Stanjek liest Ainslie

Starbootsegler Stanjeks Erkenntnis: „Geborene Wunderkinder gibt es nicht!“

Von Geburt an, so der Glaube, trennt Begabung die Genialen von den Gewöhnlichen und die Bewunderten von den Belächelten. Talent ist der göttliche Funke, ein Geschenk höherer Mächte. Wen er erleuchtet, darf sich auserwählt fühlen.

Aber wer das Buch „Close to the wind“ von Ben Ainslie liest, wird erkennen, dass diese Theorie einige Haken hat. Dieser Mann hat nicht allein durch „Erleuchtung“, drei olympische Gold- und eine Silbermedaille gewonnen. Er wurde nicht durch „den göttlichen Funken“ dreimal Weltsegler des Jahres. Seine Biographie lehrt den Weg zum Erfolg. Natürliche Wunderkinder gibt es nicht!

„Wenn man einmal an der Spitze ist… wird man schwer verdrängt“, schreibt Ainslie. Namen können die Gegner lähmen. So spricht er respektvoll über die Ära von Robert Scheidt, dem achtfachen Weltmeister im Laser. Aber Ainslie schafft es bei seinem Aufstieg, dieses Phänomen zu ignorieren. Er macht es sich schließlich selbst zu eigen.

Ben Ainslie im Finn Dinghy. Er berherrscht die Jolle nach Belieben ©Richard Langdonn

Nach der knapp verpassten Goldmedaille in Atlanta’96 kennt der Brite über vier Jahre nur ein Ziel und einen Gegner: Robert Scheidt. So reiben sie sich aneinander und werden zu Segelgiganten. Durch unerbittliche Trainingsumfänge entfernen sie sich unerreichbar von der Konkurrenz.

Ben Ainslie ist heute schon fast der erfolgreichste Segler aller Zeiten. Mit 32 Jahren steht er bereits auf einer Stufe mit Jochen Schümann. Dabei ist unser Sport viel professioneller und breiter geworden. Die Weltklasse liegt näher beieinander als früher. Ainslies Erfolge sind noch höher einzuschätzen.

Stanjek in typischer Ausreithaltung auf seinem Starboot © privat

Er dominiert seit zehn Jahren seine olympischen Disziplinen. Jaque Rogge vergleicht ihn nach der vierten Medaille mit Stars wie Micheal Phelps und Usain Bold. Ainslie ist die Messlatte des heutigen Standards im Rennsegeln. Er ist gegenwärtig der kompletteste Segler der Welt.

Wie konnte er das schaffen? Nur durch Talent? Was ist Talent? Woran liegt es, dass manche Menschen bei gleichem Aufwand schneller lernen als andere? Die Wissenschaft beschreibt es mit der Summe aller Umstände unter denen man aufwächst.

Vorwindsegeln mit dem Starboot © privat

Bisher existiert kein überzeugender Beweis, dass besondere Fähigkeiten angeboren sind. Talente werden also nicht gefunden – sondern geschaffen. Sie haben lediglich mehr dafür getan, die Grenzen ihres Könnens auszuweiten.

Genau hier gibt Ainslies Biografie Einblick und lässt nachvollziehen welche Umstände es im Leben braucht, wie entschlossen man jene erkennen und annehmen muss. Der Brite spricht bescheiden von Kindheit, Karriere und Träumen. Er war ein unscheinbarer, scheuer Junge, der in der Schule gehänselt wurde.

Harte Arbeit an der Kreuz © privat

Wo liegt der Unterschied im Charakter der Menschen wenn man mit vier Jahren nicht das Fahrrad sondern einen Opti nimmt, um seinen Freund im Nachbarort zu besuchen oder als 17-jähriger Lasersegler, die härteste Olympiaausscheidung gegen eine Riege brillanter britischer Segler wie Mark Littlejohn, Hugh Stiles, Andrew Simpson oder Ian Percy als Chance und nicht als Hoffnungslosigkeit sieht?

Das Buch beschreibt Hingabe, Stehvermögen, Vernunft und auch Schonungslosigkeit. „Es gibt nie eine Entschuldigungen zu verlieren“, schreibt Ainslie. Manchmal wirkt es aber, als wolle er sich entschuldigen, bei Freunden und Weggefährten, für seinen extrem scharfen und unbarmherzigen Segelstil.

Ben Ainslie gehört die Zukunft. Die vierte olympische Goldmedaille im Finn Dinghy vor heimischer Kulisse scheint fest gebucht. Und als Steuermann des britischen America´s Cup Bootes, würde er endgültig unsterblich, wenn er die begehrteste Segeltrophäe zurück zu ihren Wurzel brächte. Er wird sich nicht auf Talent verlassen, sondern hart dafür arbeiten.


Preis für Taschenbuch (Sprache: Englisch): 10,99 €

Falls Interesse bitte über amazon Link (Foto) bestellen und damit SegelReporter unterstützen. Danke!

Der Autor

Robert Stanjek (29) hat nach neun Jahren Zugehörigkeit zur Segel-Nationalmannschaft mit seinem Bruder Philipp (27) eine neue Olympiakampagne im Starboot gestartet. Mit seinem ehemaligen Vorschoter Markus Koy, der jetzt mit Johannes Polgar segelt, gewann er 2008 die Europameiserschaft im Starboot.

Der Berliner begann das Segeln mit sechs Jahren und nach guten Erfolgen im Jüngstenbereich wandte er sich 1996 dem olympischen Segeln in der Laserklasse zu. Er wurde viermal Deutscher Meister und belegt Platz acht bei der Junioren-Weltmeisterschaft.

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *