Sydney Hobart Race: Die fünf 100 Fußer im Vergleich – schnellste Yachten der Welt

Die großen fünf

Am 2. Weihnachtstag sind die Augen der Segelwelt auf das Sydney-Hobart-Race gerichtet, wo insbesondere die fünf Super-Maxis im Vordergrund stehen. Der Franzose François Chevalier hat sie verglichen.

Die fünf 100 Fußer. Rio 100 (r.) verfügt über keinen Neigekiel und kann deshalb nur ein deutlich kürzeres Rigg tragen. ©François Chevalier

Die fünf 100 Fußer. Rio 100 (r.) verfügt über keinen Neigekiel und kann deshalb nur ein deutlich kürzeres Rigg tragen. ©François Chevalier

Das Sydney-Hobart-Race ist die berühmteste Regatta Australiens und jedes Jahr am zweiten Weihnachtstag, dem Boxing Day, pilgern tausende Einheimische zur Startlinie beim Nielsen Park am Ausgang der Bucht von Sydney.

Der 628 Meilen Kurs beim Hochsee-Klassiker Sydney-Hobart.

Der 628 Meilen Kurs beim Hochsee-Klassiker Sydney-Hobart.

Das Renommee als einer der wichtigsten Hochsee-Klassiker der Welt, hat das 628 Meilen Rennen durch seine oft extrem anspruchsvollen Bedingungen in der Bass Strait zwischen der Insel Hobart und dem Festland erhalten. 1998 kamen sechs Segler bei einem Sturm ums Leben.

Da scheint es sehr ambitioniert, mit einer neu gebauten kaum getesteten 100 Fuß Rennyacht wie “Comanche” an den Start zu gehen. Aber diese Herausforderung der einheimischen Aussie Crews durch den Amerikaner Jim Clark ist die spannende Geschichte dieser 70. Auflage der Regatta. Und in diesem Jahr sind gleich fünf Yachten mit der maximal erlaubten Größe von 100 Fuß am Start, so viele wie noch nie.

Welche Konstruktion hat die besten Chancen? Der Franzose François Chevalier, der regelmäßig die aktuellen Risse der schnellsten Yachten der Welt begutachtet, hat die Designs verglichen.

“Wild Oats XI”

Wild Oats XI ©François Chevalier

Wild Oats XI ©François Chevalier

Das Schiff ist schon neun Jahre alt und hat schon siebenmal das Sydney Hobart Race gewonnen. Es ist ein sehr schmales Design und hat besondere Stärken bei wenig Wind und auf der Kreuz. Eigner Bob Oatley, der für den 35. America’s Cup gemeldet sich aber wieder zurückgezogen hat, ließ das Schiff ständig für eine bessere Vorwind-Leistung anpassen.

“Wild Oats XI” war in der ersten Entwicklungsstufe mit zwei Rudern unter dem Bug und dem Heck ausgerüstet, dem sogenannten Canting-Ballast-Twin-Foil-System (CBTF). Inzwischen ist das vordere Ruder aber einem Schwertstummel gewichen. Damit kann Leegierigkeit unter den immer größer werdenen Gennaker Varianten am verlängerten Bugspriet verringert werden.

Im vergangenen Jahr kam dann noch ein horizontal ausfahrbares Seitenschwert dazu (Dynamic Stability System DSS) das noch einmal verlängert wurde und nun auf nahezu drei Meter unter Wasser nach Lee aus dem Rumpf geschoben wird. DSS stabilisiert das Schiff auf harten Vorwind-Gängen.

Wild Oats XI ist schmale wie ein Pfeil. ©François Chevalier

Wild Oats XI ist schmale wie ein Pfeil. ©François Chevalier

“Comanche”

Der US Herausforderer wurde von dem französischen Designbüro VPLP konstruiert, das besonders mit den schnellsten IMOCA 60 Entwürfen für die Vendée Globe brilliert. Das Schiff ist mit 7.85 Metern gut 2,75 Meter breiter als “Wild Oats XI”. Der Tiefgang beträgt 6.67 Meter.

Breites Heck. Die Linien von Comanche. ©François Chevalier

Breites Heck. Die Linien von Comanche. ©François Chevalier

“Comanche” soll auch in der Lage sein, die großen Hochsee Rekorde um die Welt und über den Atlantik anzugehen und ist deshalb für lange Glitsch-Kurse optimiert. Um den Rekord-Regeln zu entsprechen werden die Hydraulik Systeme per Menschenhand gekurbelt während die Konkurrenz Elektrowinschen zur Hilfe nimmt.

