Superyacht-Regatta: St. Barth Bucket auf der deutschen “Drumfire” – Protestverhandlung

Traumyacht in der Karibik

Die deutsche 78 Fuß Yacht “Drumfire” segelte in der Karibik die Superyacht-Regatta St. Barth Bucket. Matthias Adamczewski, Soling Olympiateilnehmer 1988, berichtet von Bord.

Die deutsche 78 Fuß Traumyacht "Drumfire". © St Barth Bucket

Die deutsche 78 Fuß Traumyacht “Drumfire”. © St Barth Bucket

Wir sind kurz vor dem Ziel unserer letzten Regatta beim St Barth Bucket. Die Swan 90 “Freya” ist leider schon durch. Es wird also nichts mit dem dritten Platz. Trotzdem sind wir ein Superrennen rund um die Insel St Barths gesegelt. Keine Fehler an der Kreuz, immer den richtigen Spi oben und starke Manöver. Mehr geht nicht mit unserer 78 Fuß Truly Classic Yacht “Drumfire”.

Drumfire Superyacht

Vorschiffsmann Henning Sohn schlägt nach dem Spiwechsel die Schot an. © Adamczewski

Michael, unser Navigator aus Boston, gibt mir Distanz und Winkel zur Tonne und mit einem „Transfer!“ leite ich die letzte Halse ins Ziel ein. Gerade noch rechtzeitig bevor uns die 45 Meter lange „Visione“ überholt.

Es ist unser letztes Manöver an Bord der „Drumfire“. Seit vier Jahren bin ich als Taktiker dabei. Wir sind im Sommer wie Winter in den schönsten Ecken der Welt gesegelt. Highlight war bestimmt der Sieg beim Super Yacht Cup 2011 – meine Premiere.

Damals haben wir mit zwei ersten und einem zweiten Platz überlegen gewonnen. Hier in St Barths wollten wir zum Abschluss unserer Verbindung mit “Drumfire” auch aufs Podest.

Känguruhstart

Es geht los mit einem Känguruhstart. Sicherheit hat in der Superyachtszene Priorität. Die Abstände werden neuerdings nach der ORC Formel berechnet. Der Erste im Ziel hat gewonnen.

Drumfire Superyacht

Vorbereitung für den Spi-Wechsel. © Doris Herzberg

Wir starten am leicht bevorteilten unteren Ende der Linie und ziehen mit dem großen A2 Spinaker hoch unter Land. Nur 90 Sekunden hinter uns startet die „Axia“, eine 37 Meter lange neue S&S. Am Steuer Robby Doyle, Chef der gleichnamigen Segelmacherei. Und der will unbedingt in Luv über uns rüber.

Funkgeräte laufen heiß

Ohne die vorgeschriebenen 40 Meter Sicherheitsabstand einzuhalten drängt er sich zwischen uns und den vor dem Hafen ankernden Yachten hindurch. An Bord beider Yachten erzeugt das viel Getöse. Die Funkgeräte laufen heiß. Wir ziehen die Protestflagge, denn als Überholer muss sich die „Axia“ freihalten.

Drumfire Superyacht

Hoch am Wind mit der Genua 3. © Adamczewski

Später im Hearing vor der Jury behauptet Robby Doyle, wir hätten trotz einer bestehenden Überlappung geluvt und ihn so auf die ankernden Yachten gedrückt. Das Argument widerlegen sogar die Schiedsrichter mit einem Blick auf die Trackingdaten. Denn es ist zu sehen, das wir auf gerader Linie segeln und das die „Axia“ von achteraus heran rauscht.

Eigentlich hätten sie disqualifiziert werden müssen. Aber wir sind hier in der Superyachtszene. Bei einem ersten Vergehen heißt das nicht Protestverhandlung sondern ganz gentlemanlike Sicherheitshearing. So kann sich der Segelmacher am Ende über einen Sieg in der Gruppe der „Grand Dames“ freuen. Wir verabschieden uns erst einmal mit einem freundlichen Händedruck.

Drumfire Superyacht

Immer dicht an den Felsen lang von St. Barth. © Adamczewski

Erst bei einem zweiten Zwischenfall wird es ernst. Das bekommt die „Windfall“, zu spüren. Als die neue Baltic erneut den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand nicht einhält, fliegt sie in der zweiten Wettfahrt raus.

55 Tonnen gehen schlecht um die Kurve

Nach unserem Rendezvous mit Robby geht es an die Kreuz. Hier ist die richtige Seite nur das eine. Auch die Wenden müssen minimiert werden. Gerade bei wenig Wind kostet jedes Manöver viele Minuten. Es dauert eben seine Zeit, bis 55 Tonnen wieder am Wind segeln.

Heute bringen nicht so sehr die Winddreher den entscheidenden Vorteil, sondern die unterschiedliche Windstärke. Und außerdem gilt es, den Abdeckungskegeln der bis zu 60 Meter langen „Grand Dames“ mit ihren bis zu 1000 Quadratmetern am Wind aus dem Wind zu gehen. Wenn „Seahawk“, „Adela“ oder „Marie“ in Luv überholen, wird es für lange Zeit dunkel.

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Gleich wird es dunkel. “Drumfires” Begegnung mit der riesigen “Adela” © Doris Herzberg

Zum Höhepunkt kreuzen zwei Wale unseren Weg. Aber deren Sprünge aus dem Wasser bekommen wir leider nicht mit, denn der Abbieger am nächsten Felsen steht an. Es gibt viel zu tun. Wir müssen zum A3 dem asymetrischen Spi wechseln. Bei 100 Grad Windeinfall und weniger als 10 Windknoten funktioniert das, sagen uns die Tabellen und unsere Erfahrung.

Bordsprache ist Englisch

Jeder an Bord weiß genau, was zu tun ist. Immerhin segeln wir seit vier Jahren zusammen auf dieser Yacht. Die Crew ist aus Deutschen, Schweden und Amerikanern zusammengesetzt. Bei Regatten sind es 15 Mann. An Bord wird Englisch gesprochen, und das ist manchmal schon etwas merkwürdig, wenn man mit Freunden aus dem Club nicht in der Muttersprache redet. Aber auch daran gewöhnt man sich.

Drumfire Superyacht

Kunkurrent “Bequia” hängt an den Fersen. © Adamczewski

Die Manöver, wie „Jibe Set“, „Jibe Peel“ oder „Kiwi Drop“ mit dem 500 Quadratmeter großen Spi sind gut eingespielt. Sie bringen uns Respekt bei der Konkurrenz ein. Es ist ein faszinierendes Gefühl, wenn ohne viele Worte das riesige Tuch im Mittelcockpit verschwindet und wir mit Schwung wieder an die Kreuz gehen.

Dann liegt das Ziel auch schon voraus. Ein Kapitel geht zu Ende. Es ist unser letzter Einsatz auf “Drumfire”. Aber es geht weiter. Ein neues Schiff wird gebaut.

Ergebnisse St. Barth Bucket

Drumfire Superyacht

“Drumfire” in karibischen Gefilden. © Doris Herzberg

Drumfire Superyacht

Aufklaren nach dem Spiwechsel. © Adamczewski

Drumfire Superyacht

Der vorerst letzte Auftritt von “Drumfire” unter deutscher Flagge. © Doris Herzberg

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https://northsails.com/sailing/3di-nordac

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