Meinung Star Sailors League: Ist das der Weg zur Weltliga?

Gutes Geld

Mit großer Außenwirkung ist das Star Sailors League Finale in Nassau über die Bühne gegangen. Gute Segler haben guten Sport geboten und gutes Geld damit verdient. 40.000 Dollar für die Sieger und selbst Pieter-Jan Postma auf dem 18. und letzten Platz hat noch genug Preisgeld vom gesamten 200.000 Dollar Gesamtbudget erhalten, um die Auslagen für seine Anreise decken zu können.

Star Sailors League

Starboote beim Start. Ist die Liga ein Modell für die Zuknft? © SSL/Carlo Borlenghi Studio Borlenghi

Es ist den Starbootseglern zu gönnen. Sie haben einfach Glück, dass es jemanden wie den Schweizer Michel Niklaus gibt, der von seiner Klasse so begeistert ist, dass er als Mäzen ein Vermögen in das Event steckt.

Aber kann etwas man daraus für den gesamten Segelsport lernen? Das Format ist sicher nicht dazu angetan, langfristig Zuschauer für diese Liga zu begeistern oder gar neue Fans zu erreichen. Man muss schon ein echter Hardcore Fan sein, um sich das Finale mit vier Booten eine Stunde lang anzusehen, wenn man nur ein Tracker-Bild zur Verfügung hat.

Vermutlich ist man inzwischen verwöhnt von der Übertragung des America’s Cups. Aber auch bei den üblichen Medalraces der Olympischen Klassen passiert mehr als wenn sich vier Boote auf dem Wasser kontrollieren. Bei konstantem Wind wie auf den Bahamas überwiegen lange Schläge, Manöver werden minimiert. Es ist ein reines Speedrace, bei dem den Zuschauern nicht zu vermitteln ist, warum ein Boot vorne ist und ein anderes hinten.

Aber an dem Format kann man schrauben. Bemerkenswert ist vielmehr das Vorbild, das das Star Sailors League Finale für die ISAF World Cups darstellen könnte. Die ISAF hat den Weltcup-Status  unter anderem der Kieler Woche weggenommen und an China, Australien und die USA vergeben. Er verblieb bei den Regatten in Mallorca und Hyères.

Der jüngste Weltcup  fand gerade in Melbourne statt. Kaum eine Klasse brachte mehr als ein Dutzend Boote an den Start. Nur wenige Ausländer nahmen den teuren Weg nach Downunder auf sich. Ähnlich war es in China. Eine Farce. Das Weltcup-System funktioniert nicht.

Der Traum von einer echten weltumspannenden Liga ist wohl nur so zu realisieren, wie es Michel Niklaus getan hat. Man muss die Athleten mit Preisgeld locken und ihnen das Material stellen. Dann bekommt man die Besten an den Start.

Aber es ist fraglich, wie die ISAF das schaffen will. Und es ist ebenso zweifelhaft wie tragfähig das Star Liga Sstem über die Bahamas Regatta hinaus ist. Das innovative Ranglistensystem, das der Tennis-Rangliste nachempfunden ist, reicht jedenfalls alleine nicht aus, um die Spitzensegler in der Klasse zu halten.

Starbootsegeln war bisher von den Athleten nur über die Olympiaprogramme zu realisieren. Nun fehlt ihnen das Geld und wohl auch die Perspektive, um im Starboot zu bleiben. Ob die neue Liga da wirklich einspringen kann? Ob Niklaus Geld für eine langfristiges Engagement ausreicht? Ohne Olympia-Status haben die meisten Spitzensegler 2013 nicht auf dem Kielboot gesessen. Da war der bezahlte Ausflug auf die Bahamas eine schöne Abwechslung.

Die Überlegenheit von Robert Scheidt war deshalb keine Überraschung. Die direkten Medaillen-Gegner, gegen die er noch in Weymouth verloren hatte, waren nicht am Start. Er selber war durch sein Laser-Training vermutlich so fit wie nie während seiner Starboot-Karriere. Und auch sein Vorschoter Bruno Prada hat für seine Finn Kampagne 2013 viele Stunden auf dem Wasser verbracht.

Aber wie geht es weiter? Die Bedeutung der Liga hängt von der Qualität der Athleten ab. Wenn die Besten der Welt kommen, ist alles geritzt. Aber wird man sie bei der Stange halten? Einige mögen noch auf den Olympiastatus in Rio setzen, der offenbar immer noch nicht vom Tisch ist. Nach dem endgültigen Aus dürfte es schwieriger werden, ein qualitativ hochwertiges Feld zu motivieren.

Es sei denn, über einen längeren Zeitraum wird ein adäquates Preisgeld gezahlt. Das Sportgerät, mit dem eine solche Liga bestritten wird ist eigentlich unerheblich. Vielleicht ist es es das Starboot. Vielleicht ist die Klasse wirklich potent genug, um sich so etwas leisten zu können. Es wäre auch der einzige Weg für die ISAF um ihrem kränkelnden World Cup irgendeine Bedeutung zu geben. Aber realistisch ist diese Vision wohl nicht.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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9 Kommentare zu „Star Sailors League: Ist das der Weg zur Weltliga?“

  1. avatar Till Krüger sagt:

    Dieser Moment, in dem man merkt: Wäre ich doch nur letzte Woche noch 10 Minuten länger auf dem Wasser gewesen, dann hätte dieser komische Brasilianer keine Chance gegen mich gehabt…

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  2. avatar Alstersegler-zwo sagt:

    Nachhaltig sind solche Events doch nur dann, wenn es möglich ist sie dem Zuschauer angemessen zu präsentieren.
    Ski Langlauf ist ein Beispiel. Großer Sport – große Athleten. Aber wer will schon zuschauen – mitten im Wald.
    Da haben sie Biathlon erfunden. Im Stadion! Fernsehgerecht und für jedermann zu verstehen.
    Im Segelsport suchen wir solch ein Format noch.
    Vielleicht ist es 2K Teamracing?
    Noch ist es zu “neu” am Markt um es endgültig entscheiden zu können. Aber es könnte klappen. Zuschauergerecht, auf jedem Gewässer durchführbar, direkt vor dem Steg, fernsehgerecht.
    Bisher gibt es eine Europa-Liga. Jetzt starten die ersten Regatten in Deutschland.

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  3. avatar Sven sagt:

    Teamraces sind auf jeden Fall sehr interessant und sicherlich auch Zuschauerfreundlich, wenn die Boote der einzelnen Teams deutlich markiert sind.

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  4. avatar Man of Constant Sorrow sagt:

    Biathlon als Benchmark? Wenn man was für den Mittagsschlaf vor der Glotze sucht, okay.

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  5. avatar WB sagt:

    Ich lach mich schlapp, Starbootsegeln als Werbung für den Segelsport ??!!

    Da ist ja sogar Biathlon um Klassen dynamischer und actionreicher als der Anblick dieser durch die Wellen pflügenden Schlachtschiffe.

    In einem anderen Thread zum Starboot hat es hier schon jemand sehr treffend geschrieben: Es sind die letzten Zuckungen einer überholten Bootsklasse.

    Solange der Segelsport aber noch maßgeblich von ergrauten Herren in Blazern mit Goldknöpfen geprägt wird und die Klasse so potente Förderer wie hier Michel Niklaus hat, wird dieses Fossil vermutlich noch ein wenig künstlich am Leben gehalten werden. Wohl keine Klasse hat so eine international aufgestellte finanz- und prestigeträchtige Lobby, die bis ins IOC gut verdrahtet ist.

    Objektiv betrachtet hat der Star jedoch bestenfalls noch einen historisch zu begründenden Bestandschutz. Ich hoffe dass er bei Olympia endgültig draußen ist und Platz für eine zeitgemäße Bootsklasse macht.

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    • avatar x-claim sagt:

      Naja das Thema Star Ja/Nein ist ja schon mehrfach diskutiert worden und durch ewiges Wiederholen deiner Thesen glänzen die Goldköpfe an den Blazern Deiner Lobbyisten auch nicht weniger!

      Interessanter finde ich die Frage: Muss sich der Segelsport eigentlich Fernsehtauglich machen? Brauchen wir Sponsoren, die nicht nur Geld geben, sondern auch sportlich Einfluss nehmen?

      Wenn ich die Beiträge hier in der SR lese, dann scheint es mir als wäre es eine längst beschlossene Sache, das sich das Segeln weiter zu einem Profisport entwickelt. Und wenn ich ehrlich bin dann habe ich nur noch wenig Hoffnung das es anders kommen wird.

      Ich denke die Segler werden letztendlich mehr verlieren als gewinnen.

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      • avatar Manfred sagt:

        @ x-claim: Gebe Dir absolut Recht. Und wer die Trimmmöglichkeiten des Starbootes beherrscht (und das dauert) und dann noch die Taktik, die sich nicht auf: “in die Ecke und schnell segeln” beschränkt, der wird überall vorne dabei sein. Also ein Hochleistungs-Sportgerät.

        Ich verstehe nicht, warum “wir Segler” unbedingt Zuschauer haben müssen. Liegt aber wohl daran, das ich, wie tausende anderer, meine Boote und Meldegeld und an/abreisen usw. immer selbst (auch manchmal mühsam) finanziert habe. Verstehe aber auch, dass diejenigen, die Unterstützung (Sponsoren) haben, Zuschauer benötigen. Im Prinzip treiben diese Segler auch die Meldegelder und was da dran hängt in die Höhe (mehr Qualität kostet mehr Geld) und der Amateur muss sich irgendwann verabschieden. Zum Glück gibt es noch Klassen, wo der Aufwand gering ist (Danke an alle Ehrenamtlichen) und der Spassfaktor hoch.

        @ WB: Durch Wiederholung werden Deine Argumente nicht besser und auch die, Zitat: “ergrauten Herren in Blazern mit Goldknöpfen” Zitatende… sehe ich nicht als Verhinderer großartiger Klassen, Regatten oder Veranstaltungen, wie z.B. grad Göteborg.

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  6. avatar WB sagt:

    Ich lach mich schlapp, Starbootsegeln als Werbung für den Segelsport ??!!

    Da ist ja sogar Biathlon um Klassen dynamischer und actionreicher als der Anblick dieser durch die Wellen pflügenden Schlachtschiffe mit wie Sandsäcke außenbords hängender Mannschaft.

    In einem anderen Thread zum Starboot hat es hier schon jemand sehr treffend geschrieben: Es sind die letzten Zuckungen einer überholten Bootsklasse.

    Solange der Segelsport aber noch maßgeblich von ergrauten Herren in Blazern mit Goldknöpfen geprägt wird und die Klasse so potente Förderer wie hier Michel Niklaus hat, wird dieses Fossil vermutlich noch ein wenig künstlich am Leben gehalten werden. Wohl keine Klasse hat so eine international aufgestellte finanz- und prestigeträchtige Lobby, die bis ins IOC gut verdrahtet ist.

    Objektiv betrachtet hat der Star jedoch bestenfalls noch einen historisch zu begründenden Bestandschutz. Ich hoffe dass er bei Olympia endgültig draußen ist und Platz für eine zeitgemäße Bootsklasse macht.

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