Star Sailors League: Schümann/Borkowski mit perfektem Tag – Olympioniken liegen vorne

Schümann stark

Jochen Schümann und Ingo Borkowski haben die Star-Spezialisten auf den Bahamas düpiert mit der besten Serie des Tages und einem Abschluss-Sieg. Wie ist das möglich?


Ab 02:49 Start zum dritten Rennen des Tages mit dem Schümann Sieg – ab 3:53 Schümann Interview nach dem Sieg

Es ist beeindruckend, was Jochen Schümann und Ingo Borkowski bei ihrer ersten internationalen Regatta im Starboot abliefern. Eigentlich müssen sie sich nach dem heutigen beiden Rennen nur unter den Top elf Booten befinden, um den Finaltag zu bestreiten, aber liegen über dem Soll auf Rang vier.

Star Sailors League Schümann

Jochen Schümann und Ingo Borkowski legen mit 5/6/1 mit Abstand die beste Serie des Tages hin. © SSL

Es ist Jochen Schümann anzusehen, wie sehr er das Segeln auf den Bahamas genießt. Nach zuletzt eher schwierigen Auftritten in der Bundesliga mit wenig Vorbereitung, kann er im Starboot wieder einmal zeigen, warum er zu den besten Seglern der Welt gehört.

Dabei ist besonders der Stil, mit dem er das letzte Rennen gewonnen hat bemerkenswert. Nach einem eher mittelmäßigen Start, nach dem er erst einmal auf Rang 14 geführt wird, segelt der Dreifach-Olympiasieger kontrolliert durch die Mitte, erwischt offensichtlich ein paar gute Dreher über links und kann sich bei dem leichten Wind auf den Speed verlassen.

Also keine Panik-Attacke über eine extreme Seite und das Hoffen auf Glück. Schümann verholt sich auch mit kontrolliertem Risiko an der Luvtonne auf Rang eins, den er bis zum Ende nicht mehr abgibt.

Borkowski bringt Schümi auf Speed

Dabei darf man die Rolle von Ingo Borkowski(44) nicht unterschätzen. Schümann betont, wie sein Soling-Vorschoter von 2000 ihm das Starboot-Segeln beibringt. Denn der Jurist aus Potsdam absolvierte immerhin eine vierjährige Olympia-Kampagne im Starboot für 2008. Mark Pickel hatte ihn kurzfristig engagiert, nachdem Vorschoter Tony Kolb ausgestiegen war.

Star Sailors League Schümann

Ingo Borkowski mit entspanntem Leichtwind-Trimm zum Sieg im siebten Rennen.

Zusammen segelten sie 2008 auf Rang fünf bei der WM, gewannen die Olympia-Qualifikation und fuhren als Medaillen-Anwärter im Flautenrevier vor Qingdao schließlich auf Rang sieben. Dabei beschäftigten sie sich intensiv mit dem Leichtwind-Speed für das Olymiarevier, und diese Kenntnisse bringt Borkowski jetzt auch für Nassau ein.

Bei starkem Wind könnte es schwieriger werden, wenn der 61-jährige Schümann bei der freien Pumpregel heftigst an den Schoten reißen muss. Er ist sicher fitter als viele Starboot-Steuermänner, aber in Nassau hat er es dann mit den konditionsstarken Einladungs-Seglern aus Finn und Laser zu tun.

Star Sailors League Schümann

Jochen Schümann beim Interview, Ingo Borkowski bleibt lieber im Hintergrund.

Schümann kommt auch zu Gute, dass von den besten Starboot-Spezialisten die noch 2012 in vollem Saft standen, nur vier Teams am Start sind. So kommt Hamish Pepper, der damals beste Olympionike unter den Teilnehmern (in Weymouth 5.), der danach nicht mehr auf dem Kielboot gesessen hat, immer besser in Schwung. Der Neuseeländer segelt mit Robert Scheidts Vorschoter, dem Olympia Dritten Bruno Prada, und ist nun punktgleich mit Schümann.

Die letzten Olympioniken liegen vorne

An der Spitze liegen naturgemäß Rohart/Ponset, die Olympia Neunten, eines der wenigen Spitzenteams, das auch nach dem Starboot Olympia-Aus nie richtig aufgehört hat. Das liegt auch daran, dass Rohart als Präsident die Star Sailing League mit erschaffen hat.

Auch der aktuell Zweite Diego Negri spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau der Liga und segelte von Anfang an regelmäßig auch nach 2012. 2008 wurde der dreifache Olympia Teilnehmer Vize-Weltmeister, erlitt aber 2012 die größte Niederlage, als er im letzten Moment das Nationen-Ticket verpasste. Der Profi-Segler wurde zuletzt Europameister als Taktiker in der J/70.

Die zweiten Olympia-Teilnehmer von 2012 sind die damaligen Achten Kusznierewicz/Zycki aus Polen, die nun auf Rang drei liegen. Da fallen nur Robert Stanjek und Frithjof Kleen aus der Reihe. Die Olympia Sechsten segeln als 16. weit unter Form und haben kaum noch eine Chance, den Cut der Top 11 zu schaffen.

Besser läuft es für Polgar/Koy, die noch mit einem Punkt Vorsprung auf dem wichtigen elften Platz liegen. Wenn sie die Hürde schaffen, geht es am Samstag mit einer weißen Weste weiter in den Finaltag.

Ergebnisse Star Sailors League Final

Die Pressemitteilung vom zweiten Tag:

SSL FINALS 2015 DAY 2
SPANNENDE RENNEN IM PARADIES – SCHÜMANN SIEGT ERSTMALS
Der zweite Tag der Qualifikationsrunde bei den Star Sailors League Finals (SSL) erwies sich als komplexes Schachspiel auf dem Wasser für die mit Stars gespickte Flotte der Teams aus neun Ländern, darunter neun olympische Medaillengewinner und ebenso viele Weltmeistern. Am vorletzten Tag der Qualifikationsrunde konnten sich in den drei Wettfahrten erneut drei verschiedene Crews durchsetzen. Unter ihnen waren zwei VIP-Teams, also Mannschaften, die nicht regelmäßig Starboot segeln, sondern aufgrund anderer großer Erfolge zu den SSL Finals eingeladen sind. So wie Jochen Schümann, der mit Ingo Borkowski das letzte Rennen des Tages gewinnen konnte.

Xavier Rohart und Pierre-Alexis Ponsot waren als Spitzenreiter in diesen zweiten Qualifikationstag gestartet und konnten ihre Führung ebenso behaupten wie die Italiener Diego Negri und Sergio Lamberthengi ihren zweiten Platz. Der polnische Olympiasieger Mateausz Kusznierewicz und Dominik Zycki segelten auf Platz drei vor, während der Neuseeländer Hamish Pepper und sein brasilianischer Vorschoter Bruno Prada auf den vierten Platz zurückfielen, damit aber weiterhin die bestplatzierte VIP-Crew sind.

Gleich dahinter rückten Jochen Schümann und Ingo Borkowski nach einem erfolgreichen Tag punktgleich mit Pepper und Prada auf Platz fünf vor. Mit den Rängen 5, 6 und 1 kam das Duo vom Yachtclub Berlin-Grünau den führenden Teams deutlich näher. Die Plätze sechs und sieben belegen nach acht Wettfahrten die Franzosen Jean Baptiste Bernaz und Pascal Rambeau vor den Amerikanern George Szabo und Edoardo Natucci. Beide haben sich ein 20-Punkte-Polster auf den zwölften Platz erworben, der nicht mehr zum Einzug in die nächste Runde reichen würde.

Noch drei weiteren VIP-Teams gelang es am Donnerstag, sich in die Top Ten vorzuarbeiten: Die Amerikaner Paul Cayard und Bryan Shark, Tonci Stipanovic/Massimo Canali (Kroatien/Italien) und die Briten Ian Williams und Steve Mitchell liegen auf den Plätzen acht bis zehn.

Johannes Polgar und Markus Koy vom Norddeutschen Regatta Verein haben den Tag mit Platz elf auf dem „Schleudersitz“ beendet. Dieser Platz ist es, den alle Teams am Finaltag mindestens anstreben, um die nächste Runde der SSL Finals zu erreichen. Die Kroaten Gaspic/Sitic hatten Tag 2 mit einem Rennsieg eröffnet und konnten auf Platz zwölf vorrücken. Diesen Aufwärtstrend wollen sie morgen fortsetzen.

