Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille

"Er scheißt mich zusammen"

Landunter für Stanjek-Vorschoter Fridtjof Kleen. Aber er taucht wieder auf. © Marina Könitzer

Robert Stanjek und Frithjof Kleen ist bei der Weltmeisterschaft in Perth mit der Silbermedaille im Starboot der größte DSV-Erfolg in den vergangenen Jahren gelungen. Zuletzt hatte Ulrike Schümann 2008 als 3. in der Ynling eine WM Medaille in einer Olympischen Bootsklasse gewonnen. Das letzte WM-Edelmetall im Starboot (3. Hagen/Helmert) liegt schon 13 Jahre zurück.

Dabei war das Team, das mit dem Erfolg zu den größten deutschen Olympiahoffnungen 2012 zählt, nicht einmal für einen der DSV Kader qualifiziert. Im Gegensatz zu den konkurrierenden deutschen Starboot Teams, kam die spät formierte Crew auch nicht mehr in den Genuss der Heinz Nixdorf-Förderung. Die Mehrheit der etablierten Mannschaften hatten dagegen votiert.

Erzwungene Vernunftehe

Die neue Zusammensetzung schien auch eher wie eine erzwungene Vernunftehe, nachdem sich beide Segler so spät von ihren jeweiligen Olympiaqualifikationspartnern getrennt hatten (Stanjek-Stanjek, Schlonski/Kleen). Nach den Wechselspielen in der Starbootklasse schienen beide Athleten im Kampf um die Fahrkarte nach Weymouth längst auf der Strecke zu bleiben. Vieles sprach gegen sie. Wie war der Erfolg dennoch möglich?

Gefetzt, getrennt und nun gemeinsam zum Sieg. Stanjek/Kleen, ein erstaunliches Paar. © Paul Kane

Robert Stanjek macht im Gespräch mit SegelReporter die hohe Qualität der internationalen Trainingsgruppe für das Ergebnis verantwortlich. Das neu formierte deutsche Duo segelte überwiegend gegen den Weltranglisten Ersten Diego Negri (ITA), den Franzosen Guillaume Florent (WM 9.) und dem polnischen WM 4.  Mateusz  Kusznierewicz. Dazu gesellten sich regelmäßig der neue Weltmeister Robert Scheidt (BRA) und der WM fünfte Frederik Loof (SWE).

“Wir wussten, dass wir mit unserem Speed absolut auf Augenhöhe segeln”, sagt Stanjek. “Auf der Kreuz waren wir oft schneller als Scheidt.” Beim Training sei es dabei nicht mehr um grundlegende Trimmgeheimnisse gegangen. “Dafür sind alle zu lange im Geschäft, um große Entdeckungen beim Mastfall zu machen”. Vielmehr habe man sich auf hohem Niveau bei den Trainingsrennen den Feinschliff  in Technik und Kommunikation holen können.

Risiko-Investition in neuen P-Star

Die letzten Prozentpunkte habe der kurzfristige Wechsel von einem Boot der schweizer Wilke Werft zum P-Star gebracht. Noch nach der Kieler Woche, als Stanjek auf den Vorwindkursen des Medalraces jeweils die Führung verlor aber den zweiten Teil der Olympiaqualifikation gewann, investierte er in ein neues Boot.

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „Starboot WM Rückblick: Robert Stanjek und der Weg zur Silbermedaille“

  1. avatar tiefenrausch sagt:

    Die beiden sind nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch persönlich sehr sympathisch, bei allen Charakterunterschieden. Ich denke, sie taugen durchaus als Vorbilder für Jüngere – professionelle Sportler, dabei fair, kooperativ und sehr bescheiden im Auftreten.
    Drücken wir ihnen die Daumen!

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  2. avatar Manfred sagt:

    Guter Bericht. Danke.
    Mit dieser Art der Berichterstattung und den offenen Antworten kann man sich dem dt. Team, nach der 470er Affäre, wieder ein bisschen annähern und vielleicht sogar Gefallen an den kommenden olympischen Regatten finden.

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  3. avatar Huber A. sagt:

    Macht sicher Spaß, wenn das Material zum richtigen Zeitpunkt läuft wie geschmiert. 🙂

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  4. avatar Lyr sagt:

    Super Artikel!! Konnte echt mitfühlen, in euch beide 🙂
    Nach der Medaille wird es aber höchste Zeit, dass RSR-Team zu gründen. 😉

    LG
    Jan

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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