SR-Interview: Was es für Nik Willim (19) heißt, gegen Buhl anzutreten – 86-jähriger Coach

"Bin bereit, alles zu geben"

Nik Willim (19) hat sich die wohl schwierigste Aufgabe im deutschen Segelsport ausgesucht. In vier Jahren tritt er gegen Philipp Buhl an im Kampf um die eine Olympia-Fahrkarte.

Nik Willim

Nik Willim im Bronze-Leibchen bei der U-21 WM in Kiel. © kiwo

Bei der Vorstellung des NRV-Olympic Teams gehörte neben dem 49er Team Heil/Plößel (Interview) der junge Schleswiger Lasersegler Nik Willim zu den Protagonisten, die den beschwerlichen Weg nach Tokio 2020 aufnehmen wollen.  Dabei gibt es wohl kaum eine größere Herausforderung, als gegen Philipp Buhl antreten zu müssen, den deutschen Segler des Jahres 2015.

Zwar blieb Buhl mit Rang 14 in Rio hinter seinen Erwartungen zurück, ist allerdings immer noch der beste deutsche Lasersegler aller Zeiten. Er war in diesem Olympia-Jahr Weltranglisten-Erster und erzielte bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften die unglaublich konstante Serie von 3/4/2/8, die noch keinem Deutschen gelungen ist. Und Buhl macht weiter.

Eine solche Dominanz erstickt normalerweise die Olympia-Ambitionen von Newcomern. Und so ist auch in Deutschland der Laser Standard nicht gerade eine Boom-Klasse im Spitzen-Bereich. Bei der jüngsten WM waren nur zwei DSV-Segler am Start.

Ticket nach Tokio

So ist es umso bemerkenswerter, dass ein junger Mensch wie Nik Willim (19) die Herausforderung annimmt und vier Jahre investiert, an deren Ende die Olympia-Teilnahme stehen soll. Schließlich gibt es nur ein Ticket nach Tokio zu verteilen. Und er hat sich eine der körperlich anspruchsvollsten Klassen ausgesucht, bei der eine ausgeprägte Physis die Basis aller Erfolge ist.

Vor dem Erfolg kommt viel harte Arbeit. Das zeigt nicht zuletzt die Olympia-Vorbereitung von Philipp Buhl, der in der entscheidenden Phase zusammen mit Einer-Ruder-Weltmeister Marcel Hacker trainierte.

Aber Willim kennt das schon. So ist er 2014 im Laser Radial Jugend-Vize-Weltmeister geworden und holte zwei Jahre später im heimischen Kiel Bronze bei der U-21-Jugend-WM gegen 144 Junioren aus aller Welt im Laser Standard.

Erfolgreiche Segelfamilie

Der Erfolg ist kein Zufall. Mutter Suzanne (geb. Pudenz) gehört zu den besten deutschen Seglerinnen mit Erfolgen in Europe, 470er und Platu. Und schon Vater Andreas startete seine Segelkarriere mit Laser-Bronze bei den Youth Worlds. Es folgten Deutsche Meister-Titel im Laser, Flying Dutchman und Match Race, wo der Skipper unter die Top 20 der Weltrangliste vorstieß.  Zusammen haben die drei Willims ihren Schlei Segel-Club aus Schleswig bei der Qualifikation 2015 für die zweite Segel-Bundesliga qualifiziert. Auch ohne Nik gelang es,  die erste Saison solide auf Rang drei abzuschließen.

Nik Willim

Nik mit seinen Eltern Suzy und Andreas sowie Henning Sohn qualifizierten sich für die 2. Segelbundesliga.

Die beste Laser- WM-Platzierung gelang ihm mit Rang 14. 1996 in Kapstadt. Bundestrainer war damals Friedhelm Lixenfeld, der das deutsche Team zu einem historisch guten Ergebnis mit vier Seglern unter den Top 14 führte. Und der ehemalige Direktor im Hamburger Tiefbauamt, Laser-Masters-Weltmeister und inzwischen 86 Jahre alt, nimmt auch heute noch größten Einfluss auf die deutsche Segelszene. Auch Heil/Plößel haben zeitweilig mit ihm gearbeitet.

Trainer-Guru Friedhelm Lixenfeld

Trainer-Guru Friedhelm Lixenfeld

Denn Lixenfeld ist längst ein Ernährungs- und Fitness-Guru, der am eigenen Körper den Erfolg seiner Diäten und Trainingseinheiten zur Schau stellt. Im vergangenen Jahr nahm er als ältester Fahrer zum vierten Mal an dem 1200 Kilometer-Rad-Marathon Paris-Brest-Paris teil, das in etwa 90 Stunden bewältigt wird.

Grotelüschen als Coach

Der junge Willim trainiert nach den Maßgaben des Meisters und ist von den Fortschritten begeistert. Besonders mentale Stärke leitet er aus der Verbindung ab. Ob er auch die technisch-taktischen Aufgaben besteht, muss sich in der ersten Senioren-Saison 2017 zeigen. Die größten Sprünge hat er nach Einheiten mit London-Olympionike Simon Grotelüschen gemacht, der ihn bei einigen Trainings auf dem Wasser betreute. Willim war von dem Input des Olympia-Sechsten begeistert.

Nik Willim

Größter Erfolg. Bronze bei der U-21-WM in Kiel.

Nun beginnt nach seinem Umzug von Schleswig nach Kiel die Arbeit am Trainingsstützpunkt, wo Willim unter anderem zusammen mit Philipp Buhl und Theodor Bauer, dem zweiten WM-Starter segelt. Eine starke Trainingsgruppe, von der alle profitieren können. Außerdem ist eine Kooperation mit dem norwegischen Laser-Team beschlossen, zu dem es freundschaftliche Beziehungen gibt.

Studium begonnen

Es ist ein großer Schritt für einen 19-Jährigen. Denn neben dem Umzug nach Kiel hat Willim nach seinem Abitur (Schnitt: 1,5) auch ein BWL-Studium begonnen und gerade erst ein zweiwöchiges Praktikum in München absolviert.

Nik Willim

Herausragende Physis ist die Basis für erfolgreiches Lasersegeln. ©segel-bilder.de

Es ist nicht einfach, das alles unter einen Hut zu bringen und auch nicht billig. Aber Willim war schon für seine Jugen-Kampagne findig. Er schrieb mit selbst erstellten Mappen mögliche Unterstützer in der Region an und fand Zuspruch bei der Lürssen-Werft sowie dem Schleswiger Faserverbundwerkstoff-Hersteller CTM, die seinen Aufstieg ermöglichten.

Das NRV Olympic Team bekommt für ihn jetzt noch ein größeres Gewicht. Die Hamburger sehen großes Potenzial in dem Lasersegler. Aber nicht nur in ihm. Sein Bruder Luke (17) steht schon in den Startlöchern. Als Vorschoter von Gwendal Lamay war er im 29er Kieler-Woche-Sieger und WM-Vierter. Nun segelt das Duo 49er FX und ist Anwärter  auf einen Platz im Olympic Team

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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