Die ersten Dramen hatten sich bereits zu Beginn des ersten Rennens abgespielt. Wettfahrtleiterin Sharon Bourke hatte nach einem allgemeinen Rückruf die Flagge India gesetzt. Weil Rohart und Ponsot dachten, dass sie danach beim Startschuss zu früh über die Linie gegangen waren, kehrten sie zurück und bereinigten sich. Dennoch blieb die X-Flagge gesetzt. Was bedeutete, dass es weitere Frühstarter gegeben hatte. Erst an der nächsten Wendemarke wurden diese aus dem Rennen genommen. Es waren Arnis Baltins/Augie Diaz (USA) und Pavlos Kontides aus Zypern mit Mark Strube. Gaspic/Sitic gewannen danach das zweite Rennen, bevor Jochen Schümann und Ingo Borkowski ihre meisterliche Klasse demonstrierten und die dritte Wettfahrt des Tages gewannen.

UND DAS HABEN SIE GESAGT…

SERGIO LAMBERTENGHI
„Wir sind nicht 100 Prozent sicher, dass wir den Cut überstehen, aber wir haben sehr gute Chancen. Am Samstag beginnt dann alles bei Null und jedes Rennen kann das letzte sein. Das Viertelfinale wird mit elf Teams hart werden. Von da an, so glaube ich, wird es dann einfacher bis hoffentlich zum Finale.“

IVAN GASPIC
„In Kroatien sagen wir ‚Wenn Du einen Vogel siehst, dann heißt das nicht, dass draußen Frühling herrscht.’ Heute war es etwas besser, aber ich muss noch ein besseres Gefühl für das Boot in leichten Winden und Welle entwickeln. Es ist ok. Ich freue mich auf die Rennen morgen. Wir sind in keiner ganz schlechten Position und die Bedingungen werden uns hoffentlich helfen. Wir haben nichts zu verlieren und werden ganz sicher morgen mit Volldampf segeln!“

JORGE ZARIF
„Heute hatten wir ein Problem und haben das Segel runtergenommen. Als wir es wieder hochzogen, habe ich das Ruder bewegt um den richtigen Kurs einzuschlagen. Dabei ist die Pinne in der Mitte durchgebrochen. Es war ein schlechter Start. Wir hatten ein Rennen um Platz zehn herum, doch das dritte Rennen war dann wieder so schlecht wie die anderen Rennen in dieser Woche. Ich bin trotzdem glücklich hier in Nassau zu sein. Es ist wunderschön und wir segeln mit unglaublichen Leuten. Ich bin nur aufgrund unserer Ergebnisse frustriert.“

Die dreitägige Qualifikationsrunde endet am Freitag mit voraussichtlich zwei weiteren Wettfahrten, bevor die elf Teams feststehen, die eine Runde weiterkommen. Die beiden führenden Teams können ihren Platz unter den Top Elf nicht mehr verlieren. Doch dem Sieger der Qualifikationsrunde winkt im Gegensatz zu den Teams auf den Plätzen zwei bis elf, die in einem K.O.-Rennen im Viertelfinale aufeinander treffen, der direkte Einzug ins Halbfinale. Im vergangenen Jahr reichten 71 Punkte zum Weiterkommen in die entscheidenden Läufe am Samstag. Entsprechend dieser Statistik wären Gaspic/Sitic und Diaz/Baltins immer noch im Rennen um einen Platz im Finale am Samstag, in dem es nach Viertel- und Halbfinale um einen Anteil an den insgesamt 200.000 US-Dollar Preisgeld geht.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Star Sailors League: Schümann/Borkowski mit perfektem Tag – Olympioniken liegen vorne“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Total spannend, richtig gut gemacht. Glückwunsch Jochen und Borke!

    PS: Wenn Ihr nochmal da hinfahrt, dann bringt dem Veranstalter doch mal als Gastgeschenk eine richtige Deutschlandflagge mit 😉

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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