Das Duell mit “Wild Oats XI” ist auf dem Sydney Hobart Kurs ziemlich offen, da die neue Superyacht bei den häufigen Amwind-Anteilen nicht auf ihre vermutete Glitsch-Überlegenheit vertrauen kann. Außerdem wird sie so kurz nach dem Stapellauf noch nicht mit 100 Prozent gesegelt werden können.

Comanche. ©François Chevalier

Comanche. ©François Chevalier

“Perpetual Lloyal”

Das Design von Juan Kouyoumdjian hat schon sechs Jahre auf dem Buckel und erlangte unrühmliche Aufmerksamkeit, als es unter dem Namen “Rambler ” beim Fastnet Race 2011 direkt nach der Rundung den Kiel verlor.

Der Neuseeländer Anthony Bell, der beim Sydney-Hobart-Race 2011 mit “Investec Loyal”  “Wild Oats XI” um drei Minuten besiegen konnte,  hatte “Rambler” wieder flott gemacht und weiter entwickeln lassen. So kann sie inzwischen 8000 Liter Wasserballast in den hinteren Tanks aufnehmen.

Die Linien der ex Rambler und jetzigen Perpetual Loyal ©François Chevalier

Die Linien der ex Rambler und jetzigen Perpetual Loyal ©François Chevalier

Ob “Perpetual Loyal” allerdings eine Chance hat gegen die beiden Favoriten, ist unklar. Im Vergleich zu “Comanche” ist sie schmaler, etwas schwerer und mit weniger Segelfläche ausgerüstet. Die Stärken liegen bei harten Windbedingungen.

Perpetual Loyal ©François Chevalier

Perpetual Loyal ©François Chevalier

“Ragamuffin”

Noch schwieriger ist die neue Leistungsfähigkeit von Ragamuffin einzuschätzen. Das Schiff wurde erst am 2. Dezember getauft, nachdem der 87-jährige Eigner Syd Fischer der Konstruktion aus 2004 nun einen neuen Rumpf unter dem bisherigen modifizierten Deck und dem alten Rigg verpasst hatte. Auch ein gebrauchtes Foil kommt zum Einsatz. Es stammt von “Wild Oats XI”.

Die Yacht soll beste Allround-Fähigkeit aufweisen, dürfte es aber auch schwer haben, in der Kürze der Zeit die 100 Prozent ihrer maximalen Leistungsfähigkeit zu erreichen. Fischer, der bereits sein 46. Sydney Hobart Rennen bestreitet, glaubt besonders an eine starke Vorwind Performance. Aber große Chancen werden der neuen Konstruktion gegen die großen beiden noch nicht eingeräumt.

Ragamuffin ©François Chevalier

Ragamuffin ©François Chevalier

“Rio 100”

Quasi außer Konkurrenz aber auch 100 Fuß lang segelt “Rio 100”, denn das Schiff ist ohne einen Neigekiel ausgerüstet. Die Bilder zeigen schön, was das fehlende aufrichtende Moment für den Segelplan bedeutet. Der Mast ist kürzer und die Segel sind deutlich kleiner.

Das Schiff ist auch schon elf Jahre alt und wurde in Neuseeland als “Zana” gebaut. Aber auch dieser 100 Fußer erfuhr umfangreiche Modifikationen und wurde in diesem Jahr auf den neuen Namen getauft.

So ist die Yacht in der Mitte aufgeschnitten und mit einem breiteren Heck sowie Doppelrudern versehen worden. Sie hat aber gegen die Canting Keeler keine Chance und wäre nur vor dem Wind zwischen 8 und 15 Knoten annähernd gleich schnell.

Rio 100 ©François Chevalier

Rio 100 ©François Chevalier

Eventseite Sydney Hobart

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Sydney Hobart Race: Die fünf 100 Fußer im Vergleich – schnellste Yachten der Welt“

  1. avatar Zuschauer sagt:

    …definiert, von Böhmermann und Schulz!

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  2. avatar stefan sagt:

    Das “Ruder” am Bug von WOXI ist übrigens kein Ruder, sondern ein einziehbares Schwert (centerboard), das nur bei Leichtwind zum Einsatz kommt. Vor allem um dem 530qm Code 0 bei Leichtwind die nötige Lateralfläche zu verschaffen.

    Mit einem CBTF hat das nix zutun.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar Maxi sagt:

    Danke Stefan.
    Endlich mal einer der sich da auch auskennt.

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  4. avatar ? sagt:

    ich würd mich freuen, noch viel mehr von der Technik lesen zu können. da würden alle eine menge lernen können, was so möglich ist und wie es gelöst ist. die Technik unterscheidet sich ja doch sehr stark von serienschiffen.

    deckslayout
    hydrauliktechnik
    fallenschlösser
    wie werden diese schweren Segel bewegt unter deck
    über welche lasten spricht man hier
    aufhängung kiel
    usw.

    das wär top

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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