ein? Und wer ist Ihr Favorit?

Favoritin ist klar Deike Bornemann, die auch im letzten Jahr viele Regatten dominiert hat. Aber auch Valentin Müller und Roko Mohr räume ich gute Chancen ein. Silas war im vergangenen Jahr bei stärkeren Winden noch etwas leicht. Und durch sein junges Alter war er sicher auch mental noch nicht so stark, wie manch anderer Konkurrent. Das hat sich geändert: Sich unter die ersten fünf für einen Startplatz bei der WM zu platzieren, wäre großartig. Aber das Ziel, unter den besten 10 zu sein, um an der Europameisterschaft in Wales teilzunehmen, hält sein Trainer wie auch ich für realistisch.

Thomas Friese Sohn Silas

Silas wurde Ostern beim Lake Garda Meeting 21. bei 664 Schiffen. © Hinnerk Stumm

SR: Reisen durch ganz Europa, im Ostseebereich auf eigenem Motorboot, dann Trainer, Segel und stetig neues Material: Sie betreiben ja in der Förderung Ihres Sohnes doch einigen Aufwand. Was ist Silas´ langfristig anvisiertes Ziel?

Das langfristig anvisierte Ziel ist klar die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024, möglicherweise im Segelmekka vor Kiel. Aber bis dato ist es ein langer, steiniger Weg, den er in weiteren Bootsklassen bestreiten muss. Dennoch ist der Opti die Grundlage für ein Segelverständnis in aufbauenden Bootsklassen. Aber er hat ja auch noch 9 Jahre Zeit, um weitere Erfahrungen und Erkenntnisse bei Regatten zu sammeln (lacht).

SR: Mal abgesehen von Pokalen und Silber. Was kann Segeln in der Förderung von Kindern und Jugendlichen leisten?

Durch das Segeln setzt man sich per se mit der Natur auseinander: Wind, Wasser und Wellen zeigen einem Grenzen auf. Auch ich habe das beispielsweise 1979 im Fastnet-Race, bei dem 19 Menschen starben, erlebt. Das lehrt einen Respekt vor der Natur, Demut vor Größerem.

Pinasse: Das stylische Regattabegleitboot von Thomas Friese. © Hinnerk Stumm

Pinasse: Das stylische Regattabegleitboot von Thomas Friese. © Hinnerk Stumm

Zudem gewinnt man Selbstvertrauen in eigene Kompetenzen, erkennt Zusammenhänge zwischen Wind und Segeltrimm: Wenn ich das mache, passiert dies mit dem Boot… . Die Erfahrung, das alles miteinander zusammenhängt, lässt sich ja auch auf das eigene Tun und Handeln im Leben projizieren.

Das vielleicht Wichtigste ist aber wohl Sozialverhalten, später dann auch in der Mannschaft: Man selbst ist da nur so stark wie das Team insgesamt. Zusammenhalt und der gemeinsame Wille für das große Ganze, bei dem jeder seinen Part hat, werden im Mannschaftssegeln unabdingbar für den Erfolg.

SR: In Hamburg Entenwerder investieren Sie ja auch viel Zeit, Geld und Engagement in ein Projekt, wo es unter anderem um Kindersegeln geht. Was hat es damit auf sich?

Ich habe in meinem Leben viel Glück gehabt und konnte als erfolgreicher Unternehmer immer das machen, was ich wollte. Früh habe ich mit der ersten deutschen Skate-Halle „Skateland“ versucht, etwas zurückzugeben.

Mit dem Projekt in Entenwerder gehen wir einen Schritt weiter: Kinder aus Vettel, Wilhelmsburg und natürlich Rothenburgsort (Entenwerder, Anm. d. Red.) sollen hier das Segeln erlernen, – mit allen zu erwerbenden Sozialkompetenzen, an die ich glaube und die wir über Trainer in Kursen fördern werden.

Seit über sieben Jahren investieren wir Zeit, Geld und Energie in das Projekt, das jetzt aber Hand und Fuß annimmt: Über eine mehr als 100 Jahre alte Brücke, die saniert und genehmigt werden musste, gelangt man auf ein Ponton, die Basis des neuen Trainingsareals an der Elbe.

Da drauf steht ein architektonisch schicker goldener Pavillon, sowie ein aus zwei 20 Fuß Containern bestehendes Café, in dem wir kleinere Snacks und Kuchen anbieten werden. Wichtig, denn: Nur, wenn die Sache wirtschaftlich vernünftig läuft und ich hoffe das wird sie irgendwann (lacht), hat sie auch sozial langfristig eine Chance.“

SR: Ist für Silas ein Vater, der unter anderem dreifacher Weltmeister auf der Mumm 36 war und zu den bedeutendsten deutschen Regatta-Seglern zählt, eher Belastung oder Vorbild?

Thomas Friese: Das sollte wohl eher Silas beantworten.

Silas: Ein Vater mit so viel Erfahrung ist Vorbild und Belastung zugleich. Das kann wohl jeder nachvollziehen. Einerseits ist das Regatta-Wissen wichtig und hat sich oft genug als hilfreich erwiesen. Andererseits will man die Tipps, wenn es darum geht, wann man wo startet, als 12-jähriger auch nicht immer hören.

SR: Admiral’s Cup und Mumm 36 sind lange durch. Welche Klasse, beziehungsweise Serie würde Sie heute nochmal reizen?

Keine, die Zeiten sind vorbei. Heute heißt mein Segelsyndikat „Sohn“. Ich freue mich natürlich, wenn der Einsatz Erfolg bringt. Aber letztlich bin ich da milder geworden: mir wie auch dem Nachwuchs gegenüber. Jeder, der mich von früher her kennt, wird das wissen.

