Szene: Anna-Maria Renken als IMOCA-Teammanagerin – Co-Skipperin bei „Monaco Globe“

Anna gibt Gas

Anna Maria Renken, IMOCA, Louis Burton

Tolles “Spielzeug”: Die ex “Banque Populaire”, heute “Bureau Vallée” – Siegerin der letzten Vendee Globe © bureau vallée

Nach ihrem Engagement in der Class 40 managt die Norddeutsche nun das Team „Bureau Vallée“. Und segelt als Co-Skipperin die „ex Banque Populaire“ beim Monaco Globe.  

Was macht eigentlich Anna-Maria Renken? Um die norddeutsche Juristin mit Wohnsitz im bretonischen Lorient war es im Laufe des letzten Jahres etwas ruhig geworden. Mit ihrem Finish als erste Deutsche beim legendären Transat Bakerly auf der Class 40 „Nivea“ machte sie 2016 noch Furore (SR-Bericht).

Nicht zuletzt, weil sie diese Einhand-Transatlantikregatta unter widrigsten Umständen meisterte: Zunächst wirbelte ein fieses Tief das gesamte Regattafeld durcheinander, dann riss auf „Nivea“ das Grosssegel und schließlich zwang ein Bandscheibenvorfall Skipperin Anna-Maria buchstäblich in die Knie. Eine Rücken-OP kurz nach Überquerung der Ziellinie vor New York machte deutlich, was die Seglerin während der Atlantiküberquerung durchgemacht haben muss.

Anna Maria Renken, IMOCA, Louis Burton

Im Helm-Test-Modus gemeinsam mit Louis Burton © bureau vallée

Wenig später wurde die Class 40 verkauft und Anna-Maria Renken sah sich nach einem neuen Team um. Wofür sie in ihrer neuen Heimat Lorient bestens platziert war. Sie engagierte sich erneut bei „Oman Sail“ (nachdem sie vor vier Jahren auf deren MOD70 mitsegelte) und präparierte im Team die Class 40, auf der Sidney Gavignet mit dem arabischen Co-Skipper Fahad Al Hasni eigentlich die Transat Jacques Vabre im letzten Herbst segeln wollten. Doch dann wurde der Araber zwei Tage vor dem Start wegen sexueller Übergriffe festgenommen. Oman Sails zog sich vom Rennen zurück – ein bitteres „Aus“ für das gesamte Team (SR berichtete).

Von Class 40 auf IMOCA

Doch nach jedem (Wellen)Tal geht’s bekanntlich wieder aufwärts: Im Februar hörte Anna-Maria von einem Jobangebot in St. Malo. Servane Escoffier, Lebensgefährtin des französischen Vendée Globe-Seglers Louis Burton, bot der Deutschen schließlich einen ausbaufähigen Posten im IMOCA-Team „Bureau Vallée“ an. 

Anna Maria Renken, IMOCA, Louis Burton

So gestylt geht sie jetzt (meistens) segeln © bureau vallée

„Das war und ist in mehrfacher Hinsicht hoch spannend für mich“ sagt Anna-Maria heute dazu. „Nicht nur weil das Team rund um Louis Burton gerade neu aufgestellt werden soll. Sondern auch, weil Burton nach der letzten Vendée Globe die siegreiche IMOCA Banque Populaire gekauft hatte und wir so mit einem Schiff der neuesten Generation arbeiten können!“

Nach einer relativ kurzen Einarbeitungszeit wurde die Deutsche kürzlich offiziell zur Teammanagerin ernannt. „Man schenkt mir hier eine Menge Vertrauen,“ freut sich Anna-Maria. „Und das motiviert enorm.“ 

Entsprechend engagiert ist sie derzeit unterwegs. „Nachdem Louis und Servane auf der ‚Bureau Vallée‘ an der TJV teilgenommen hatten, nutzten wir die letzten Monate, um dem Boot ein totales Refit zu gönnen,“ erklärt Anna-Maria.  „Wir haben zwar nichts Essentielles verändert, aber doch fast alles auseinander genommen, gecheckt und wieder zusammen gesetzt. Diese Boote sind nun mal die Formel 1 der Hochsee und in jeder Hinsicht komplex. Da muss wirklich alles passen und stimmen!“ Dies sei besonders wichtig für Skipper Louis Burton, da er so mehr Vertrauen in das Boot bekomme, macht seine Teammanagerin deutlich. 