SR: Wenn Sie sich aktuelle Klassen wie die TP 52´s oder RC 44 anschauen. Wie hat sich der Regattazirkus seit Ende Ihrer aktiven Regattalaufbahn verändert?

Meine damaligen Steuerleute wie John Kostecki oder Russel Coutts sind heute hochbezahlte Syndikatsleiter, die den America´s Cup gewonnen haben, und ein zigfaches an Gehalt fordern. In den 80er/ 90er Jahren ging es um Segelspaß auf hohem Niveau. Aber wer heute noch ganz oben auf TP52-Niveau mitmischen will, muss ein Vielfaches an Budget aufbringen.

SR: Heiß diskutiert war im letzten Jahr der Wechsel im America´s Cup von Einrümpfern hin zu Katamaranen. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Toll! Der America´s Cup im letzten Jahr war wohl so spannend wie keiner zuvor. Ein großes Drama, bei dem der Sieger erst im letzen Rennen feststand und zuvor lange als Verlierer gehandelt wurde. Nie zuvor gab es einen Bootstypus, bei dem seglerisches Fehlverhalten so sträflich geahndet wurde. Wer an einer Wende wirklich eintauchte, wurde maßlos bestraft. Für den Zuschauer war das Segeln sehr spektakulär und machte den AC-Cup so wieder populär.

Das von Thomas Friese initiierte Non-Profit-Projekt “Elbpark Entenwerder”: Goldene-Zeiten-fuer-Rothenburgsort

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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12 Kommentare zu „SR Interview: Opti-Vater Thomas Friese – Was Segeln der Jugend bringen kann“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Schön mal wieder auch was von den (oder einem) alten Recken zu hören. Im Stern gibt es ja hinten die “Was macht eigentlich…”-Seite. Da hätte ich gleich mal ein paar Vorschläge…

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  2. avatar Dude(n) sagt:

    Grundsätzlich eine gute Idee eine solche Serie wie sie oben vorgeschlagen wird. Vielleicht sollte man dann aber auf Vollständigkeit der Biographie Wert legen. Herr Friese ist nunmal, und das halte zumindest ich für eine erwähnenswerte Tatsache auch in einer Kurzbiographie, ein von der Sportgerichtsbarkeit verurteilter Betrüger. Das soll nicht von seinen ansonsten erlangten Erfolgen ablenken, ist aber Fakt.

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    • avatar Fastnetwinner sagt:

      Klar ist das Fakt. Die Sache ist jedoch allen vollständig bekannt. Wozu dann noch weiter darauf rumschreiben? Es ist ja nicht so, daß das jemand nicht wüsste. Geschummelt haben damals alle, und auch das war allen bekannt. Wenn man damals hinter anderen Boote herfuhr, und selber mit der 3 schon überpowert war, und die anderen unterer der 1 noch aufrecht fuhren wir ein Kirchturm, dann war doch allen klar, wo Bartels den Most holt.

      PS: Und wenn dann nachts alle nach Helgoland oder rund Skagen fahren dann räumt keiner ein bisschen auf, oder;-)

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      • avatar RVK sagt:

        die einstellung ist jetzt ein bisschen heikel…

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        • avatar Fastnetwinner sagt:

          Ist keine Einstellung, sondern eine Beobachtung.

          Aber mal zurück zum Ausgangs-Thema: Ich finde es klasse, daß Thomas:

          – Eine Olympia-Kampagne 2024 startet
          – Kinder sehr viel Spaß in der durch ihn initiierten I-Punkt-Halle haben
          – Er durchgeknallt ist
          – die besten Segelbomberjacken hatte
          – die coolsten Bands zur Taufe aufspielen ließ (“die Braut haut ins Auge”)
          – der größten Bremsenprüfstand hatte
          – Russell nach Helgoland holte und vieles mehr.

          Was interessieren da ein paar Liter Wasser, wo alle andere Blei genommen haben. Hier zählten Charakter, Spleen und Lebensleistung wohl mehr als die Dummheit von vor 30 Jahren.

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          • avatar RVK sagt:

            Ich kannte die Story noch nicht, daher hatte ich den schnell ergoogelten Artikel geposted. Schmälert nicht meine gute Meinung über Herrn Friese, seine seglerische Leistung oder was er jetzt macht. Ich verstehe nur nicht, warum “die schummeln, also schummeln wir auch”, ok ist? Ich hätte zumindest ein “Scheisse gelaufen, sollte man nicht machen und war so nicht ok” von dir erwartet, der ja scheinbar dabei war…

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    • avatar Dude sagt:

      …das ist fast 30 Jahre her.
      Worauf willst Du hinaus? Einmal Lügner immer Lügner? Bisschen simpel

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      • avatar Dude(n) sagt:

        Seine Erfolge sind auch fast 30 her und auch allen bekannt. Hätte man folglich auch weglassen können.

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  3. avatar Erdmann sagt:

    Eine Verständnisfrage: Zeigt Bild 4 nicht den geschätzten Kollegen Svante Domizlaff auf seinem Kanonenboot?
    Wie hängt das mit Thomas Friese zusammen?
    Tuckert der auch mit einer Pinasse?

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    • avatar Stumm sagt:

      Exakt, es ist unser Kollege Domizlaff. Svante hat das Boot ja quasi zusammen mit Georg Nissen gezeichnet und bei Mittelmann bauen lassen. Drei Stück gibt es so far. Und Svante´s alter Segelkollege Thomas (jahrelang zusammen regattiert) hat sich eine davon (IMSILA) als Regattabegleitboot zugelegt. Auf dem Bild fahre ich Thomas´Pinasse gerade mit Svante zum 70-sten von Thomas nach Entenwerder… .

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  4. avatar Marc sagt:

    72 und Opti Vater??? Ist das so korrekt?

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