Anna Maria Renken, IMOCA, Louis Burton

Anna-Maria Renken voll “in Action’ bei einem ihrer früheren Jobs auf der MOD 70 Oman Sails © miku

Denn Burton will als erste große Einhand-Regatta auf seiner „Bureau Vallée ex Banque Populaire“ im Herbst bei der Route du Rhum möglichst erfolgreich über den großen Teich rasen. „Und dazu muss man das Boot in- und auswendig kennen,“ stellt Anna-Maria klar. 

So ist auch zu verstehen, dass Burton die 1.000-Seemeilen-Regatta „Grand Prix Guyader“ zwischen Douarnenez und Cascais auf Höhe Lorient abbrach. Im Kielbereich habe er unbekannte Geräusche gehört, berichtete Burton später. Also erneuter Check durch das Shore-Team und ein paar schlaflose Nächte für die Teammanagerin. Nicht zuletzt, weil sich gerade ein ziemlicher Termindruck aufbaut. 

Start in Monaco 

Denn am 3. Juni will Burton auf seiner IMOCA „Bureau Vallée“ bei der Monaco Globe Series am Start sein. Die Zweihandregatta führt von Monte Carlo über die Straße von Bonifacio, nach Sizilien und über die Balearen zurück nach Monaco. 

Und wer wird Burtons Co-Skipperin bei diesem 1.400-Seemeilen-Sprint im Mittelmeer? Genau: Anna-Maria Renken! 

Somit ist Anna-Maria Renken nach der Deutsch-Französin Isabelle Joschke die zweite deutsche Hochseeseglerin, die im IMOCA-Zirkus mitmischt. Zwar noch zaghaft, aber immerhin… 

Anna Maria Renken, IMOCA, Louis Burton

Anna-Maria bei der Arbeit – hier noch auf der Class 40 © miku

Oder um es anders zu formulieren: Langsam aber sicher und in kleinen Schritten wird hier derzeit ein Traum wahr. „Wenn mir das jemand vor einem halben Jahr gesagt hätte,“ lacht Anna-Maria. 

Somit werden beim Monaco Globe unter neun teilnehmenden IMOCA mit Anna-Maria Renken, Isabelle Joschke und Boris Herrmann drei deutsche Teilnehmer dabei sein. Hat es das vorher schon mal gegeben? 

„Aber jetzt müssen wir erstmal hinkommen,“ stellt die Teammanagerin von „Bureau Vallée“ klar. In den nächsten Tagen wird sie gemeinsam mit drei weiteren Team-Seglern die IMOCA rund um Spanien an die Cote d’Azur segeln. Viel Zeit haben sie nicht mehr, längere Wetterkapriolen dürfen die Überfahrt nicht stören. „Aber auch das werden wir schaffen,“ gibt sich Anna-Maria zuversichtlich. „Mit so einem Boliden müsste die Strecke bei derzeitiger Wetterlage in acht Tagen zu machen sein!“ Na denn, „handbreit“ und möglichst keine unbekannten Geräusche mehr… 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Szene: Anna-Maria Renken als IMOCA-Teammanagerin – Co-Skipperin bei „Monaco Globe““

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Und was machen jetzt eigentlich die Burschis vom KYC die AMR dereinst jegliche Qualifikation abgesprochen haben?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 4

  2. avatar breizh sagt:

    Schön zu hören das AMR wieder im Rennen ist.
    Das könnte medial eine interessante Vendée Globe aus deutscher Sicht werden. Da solltest es neben SR auch genug Stories für die deutsche Presse dabei sein. Ich bin gespannt weiteres zu höhren.

    Ein erfolgreiches Rennen dann im Mittelmeer.

    Segeln die mit Neopren-Klamotten? Auf dem “gestylten” Foto sehen die Segelklamotten nämlich wie Neopren Anzüge aus?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  3. avatar Andreas sagt:

    Das war ein Offshore survival at sea seminar in La Trinite dieses Frühjahr. Ist ein Survival Suit von Guy Cotton. Den tragen die natürlich nicht beim Segeln, sondern nur wenn es brenzlig wird !

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